Im Film-Himmel – Tag 5: Das Siebente Siegel

Es wird wieder Zeit ein großes, fettes „X“ hinter einen großen Klassiker der Filmgeschichte zu setzen und der heutige Streifen hat diesen Titel mit Sicherheit verdient. In Cannes prämiert, von der Kritik gefeiert, Schwedisch – Viel Spaß mit meinen wenigen Worten zu Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“.

Ein Meisterwerk! OK, sorry. Damit wäre jetzt jegliche Spannung raus, wie ich den Film denn so finde, immerhin sagt man „Meisterwerk“ nicht zu jeden x-beliebigen alten Schinken. Hier ist es aber wirklich mal angebracht, obwohl ich beim Start des Films schon andere Worte im Kopf hatte. Es beginnt nämlich alles mit einem Bibelzitat an einem kieseligen Strand, wo unser Protagonist Antonios Block nach 10 Jahren Kreuzzug angespült wird. Dort trifft er auf den Teufel, der ihn natürlich mitnehmen will. Auf eine Partie Schach vor dem Ableben lässt er sich dann aber trotzdem noch ein. Diese Partie wird über drei Runden gespielt und zwischen diesen Szenen spielt sich die Geschichte ab. Antonios und sein Knappe Jöns sind auf dem Weg zu ihrer alten Heimatburg und treffen unterwegs immer neue Leute, die sich der Gruppe anschließen. Ein Gauklerpaar, eine Frau die von einem Vergewaltiger gerettet wird und ein besoffener Schmied gehören schon recht bald zum Team. Wie die Schachpartie ausgeht und was sie auf der Burg erwartet, möchte ich dann hier doch nicht erzählen, denn das sollt ihr schön selbst herausfinden. Es lohnt sich!

Einen Moment mal: Ritter und Knappe ziehen durch die Lande, Leute stoßen zur Gruppe dazu und gemeinsam wollen sie ein Ziel erreichen – Ingmar Bergman hat hier doch nicht etwas den Prototyp einer Fantasy-Heldenreise erschaffen? Ja und nein, es kommt ein bisschen darauf an, wie ihr zum Thema Religion und Glauben steht, denn das ist der integrale Bestandteil von „Das siebente Siegel“. Dabei meine ich nicht unbedingt das Christentum und dessen Lehren (das wäre für mich ziemlich langweilig geworden), sondern wirklich die Auseinandersetzung des Individuums mit dem Thema „Glauben“ und was das aus den Menschen macht. Das hört sich jetzt vielleicht im ersten Moment staubtrocken an, als wäre der Film eine große Aneinanderreihung von schweren philosophischen Themen die mit bedeutungsschwangeren Mono- und Dialogen auf den Zuschauer losgelassen werden. Zum Glück ist das hier nicht der Fall. Naja, fast. Protagonist Antonios hat einen Hang zur Philosophie um das Leben, aber der spielt ja auch Schach mit dem Teufel, was erwartet ihr? Bei allen anderen ist der Umgang mit dem Glauben einfach in den Charakter eingeflossen, was in einem fantastischen Ende gipfelt, wenn ihre Persönlichkeit auf das Schlimmste im Leben trifft. Die Figuren in dieser Geschichte machen einfach nur Spaß und das mein ich wörtlich. Nie hätte ich gedacht, dass dieser Film so viel Humor hat und dazu auch noch so eine fantastische Mischung aus schwarzem Humor und fast schon Slapstick. Bestes Beispiel dafür: Jörn! Sein Darsteller Gunnar Björnstrand spielt ihn wie eine mittelalterliche Version von Bill Murray. Wenn ich euch mit diesem Satz nicht überzeugen konnte, dann weiß ich auch nicht.

Ihr hört es so ein wenig heraus, ich bin etwas begeistert von „Das siebente Siegel“. Daher nur kurz ein paar Mini-Kritikpunkte: Die Story kommt am Anfang nur ziemlich schwer in Gang und wird dann im Laufe des Films auch sehr abgehakt erzählt. Besonders die teilweise harten Schnitte, ist man mit heutigen Sehgewohnheiten einfach nicht mehr gewöhnt. Mehr Worte der Kritik kann ich aber nicht anbringen. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, jede Szene kann man sich als Standbild in die Wohnung hängen, die Schauspieler machen einen tollen Job, die Story weiß bis zum Ende zu fesseln, die Geschichte ist klar strukturiert, hat aber genug zu bieten um sich über dessen Inhalt Gedanken zu machen – und das alles in 96 Minuten! Es ist einfach schön, mal einen Film zu sehen, der sich wirklich auf eine Sache fokussiert und somit für eine „epische“ Handlung und Charaktertiefe nicht drei Stunden (+) braucht. Als letzten großen Pluspunkt möchte ich noch die Darstellung des Mittelalters mit einbringen. Auch wenn geschichtliche Fakten hier nicht immer stimmen sollten, stelle ich mir ungefähr genauso die Menschen von damals vor. Ein Leben im Dreck, mit Gewalt, ne Menge Bier, Zynismus und Aberglauben. Bezeichnend dafür ist die Szene mit den Geißlern (Leute die sich selbst peitschen für Gott), die genial inszeniert ist. Erst stehen die Dorfbewohner betroffen dort, als der Pfarrer ihnen mitteilt, dass sie schon morgen von der Pest geholt werden, dann wird sich in der Schänke besoffen, sich geprügelt und irgendwo in der Ecke steht in Jörn mit einem sarkastischen Spruch auf den Lippen. Allein für diese Szene lohnt es sich sofort diesen Klassiker nachzuholen. Nur, so fair muss ich leider sein, die Fans einer guten Schachpartie werden eher enttäuscht.

Die Film-Himmel-Woche:

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