Eine Woche in der Filmhölle: Tag 3 – Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Tag 3 von 7 in der Filmhölle: Ich schaue jeden Tag einen Film aus der wunderschönen Kategorie „Deutsche Comedy der 00er Jahre“. Nach zwei Tagen voller Blödel-Humor, hatte mein heutiger Kandidat zumindest etwas mehr Potenzial. Ob die neuste Verfilmung einer alten bayrischen Saga etwas taugt, verrate ich euch in den nächsten Zeilen.

  • Im Himmel gibts Weißwurst

Ihr kennt die Geschichte vom „Brandner Kaspar“ nicht? Dann gibt es hier mal eine kleine Zusammenfassung: Unser Titelheld (Franz Xaver Kroetz) lebt im Bayern Ende des 19. Jahrhunderts. Sein größtes Hobby ist die Wilderei, gegen Schnaps hat er nichts einzuwenden und seine Liebe gilt der einzig verbliebenden Tochter. Um seine Gesundheit ist es jedoch nicht so gut bestellt und somit wird der „Boandlkramer“ (=der bayrische Sensenmann) losgeschickt, um Kaspar zu holen. Dieser hat aber überhaupt keine Lust auf das Jenseits und macht den Tod höchstpersönlich erst betrunken, um ihn dann im Kartenspiel zu schlagen. Als Gewinn darf unser Protagonist noch 21 Jahre weiterleben. Während Kaspar nun voller Tatendrang sein Leben führt, schafft es der Tod im „bayrischem Himmel“ den heiligen Petrus zu belügen. Alles scheint seinen Weg zu gehen, bis der „Boandlkramer“ (Michael Bully Herbig) wieder in das Dorf zurückkehrt. Dieses Mal sollen die Himmelspforten jedoch für Kaspars Tochter aufgehen…

  • Süddeutsche Töne

Ich hake mal die zwei Negativpunkte ab, damit wir uns direkt danach den schönen Dingen widmen können. Erstmal finde ich es sehr schade, dass Amazon Prime keine Untertitel für „bayrisch“ anbietet. Natürlich konnte ich der Geschichte folgen und ich habe durch Zusammenhänge alles verstanden, aber der Akzent der Schauspieler ist schon eine große Herausforderung für das eigene Ohr. So kommt zwar eine schöne Authentizität rüber, aber Filme machen halt einfach weniger Spaß, wenn man die Leute beim Reden nicht versteht. „Brandner Kaspar“ hat aber auch auf einer anderen Ebene Probleme in der „Tonalität“. Da sehen wir teilweise Gegenschnitte zwischen Petrus der seine Weißwurst isst und Herrn Kroetz, der sich gerade die Seele aus dem Leib spielt, weil seine Tochter gestorben ist. Beide Elemente sind zwar für sich gelungen, aber zusammen passt es einfach nicht gut in das Gesamtbild. Wir nehmen Kaspar die Trauer genauso ab wie seine Freude. Beides gleichzeitig zu empfinden oder abwechselnd im Sekundentakt, wirkt sich dann leider negativ auf das Gesamtergebnis aus. Sonst sind aber ein paar Witze ganz gut gelungen, zumindest wenn ich sie mal verstanden habe und auch die empathischen Momente kann man abgekoppelt von den Szenen drumherum als positiv betrachten. Völlig überzeugen kann der Hauptdarsteller, während „Bully“ als Tod seine Sache zwar gut macht, aber mit persönlich ein Stück zu drüber agiert. Dazu kommen schöne Aufnahmen und die musikalische Untermalung ist… ähm… „bayrisch“. „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ kann also unterhalten, auch wenn man ihn zeitweise auch einfach als bayrischen Trash beschreiben kann und dessen Stoff vielleicht besser auf der Theaterbühne aufgehoben wäre. Gerade durch den Hauptdarsteller und der guten Grundgeschichte, ist hier aber trotzdem ein sehr solider Film herausgekommen.

Brandner Kaspar

 

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7 Comments

  1. Sicher nicht perfekt, aber nach den beiden Fehltritten mit Siegried und Harte Jungs eine echte Wohltat. Nun muss ich der Spur wohl zu den Zwergen in den Wald folgen.

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