Eine Woche in der Filmhölle: Tag 6 – Männersache

Eigentlich war für heute ein anderer Film geplant, aber als ich gesehen habe, dass es auf Netflix tatsächlich einen Mario Barth-Film aus dem Jahr 2009 gibt, musste ich mich der Herausforderung einfach stellen. Haben wir hier die größte Katastrophe der Filmhöllen-Woche gefunden?

  • Von Mario und Moral

Auf dem Papier war die Hölle selten so nahe: Es geht um Paul (Mario Barth), der durch Witze über seinen besten Kumpel (Dieter Tappert alias Paul Panzer) und dessen Freundin (Anja Kling) endlich Erfolg als Stand-Up-Comedian hat. Leider zerbricht dadurch die Freundschaft und auch das Verhältnis zu seinem Vater (Michael Gwisdek) verschlechtert sich. Also muss sich unser Protagonist entscheiden: Entweder mit den immer gleichen, flachen Gags den Erfolgsweg weitergehen oder moralisch wieder zurück auf die Spur finden, auch wenn es die Karriere kostet. Dreimal dürft ihr raten, für was sich MARIO BARTH entscheidet!? Dass wäre ungefähr das Gleiche, wie ein Kim Kardashian-Film, in dem sie am Ende erkennt, dass Clicks und Geld gar nicht so wichtig sind. Der Wahnsinn zwischen Film und Realität wird noch unwirklicher, wenn Herr Barth sich über das schlechte Niveau der RTL-Sendungen lustig macht und die beeinflussende Boulevard-Berichterstattung kritisiert. Heute hat Mario Barth selbst eine Sendung bei RTL und macht sich gerne mal über die Klimakrise und die „Panikmache“ in perfider Art und Weise lustig. Vielleicht ist „Männersache“ auch eine versteckte Selbstkritik an dem Schaffen von Mario Barth und seinen Kollegen, wobei ich daran eher nicht glaube. Der Film ist einfach eine Moralkeule von jemanden, der diese Moral im realen Leben konsequent ignoriert.

  • Qualität gut versteckt

Mario Barth versagt aber nicht nur als Moralapostel, sondern auch als Schauspieler und Komiker. Letzteres ist natürlich eine Frage des Geschmacks. Wer bei „Kennste, kennste“ lachen muss, wird hier auch viel Spaß haben. Ich musste über Barth nicht einmal Grinsen, aber zum Glück dreht sich der Streifen nicht nur um den Hauptcharakter. Bei den ganzen Nebencharakteren kann man dann auch sehr schnell merken, dass Mario Barth einfach kein guter Schauspieler ist. So macht Anja Kling ihre Sache ganz gut, wirklich restlos kann aber Michael Gwisdek als Ruhepol im Film überzeugen und (ich mag es kaum zu schreiben) Dieter Tappert macht einen richtig guten Job. Entgegen seinem Komiker-Partner, hat er sich dazu entschieden, seine Figur „Paul Panzer“ nicht in den Film zu bringen, sondern wirklich zu schauspielern. Zu meiner großen Überraschung, macht Herr Tappert das auch wirklich grundsolide. Irgendwo im zweiten Drittel schlägt „Männersache“ auch ernstere Töne an und man merkt tatsächlich, dass sich die Macher für die Charaktere interessante Hintergründe überlegt haben. Blöd nur, dass diese Minuten viel zu aufgesetzt wirken und auch bald wieder durch die platten Gags weichen müssen. Auch rein technisch muss man meckern. Entweder man hat im Schnitt geschlafen oder es wurden einfach ein paar Szenen im Drehbuch vergessen, aber gerade gegen Ende fehlt der eigentlich einfachen Story etwas „Füllmaterial“. Ich habe mich auf einen der schlimmsten Filme aller Zeiten vorbereitet und muss tatsächlich sagen, dass „Männersache“ nicht in die unterste Liga gehört. Klar, der Film ist weit weg davon gut zu sein. Das liegt in erster Linie am Hauptdarsteller und Drehbuchautor Mario Barth. Die guten Nebencharaktere versuchen aber alles um den Film zu retten und bieten dem Zuschauer dann auch mal nette Unterhaltung, wenn auch viel zu selten in den fast 100 Minuten Laufzeit. Nebenbei habe ich es übrigens aus dem Grab von Stanley Kubrick rütteln gehört, denn der Großmeister dreht sich darin wohl gerade um. Der Film bestitzt doch tatsächlich die Frechheit „Clockwork Orange“ zu zitieren. Das gibt einen halben Stern extra Abzug!

Männersache

 

Beiträge zur aktuellen „Filmhölle“:

6 Comments

  1. Vollkatastrophe erwartet. Die blieb überraschend aus, da Barth hier weniger laut daher kommt als bei seinen Bühnenauftritten. Ein Highlight ist der Film dennoch nicht. Next Stopp: Mein Wohnort!

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