Eine Woche in der Filmhölle: Tag 4 – Sieben Zwerge

Am Montag habe ich es schon einmal versucht und hier kommt nun der zweite Versuch meine wohligen Kindheitserinnerungen zu beschädigen. Immerhin: Mit Tag Nr. 4 habe ich schon über die Hälfte der Höllenwoche mit deutschen Komödien der 00er Jahre geschafft. Und Otto Walkes ist doch nie eine schlechte Wahl. Oder…?!

  • Ein dutzend Billiger Witze

Die Storybeschreibung von „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ aus dem Jahr 2004 halte ich heute mal kurz, denn immerhin kennt wohl jeder das berühmte Märchen. Ihr wisst schon: „Spieglein, Spieglein“, „Wer hat in meinem Bettchen geschlafen“ usw. Hier bekommt ein ganz bestimmter Mensch auch direkt mal ein extra Lob, denn der Casting-Chef hat ganze Arbeit geleistet. Das „Who is Who“ der damaligen deutschen Comedy-Szene ist dabei. Nina Hagen spielt die böse Königin, ihre reale Tochter Cosma-Shiva spielt Schneewittchen, Hans-Werner Olm den Diener, Rüdiger Hoffmann („Hallo erstmal“) spielt den Spiegel, Christian Tramitz den Jäger, Atze Schröder den „Prinz“ und die Zwerge werden u.a verkörpert von Otto Walkes, Maddin Schneider, Ralf Schmitz, Mirko Nontschew oder Heinz Hoenig. Besondere Highlights sind natürlich die Cameo-Auftritte großer TV-Persönlichkeiten wie Harald Schmidt oder Helge Schneider. Letzterer hat als Gandalf-Verschnitt dann auch den besten Gag im ganzen Film. Ich zitiere:


Helge: „Werft den Ring doch einfach ins Feuer.“

Zwerg: „Wir haben keinen Ring. Wir haben Schneewittchen!“

Helge: „Dann werft das Schneewittchen ins Feuer.“

Zwerg: „Wir können Schneewittchen doch nicht ins Feuer werfen.“

Helge: „Ja, äh dann habt ihr n´ Problem“


Der Auftritt als „weiser Helge“ hat mir so gut gefallen, dass ich mir direkt danach noch „Praxis Dr. Hasenbein“ angesehen habe. Die vielen unterschiedlichen Comedy-Größen sind hier aber Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist für jeden Humorgeschmack wenigstens etwas dabei, andererseits muss man auch den ganzen Rest durchstehen.

 

  • Kommt n´Zwerg aus der RTL Show

Sehr interessant für mich war, dass ich über ganz andere Sachen gelacht habe als mein 9jähriges-Ich. Damals im Kino lag ich auf dem Boden vor Lachen beim „Schachspielen“ oder fand den „Zwerge-Song“ extrem amüsant. Heute musste ich, wie schon erwähnt, eigentlich nur richtig laut bei Helge Schneider lachen. Was aber nicht bedeutet, dass hier gar keine guten Witze versteckt sind. Das Schauspiel zwischen Nina Hagen und Hans-Werner Olm ist zum Beispiel grandios und schmunzeln musste ich auch, wenn Frau Hagen ihre eigene Tochter „schwarzhaarige Schlampe“ nennt. Andere Szenen wirken dagegen seltsam aus der Zeit gefallen. So muss der mehrmalige Witz mit dem „N“-Wort nicht unbedingt sein. Versteht mich aber nicht falsch: Der Gag ist solide, hat aber in einem Kinderfilm nichts verloren. Beim ersten „7 Zwerge“ Film spielen über ein Dutzend verschiedener Komiker mit und geben aufs Stichwort ihre bekannten Punchlines ab. Solche Zusammenkünfte können wunderbar funktionieren (z.B. in alten TV-Shows wie „Genial daneben“), hier wirkt alles aber wie ein Witze-Wettbewerb vor ganz furchtbaren Greenscreen. Bei so einer hohen Gagquote trifft der ein oder andere dann auch mal ins Schwarze, aber viel zu selten war bei mir mehr als ein Lächeln drin. Dazu kommt die extrem langweilige Aufmachung der Geschichte und Effekte, die beim Grad der Absurdität leider irgendwann die Handbremse angelegt haben. Tauscht bei meinem Montags-Film „Siegfried“ den Hauptdarsteller durch die gesamte Comedy-Riege der 00er Jahre aus und ersetzt die derbe „Kotze“ durch zahmere „Pferdeäpfel“, dann wisst ihr ungefähr, was euch erwartet. Immerhin: Durch die hohe Anzahl an unterschiedlichen Komikern, gebe ich euch mein Wort, dass ihr zumindest einmal irgendwann in den 95 Minuten lachen müsst.

7 Zwerge

 

Beiträge zur aktuellen „Filmhölle“:

6 Comments

  1. So, die Rettung aus der Hölle kommt dir näher. Ich war überrascht, dass einige der billigen Witze mich doch unterhalten konnten. Mehr dann kommenden Dienstag, wenn die Kurzkritiken für diese Woche anstehen, ich muss erstmal weiter und rausfinden warum Männer nicht zuhören können und Frauen schlecht einparken.

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