Kritik: Star Wars – Episode IX

Review zum Abschluss der Star Wars Saga – Gibt es eine schwierigere Aufgabe für einen Fan? Was kann man überhaupt noch erwarten nach einem Remake zu Episode IV und einem Experiment in der Mitte der neuen Trilogie? Ich ging eigentlich ohne Erwartungen ins Kino, habe mir den Film jetzt auch ein zweites Mal angesehen und versuche meine Eindrücke hier ein paar Worten zu verewigen. Spoilerfrei, aber mit vielen Andeutungen auf spätere Szenen.

  • Woher wir kommen

Für die Bewertung von „Episode IX –Der Aufstieg Skywalkers“ ist extrem wichtig zu verstehen, wie der aktuelle Status Quo liegt. Das Finale einer Trilogie zu beleuchten, ohne die zwei vergangenen Filme mit ins Boot zu holen, macht wenig Sinn. Tatsächlich habe ich Episode VII und VIII die gleiche Bewertung gegeben. Beide haben von mir auf Letterboxd 3,5 von 5 Punkten erhalten, allerdings aus vollkommen unterschiedlichen Gründen. Während der Auftakt auf gleich hohem Niveau blieb, mit wenigen Ausreißern nach oben und unten, ist der Nachfolger deutlich schwieriger. „The Last Jedi“ hat es zeitgleich geschafft, dass ich einzelne Momente liebe und hasse. Der experimentelle, neue Ansatz gefiel mir, jedoch fügte sich der Film damit null in das Konzept der Trilogie ein. Die beiden Vorgänger von „The Rise of Skywalker“ sind grundunterschiedliche Filme. Gibt es eine schlechtere Ausgangslage für einen finalen dritten Teil? Natürlich! Dachte sich zumindest Disney und so ist auch noch J.J. Abrams der Regisseur vom Anfang und vom Ende. Die Konsequenzen daraus könnten gar nicht größer sein.

  • Wenn zwei sich streiten

Es kam wie es kommen musste. Alles was „Episode VIII“ neu aufgebaut hat, wird in der Fortsetzung eingerissen. Schon der der berühmte Anfangstext stellt klar: „Hier geht es um etwas ganz anderes!“ Nur damit wir uns richtig verstehen. Mit „etwas anderes“ ist nur die Storyebene gemeint. Alles andere könnte nicht klassischer und konservativer gedreht wurden sein. Immer wieder bringt der Film Zeit und Mühe auf, die vorigen Ereignisse zu relativieren, wieder „richtig“ zu stellen oder komplett zu ignorieren. Auch wenn ich selbst kein Fan von „Episode VIII“ bin und bei dem ein oder anderen Gag („Zeige etwas mehr Respekt!“) auch lachen musste, fühlt sich das Alles falsch an. Ist nicht der Sinn von Episoden, dass sie aufeinander aufbauen? Nun könnte man argumentieren, dass Rian Johnson angefangen hat mit dieser „Schlacht der Regisseure“, aber nur weil ein Kind mit Hauen anfängt, sagt man ja nicht gleich zu dem anderen „Schlag zurück“! Bis einer heult und diesem Fall sind es die Fans, die anfangen zu heulen. Zumindest wenn sie so ticken wie ich. Viele wollen einen neuen Ansatz für Star Wars und den Bruch mit Traditionen, gleichzeitig will man den Respekt für die Marke und eine Trilogie mit Konzept. Mit dieser Hoffnung (nicht Erwartung!) ging ich ins Kino und tatsächlich wurden Dinge aus dem Vorgänger übernommen. Nur nicht die Guten.

  • Videospiele lassen grüßen

Jetzt habe ich schon viel angedeutet, aber noch nicht klar heraus gesagt, was „Episode IX“ eigentlich ist. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass die Macher mit diesem Film absolut auf „Nummer sicher“ gegangen sind. Keine Experimente und nix, was auch nur ansatzweise den Fans nicht gefallen könnte. Außer man ist Fan von „Episode XIII“, dann Pech gehabt. Nachteil des Ganzen: Jegliche Innovation geht verloren. Der neue Star Wars Teil ist ein nach „Schema F“ durchgeplanter Abenteuerfilm. Mehr noch: Das Ganze könnte ein wahnsinnig gutes Videospiel sein. „Uncharted in Space!“ sozusagen. Direkt am Anfang ist die Zielrichtung klar, dann kommt die Heldentruppe zusammen und los geht’s. Schauplatz, Action, Rätsel, nächster Hinweis und dann geht die Sache von vorne los. Diesmal nicht im Sand, sondern in einer Stadt. Wieder ein neuer Schauplatz, Actionsequenz, kleines Rätsel und mit dem nächsten Hinweis zum nächsten Planeten. Nach jedem Level „Set Piece“ kommt sogar ein typischer Endboss, der die Charaktere auf den Oberschurken vorbereitet. Ja, „Episode IX“ wäre ein fantastisches Abenteuer-Spiel, nur leider als Film ist die erste Hälfte ziemlich öde. One-Liner und Gags sollen das Ganze auflockern, aber das klappt leider auch nur manchmal. Auch ich musste bei einem gewissen neuen (kleinen) Charakter lachen, aber das Lächeln war ganz schnell wieder weg, wenn der neue Film eine Sache seines Vorgängers übernimmt. Rein auf dem Humor-Level war „The last Jedi“ schon an der Schmerzgrenze, aber mit dem neuen Film sind wir endgültig auf Marvel-Niveau angekommen. Emotionale Szenen ohne Gag-Unterbrechung werdet ihr in der ersten Hälfte des Films nicht finden. Übrigens müsst ihr euch wichtige Sätze der Protagonisten nicht merken, sie werden eh in den kommenden Minuten mindestens noch einmal wiederholt. Dafür gibt es Sequenzen, die nochmal das „alte“ Gefühl hochleben lassen wollen. Wie toll wäre ein „Ich bin dein Vater“-Moment im Jahr 2019 zu erleben. Hier gibt es die Antwort: Gar nicht mal so toll bzw. fast schon peinlich und lustig.

