Eine Woche in der Film-Hölle: Tag 2 und 3

Eigentlich wollte ich ja jeden Tag einen Fernsehfilm gucken und am nächsten Tag darüber eine Kritik schreiben. Bei meinem Auswahl-Film am Montag bin ich nur leider eingeschlafen und musste ihn somit erst nachholen. Daher gab es gestern keine Kritik, aber dafür heute gleich im Doppelpack. Dabei war es übrigens nicht gerade einfach einen Film auszuwählen, der nicht schonwieder ein Krimi ist. Nach dem Tatort am Sonntag hatte ich darauf verständlicherweise wenig Lust. Übrigens: Alle Filme gucke ich in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Programme, also könnt ihr die Streifen ganz einfach nachholen. Vielleicht ist ja heute einer für euch dabei.

  • Junges Licht (ARD, D-2016)

Ruhrpott in den 60er Jahren, ach wat war dat domals scheen! Die Kumpel arbeiten bei ihren Knochenjob unter Tage, mittags bekommt das Kind mit dem Kochlöffel den Hintern versohlt, nachmittags wird bei einem guten Schnaps über den Krieg erzählt und abends merkt die Jugend, dass eine neue Zeitrechnung so langsam anbricht. Diesen Charme (wenn man das so nennen darf) fängt dieser Film wirklich wunderbar ein. Da ich großer Fan dieser deutschen Epoche bin, aus Interesse und nicht aus Nostalgie, war das auch alles herrlich mit anzusehen. Wenn der Regisseur nicht auf die großartige Idee gekommen wäre, schwarz-weiß und Farbfilm, sowie die Formate 4:3 und 16:9 wild durchzumischen. Ich habe wirklich versucht ein Muster zu erkennen, kam aber nicht dahinter. Der Film selber erzählt keine wirkliche gradlinige Geschichte, sondern eher einen Ausschnitt aus dem Leben eines 12jährigen Jungen jener Zeit. Dabei hat er mit allem zu kämpfen, was man sich nur vorstellen kann. Die heiße Nachbarstochter bringt seine Gefühlswelt zum schwanken, die Mutter ist überfordert mit den zwei Kindern, die väterliche Vorbilds-Figur ist zu selten da, der komische Nachbar will ihn immer in seinen Schuppen einladen und die angeblichen „Freunde“ entpuppen sich als Idioten-Gang. In dieses Chaos hinein beobachtet der Junge wie der Vater nachts und halbnackt aus dem Fenster der Nachbarstochter steigt. Hört sich jetzt alles schon mal ganz interessant an und eigentlich hat der Film mir auch ziemlich gut gefallen. Er bietet gute Ansätze, tolle Schauspieler und eine aufregende Zeit als Hintergrund. Leider findet „Junges Licht“ nie eine wirkliche Struktur, was nicht nur an dem Wechsel zwischen schwarz-weiß und Farbbildern liegt. Zwar könnte man so argumentieren, dass das ganze Chaos an die Leiden des Jungen am Anfang der Pubertät erinnern soll, jedoch macht es den Film auch dann nicht wirklich besser. Ihm fehlt einfach ein bisschen Tempo oder so etwas wie ein Spannungsbogen. Man interessiert sich für die einzelnen Charaktere und deren Geschichte, aber der Film lässt den Zuschauer leider immer wieder hilflos zurück. Auf jeden guten Ansatz, folgt eine neue Szene die nichts mehr mit dem vorigen zu tun. Wenn der Film dann nochmal auf die anfänglichen Ansätze zurückkommt, hat er schon wieder drei neue Themen-Fässer aufgemacht. Am Ende bringt „ Junges Licht“ das Alles auch nicht mehr zusammen, auch wenn mir die abschließenden Szenen wieder besser gefallen haben. Fazit: Vom Prinzip ein guter Film, der leider an sich selber scheitert.

Jungeslicht

 

  • Drei Väter sind besser als keiner (WDR, D-2016)

Am dritten Tag wollte ich mich einem Genre widmen, dass im deutschen Fernsehen ganz groß vertreten ist: Der Dramakomödie. Kurz zur Story: Maike hat vor 11 Jahren mit drei Männern gevögelt und nun will der Sohn seinen richtigen Vater kennen lernen. Also fährt sie in ihre alte Heimat und übernachtet bei ihrer Mutter, mit der sie auch noch alte Rechnungen offen hat. Die drei Vater-Kandidaten wollen natürlich erst nix damit zu tun haben, lernen aber doch den kleinen Jungen kennen und lieben. Doch wer ist jetzt der richtige Vater? Kandidat Eins, der keine Kinder bekommen kann und mit seiner Frau schon vor Jahren einen Jungen namens Pedro adoptiert hat? Oder Kandidat Zwei, der eigentlich schwul ist, dass aber keinem sagen darf, weil sonst das Dorf einen Scheiterhaufen errichtet? Es ist ja allseits bekannt, dass in weiten Teilen des ländlichen Deutschlands Schwule noch heute ausgepeitscht und verbrannt werden. Ich komm aus der Eifel, da fühle ich mich doch direkt wieder wie in der Heimat. Aber vielleicht (nur vielleicht!) ist es auch Kandidat Drei, der eigentlich noch in die Mutter verliebt ist, eine eifersüchtige und schreckliche Frau hat und am Anfang als Arschloch dargestellt wird. Also Maike, wer darf dein Herzblatt sein? Glaubt mir, hier wird jedes scheiß Klischee abhandelt, dass ihr euch nur ausdenken könnt. Dabei wird jedes Wort von den Schauspielern ausgesprochen, als wäre es ihr letztes. Muss man den Akteuren eigentlich extra sagen, dass ich nicht in der letzten Reihe des Theaters sitze, sondern direkt vor dem Fernseher. Ihr müsst nicht bei jedem ruhigen Moment noch seufzen und laut atmen, nicht bei jedem Gedankengang eine Augenbraue hochziehen oder bei jeder Enttäuschung so gucken, wie meine Mutter wenn ich als Kind mal wieder mein Zimmer nicht aufgeräumt habe. Aber wenigstens sitzen sie am Ende nicht als glückliche Familie in weißen Klamotten auf einem Sofa am Strand während des Sonnenuntergangs… Ich kotz wirklich gleich in den Fernseher! Machen wir es kurz: Bei diesem Film kommt Alkohol an die Grenzen seiner Möglichkeiten.

Dreivätersindbesseralskeiner

 

Filme der „Eine Woche in der Fernsehfilm-Hölle“ Challenge:

  • Tag 1: Tatort
  • Tag 2: Junges Licht
  • Tag 3: Drei Väter sind besser als keiner

15 Comments

  1. Fernsehfilme sind ein zweischneidiges Ding, manche sind richtig gut, manche sind Guilty Pleasures und manche sind richtig mies. Zum deutschen Film werde ich demnächst auch ein paar Worte verlieren, jetzt bin ich aber noch an den Beitrag, der sich um Bewertungskriterien dreht dran

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