Review: Drei Filme auf Amazon-Video

Vor zwei Wochen habe ich über drei aktuelle Filme auf der Streaming-Plattform Netflix gesprochen. Durch reinen Zufall habe ich direkt danach ebenfalls drei (oder zweieinhalb) Streifen beim Konkurrenten Amazon-Prime geschaut. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei meinem letzten Beitrag: „Death of Stalin“ und „Der Hauptmann“ habe ich 2018 im Kino verpasst und hiermit nachgeholt. Der vierte Film ist dagegen brandaktuell und tatsächlich schon mit „2019“ gekennzeichnet. Nicht nur das macht den Streifen „Macht er eh nicht“ ziemlich besonders.

  • The Death of Stalin

Was passierte eigentlich nach dem Tod vom ehemaligen Diktator der Sowjetunion? Diese Frage beantwortet der Film mit dem passenden Namen. „The Death of Stalin“ ist jedoch keine Dokumentation oder eine wahre Nacherzählung der Ereignisse. Der Film mit Starbesetzung (u.a. Steve Buscemi, Michael Palin, Simon Beale, Rupert Friend) zeigt das russische Komitee nach dem Tod Stalins im vollkommenen Chaos. Während intern schon sehr schnell die Machtkämpfe ausgetragen werden, muss nach außen komplette Ordnung ausgestrahlt werden. Der Film macht aus diesem ernsten Thema jedoch eine schwarze Komödie. Der Humor könnte kaum böser sein und in manchen Szenen musste ich wirklich laut loslachen, während andere Gags eher nicht zünden. Viel interessanter war die Story, die mit einigen Wendungen und Überraschungen aufwarten kann. Auch die Star-Schauspieler machen ihren Job wirklich sehr gut und spielen meistens die überzeichneten Versionen wahrer Politiker der Sowjetunion. Durch dieses Regime verloren jedoch sehr viele Menschen ihr Leben. Ob man darüber lachen kann, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich habe damit nie wirklich ein Problem. Am Ende tut der Film auch alles dafür, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Rein auf Satire-Ebene, ist „The Death of Stalin“ ein wahres Meisterwerk. Leider besitzt der Film kaum Tempo, zu viele Charaktere und unnötige Handlungsstränge. Ein wahres Fest für Fans von schwarzen Humor, der darüber hinaus aber nicht sehr viel mehr bietet.

deathofstalin

  • Der Hauptmann

In wenigen Wochen endet der zweite Weltkrieg, hunderte deutsche Soldaten begehen Fahnenflucht und kämpfen um ihr Überleben mit allen Mitteln. Einer von Ihnen findet durch Zufall die Uniform eines Hauptmannes und es beginnt eine Geschichte á la „Der Hauptmann von Köpenick“ – nur in brutaler, düsterer und beeindruckend schonungslos. Die gesamte Geschichte wird in schwarz-weiß erzählt, die meiste Zeit spielt der Film in einem Arbeitslager und es wird nicht damit gespart, die Brutalität der Beteiligten zu zeigen. Man könnte nun meinen, dass es wieder ein typischer deutscher Film über die eigene Geschichte ist. Weit gefehlt! „Der Hauptmann“ gibt den Tätern für ihr Handeln einen Sinn. Der Protagonist z.B. tut alles dafür, dass seine Tarnung nicht auffliegt. Diese Figur ist gleichzeitig der emotionale Ankerpunkt für den Zuschauer. Man ist es gewöhnt, dass der Hauptcharakter „gut“ ist. Anfangs scheint dies auch hier der Fall zu sein, aber langsam zerbricht das Bild vom armen Deserteur, der nur überleben will. Ab welchen Punkt wart ihr nicht mehr auf seiner Seite? Beim Klau der Uniform? Beim ersten Mord? Die Gründe für sein Handeln, ob gut oder schlecht, sind aber klar erkennbar. So auch bei allen anderen Figuren im Film, die so ziemlich die ganze Bandbreite der damaligen „Deutschen“ abdeckt. Manche handeln aus Furcht, andere auf Anweisung, andere sind nur Mitläufer, andere wollen nur sich selbst retten, andere lieben einfach Gewalt und wieder andere erschießen sich lieber selbst, bevor sie jemand anderes umbringen. „Der Hauptmann“ hat seine klaren Stärken in der Geschichte, in seinen Charakteren und den großartigen Schauspielern. Leider störten mich ein paar Stilelemente, das letzte Drittel wirkte etwas abgesetzt und das Ende halte ich auch nicht für sehr gelungen. Trotzdem bleibt der Film vielleicht der beste Streifen über die Täter-Perspektive, der je gedreht wurden ist. Es ist ein Plädoyer dafür, dass es „gut“ und „schlecht“ in jeder Gesellschaft gibt. Gleichzeitig zeigt er die Taten so, wie sie nun mal waren: Grausam, menschenverachtend und mit nichts zu Entschuldigen – Auch nicht mit dem einfachen Drang zu Überleben.

derhauptmann

  • Macht er eh nicht

Kompletter Themenwechsel! Poetry-Slammer Jan Philipp Zymny wohnt in einer WG mit zwei Kumpels. Seit Jahren soll er einen Brief öffnen, doch… „Macht er eh nicht“. Endlich drückt er sich nicht mehr vor seiner Verantwortung und öffnet das Schreiben. Siehe da: Seine Oma ist entführt! Dieser verrückte Plot gehört zum Amazon-Kurzfilm „Macht er eh nicht“(der auch ein Pilot zu einer Serie sein könnte). In den knapp 50 Minuten geht diese Story irgendwie auch weiter, aber man kann den Film eher mit den Helge Schneider-Streifen vergleichen. Es gibt zwar eine Geschichte, aber eigentlich ist diese nur Stichwortgeber für absurde Momente und platte Witze. Was den Großmeister der Absurdität im Sekundentakt gelingt, schaffen die drei Hauptdarsteller hier weniger oft. Es gibt brillant lustige Momente (z.B. der Junge mit Kaffeeverkaufsstand unterm Gullideckel), zwischendrin gibt es aber auch mal Comdedy-Leerlauf oder Gags die nicht zünden. Trotzdem bleibt der Film kurzweilige Unterhaltung für alle Fans der drei Hauptdarsteller oder für diejenigen, die es noch werden wollen.

machterehnicht

9 Comments

  1. Das Ende von „The Death of Stalin“ ist so extrem böse, hat sich wie ein echt heftiger Schlag in die Magengegend angefühlt… Was das Thema Lachen betrifft: Irgendwo habe ich im Zusammenhang mit dem Film mal die Aussage gehört, ein System politischer Unterdrückung sei erst dann wirklich überwunden, wenn man darüber lachen kann. Was erklären würde, warum der Film in Russland verboten wurde…

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    1. Wundert mich jetzt gar nicht, dass er dort verboten wurde. Stalin ist, ähnlich wie Mao in China, keine Schreckensperson für alle.

      Ob es wirklich damit überwunden ist, stelle ich mal in Frage, aber es ist mit Sicherheit der Schritt in die richtige Richtung. Bei Vorstellungen von „Der große Diktator“ direkt nach dem Krieg, lachten wohl nur die wenigstens.

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        1. Gleichzeitig würde ich sagen, aber ja, der Fall ist ganz anders als bei „Death of Stalin“
          In den 50ern wurde der Film allerdings den Deutschen gezeigt und die haben damals noch nicht mit Humor reagiert

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