  • Mühsam ernährt sich der Wookiee

Der Film steigert sich ab einem gewissen Moment (mit viel Wasser). Auf eine sehr interessante Szene mit Rey folgt ein toller Lichtschwert-Kampf, ein wirklich emotionaler Moment, ein überraschender Gast und die Konsequenz daraus ist der Beginn der letzten Schlacht dieser Trilogie. Einen ähnlichen Moment gibt es auch relativ am Anfang und betrifft Chewbacca. Dieser bleibt, wie so vieles, aber ohne irgendwelche Auswirkungen. Zum Ende gibt sich „Episode IX“ aber nochmal versöhnlich. Riesige Materialschlacht, gepaart mit einem genialen Score und sympathischen Charakteren die irgendwas machen müssen, um die dunkle Seite aufzuhalten – Es ist nicht so schwer einen, zumindest passablen, Star Wars Film hinzubekommen. Auch die alles entscheidende Begegnung zwischen Gut und Böse ist toll inszeniert, auch wenn der gesamte Showdown mich persönlich sehr an das Ende von „Avatar – Der Herr der Elemente“ erinnert hat. Aber da diese Serie einen verdammt guten Abschluss bietet, nehme ich diese Parallelen sehr gerne in Kauf. Erwartet jedoch keine Überraschungen oder gar Experimente. Regisseur Abrams bringt die Trilogie mit einem epischen Knall zu Ende, aber ohne jegliche Innovation, Kreativität oder Einfallsreichtum. Auch die allerletzten Momente der Saga sind gut gelungen, lassen einen nicht komplett ratlos im Kinosessel zurück, aber lassen die Fehler der gesamten Trilogie auch bei weitem nicht vergessen.

  • Aufstieg und Fall

„Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers“ hätte von mir für die erste Hälfte vielleicht die schlechteste Bewertung aller Filme der Saga bekommen. Musik, Optik und Darsteller sind zwar auf einem guten Niveau, aber deplatzierter Humor, eine formelhafte Geschichte im Schneckentempo und der unbedingte Wille, dem Vorgänger runterzuziehen, hätten den Streifen beinahe kaputt gemacht. Etwa zur Mitte (obwohl die Zeitangaben im Film sehr kurios sind) steigert sich die letzte Episode. Gut, heißt ja nicht umsonst „Rise of Skywalker“. Der Humor weicht größtenteils der Ernsthaftigkeit, ist gibt einen Fokus auf die Zerrissenheit der Charaktere und audio-visuell ist es einfach der Wahnsinn, was auf der Leinwand abgefeiert wird. Das versöhnliche Ende trägt dann dazu bei, dass aus „Episode IX“ ein solider Abschlussfilm geworden ist. Was bleibt, ist das eigentliche Potenzial. Die Protagonisten sind gut geschrieben und gespielt, die neuen Ansätze von Episode VIII waren zumindest eine Überlegung wert und immer mal wieder hat diese neue Trilogie es auch geschafft, das alte „Feeling“ kurz wieder aufleben zu lassen. Eine konsequente Geschichte mit neuen Ansätzen und einem Konzept für die ganze Trilogie mit dem Einsatz von Humor in Maßen – Das wäre mein persönlicher Traum von Star Wars. Bekommen haben wir drei einzelne Filme, wo zwei davon nichts Besseres zu tun haben, als den Vorgänger zu entwerten. Als Trilogie hat „Star Wars“ versagt und auch „Episode IX“ hat dazu beigetragen. Eigentlich würde ich auch diesem Film die gleiche Bewertung geben, wie den anderen beiden Vorgängern. Aber für das Versäumnis, nicht einmal zu versuchen, die Trilogie als Ganzes zu retten, der weiteren Marvel- und Disneyinfizierung und für strikte Ablehnung von Innovation in diesem Franchise, gibt es von meiner Seite aus den schlechteste Bewertung aller neuen Star Wars Filme, auch wenn zumindest die zweite Hälfte von „The Rise of Skywalker“ wirklich zu punkten wusste.

Star Wars 9 (2)

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