Eine Woche in der Filmhölle: Tag 2 – Harte Jungs

Heute gibt es den Beitrag aus dem 7. Kreis der Hölle mal am späteren Abend. Dafür gibt es aber auch etwas ganz „besonderes“. Kehrt mit mir zurück in die Zeit, wo wahrscheinlich niemand mehr in seinem Leben hin will. Die Zeit, wo eine Corona-Krise wahrscheinlich nicht das schlimmste für einen selbst gewesen wäre. Zurück in die Zeit, wo man beim heutigen Film wohl zur Zielgruppe gehören würde. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die Pubertät!

  • Penis! (Hihi)

Für alle, die „Harte Jungs“ noch nicht kennen: Es geht um den 15jährigen Florian (Tobias Schenke), der eines schönen Morgens merkt, dass sein bestes Stück mit ihm redet. Zusammen mit seinem besten Kumpel „Red Bull“ (Axel Stein) versucht er in diesen kuriosen Zeiten den Durchblick zu behalten. Das ist natürlich extrem schwierig! Begriffe der Sexualität müssen gelernt, die Frauen verstanden und der „kleine Freund“ in Grenzen gehalten werden. Kurz: Dieser Film ist eine überdrehte „Coming of Age“-Komödie über alle Verrücktheiten der Pubertät. So weit, so gut. Jetzt ist es nur so, dass ich schon einige Jahre nicht mehr zur Zielgruppe gehöre, rein auf Humor-Ebene kann ich aber über viele Sachen lachen, die ich auch mit 14 lustig fand. „Harte Jungs“ empfand ich jedoch schon damals als nicht der Rede wert und zehn Jahre später ist der Film auch nicht gerade gut gealtert. Ganz im Gegenteil. Der Streifen bietet einen extrem hohen Fremdschämfaktor für jeden erwachsenen Menschen. Das liegt nicht nur daran, dass unser Protagonist und seine Freunde die vielleicht dümmsten Teenager der Geschichte sind und scheinbar jede Biologie-Stunde geschwänzt haben, sondern auch an ein paar Momenten, die einfach unnötig inszeniert sind. Im Nachhinein ist es immerhin schön zu lesen, dass alle Darsteller zum Drehzeitpunkt die Volljährigkeit erreicht haben, denn sonst wäre die extreme Kamerafokussierung auf Ausschnitte der Schülerinnen oder auf den Schrittbereich der Hauptperson noch katastrophaler, als sie es ohnehin schon sind.

  • Das Heu im Nadelhaufen

Die Übersexualisierung ist ja auch vollkommen nachvollziehbar bei dem Thema oder wenn wir Szenen aus der Sicht von Florian sehen. Der hat natürlich in einer tagträumerischen Mathestunde nichts Besseres zu tun, als den Blick schweifen zu lassen. Der Film will ab einem bestimmten Zeitpunkt aber auch einfach nur die Brüste-Quote hochhalten, egal ob die Szene passend oder Gag-relevant ist. Da sind wir auch schon beim Thema „Witze“, immerhin ist „Harte Jungs“ eine Komödie und ich bin pubertären Humor nicht abgeneigt. Leidet zündet hier so gut wie nichts. Da ist es noch am witzigsten, wie kreativ Teenager bei ihren Ausreden sein können. Eine Fertigkeit, die wohl schon viele junge Männer vor peinlichen Situationen gerettet hat und hier ganz gut ausgeführt wird. Tatsächlich hat der Film aber seine größten Stärken in den tragischen Momenten. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Drama in „Harte Jungs“ ist vollkommen in Ordnung umgesetzt. Ich würde sogar so weit gehen, dass man hier eine gute Moral für junge Menschen rauslesen kann. Irgendwie sowas wie: „Egal wie wichtig dir gerade deine Teenager-Probleme erscheinen, irgendwann wirst du mit realen, wichtigeren Themen konfrontiert werden“. Ich hatte sogar etwas Mitleid mit dem Protagonisten, wenn die Eltern kurz vor der Scheidung stehen oder wenn die beste Freundschaft scheinbar wegen „Liebe“ in die Brüche geht. Aber das war es jetzt auch mit positiven Worten, denn die hat dieser Film eigentlich nicht mal ansatzweiße verdient. „Harte Jungs“ wurde im Jahr 2000 gedreht und sollte eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt jegliche Relevanz verloren haben. Die Story ist vorhersehbar, es wird jedes Klischee ausgepackt, was man sich nur vorstellen kann, kaum ein Witz kann wirklich zünden, die Darsteller machen das Nötigste, es wird ständig Werbung für „Red Bull“ gemacht und man fühlt sich irgendwie ständig wie in einer Schulaufführung, wo sich ja alle ganz viel Mühe gegeben haben. Für die Zielgruppe der Teenager ist der Film vielleicht noch erträglich, für alle anderen kommt „Harte Jungs“ der Filmhölle schon gefährlich nahe.

Harte Jungs

 

Beiträge zur aktuellen „Filmhölle“:

16 Comments

    1. Nachdem ich Lufio auf seinem Weg durch die Filmhölle nun auch mit diesem Film gefolgt bin, kann ich leider keinen Umweg über KNALLHARTE JUNGS gehen. Der ist nämlich nicht bei Netflix. Mal schauen ob ich stattdessen zum Brandner Kasper aufschließen kann.

      Gefällt 1 Person

        1. Solange die Filme irgendwo legal zum Stream verfügbar sind, versuche ich dabei zu bleiben. Wenn auch mit zeitlichem Verzug.

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