Die besten Filme aller Zeiten: Platz 5 – Apocalypse Now

PlatzFilme5

Erscheinungsjahr: 1979 (Redux: 2001)

Herkunft: U.S.A.

Regie: Francis Ford Coppola

Besetzung: Martin Sheen, Marlon Brando, Robert Duvall u.a.

Egal ob Schauspieler, Regisseur oder Produzent – Irgendwann will jeder Teil eines (Anti-)Kriegsfilms sein. Immerhin gehören die größten Klassiker der Filmgeschichte diesem Genre an. „The Deer Hunter“, „Die Brücke am Kwai“, „Full Metal Jacket“… Die Liste der großen Kriegsstreifen könnte man ewig weiter führen. Doch niemand auf dieser Liste kommt an das Niveau von „Apocalypse Now“ ran. Warum? Ich versuche es mal zu erklären:

  • Es ist kompliziert

Wahnsinn. Darum geht’s doch hier. Das sieht selbst ein Blinder mit dem Krückstock. Coppola lässt seine Protagonisten einen Fluss in Vietnam hochfahren und durch den Krieg werden langsam alle verrückt. Einfache Story eigentlich. Alkoholkranker Spezial-Soldat soll wahnsinnigen General im Dschungel töten. „Was passiert dazwischen?“ So eine Frage muss doch in einem Meeting mit den Produzenten gefallen sein. Was wurde darauf geantwortet? „Halt die Schnauze, der Typ hat den Paten gedreht“. Oder Coppola kann die Leute einfach überzeugen. Egal, am Ende musste er eh mächtig draufzahlen. „Wir hatten zu viel Geld“ hatte selbst der Regisseur am Ende der wahnsinnigen Dreharbeiten gesagt. Da sind wir ja auch wieder beim Thema: „Wahnsinn“! Fasst hätte ich den Sinn dieses Textes vergessen. Aber „Apocalypse Now“ hat auch Sinnlosigkeit als großes Thema. Somit braucht dieser Text auch keinen Sinn. Naja, ein bisschen wäre vielleicht doch sinnvoll. Die Story des Films verzichtet zumindest (passend zum Vietnamkrieg) auf irgendwelchen Sinn. Haben wir also schon zwei Schlagworte für „Apocalypse Now“: Wahnsinn und Sinnlosigkeit. Ihr hättet gern noch eins? Wie wäre es mit „Surreal“.

  • War never change

Viele kennen dieses Meisterwerk vielleicht nur vom Namen her. Denen sei gesagt: Der Film ist stellenweise ziemlich witzig. Und merkwürdig. Und wenn auch nur eine Szene aus dem Streifen in der Realität so passiert ist, dann verliere ich meinen Glauben an die Menschheit. Es braucht keine lange Recherche um zu merken, der Film übertreibt nicht. Da sind halt irgendwelche Jungs aus der Bronx für Monate mitten im Dschungel. Da wird „Vietnamesen abschlachten“ zum angesehenen Volkssport. Nur für die perfekte Welle ein ganzes Lager auslöschen? Playboy-Bunny-Show als Entertainment im Krieg? Why not? Wir sind die fucking U.S.A.! Wahrscheinlich war eine solche Story damals ein größerer Skandal als heute. Eine riesige Party und dann kommen die blöden Kommunisten. Irgendwie haben die keinen Bock auf Amerikaner. Was passiert also mit jungen Männern, die gerade noch Wagner beim Bombenangriff gehört haben, wenn tatsächlich mal der Kumpel nebenan ein Loch im Kopf hat. Von „big party“ zu echtem Krieg in wenigen Sekunden. Dann ist Schluss mit lustig und es kommen die ersten Fragen auf. Warum, weshalb und wieso sind wir eigentlich hier? Und warum schaue ich mir das Ganze drei Stunden lang an?

  • Es bleibt ein Meistewerk

Ihr merkt schon, diese Review ist etwas anders als sonst. Es lohnt sich auch gar nicht darüber zu schreiben, wie großartig die Schauspieler sind oder wie eindrucksvoll der Soundtrack die wunderschönen Bilder untermalt. In solche normalen Kriterien kann man „Apocalypse Now“ gar nicht kategorisieren. Der Film will an die Psyche der Zuschauer. Selbst im Erscheinungsjahr war es nicht mehr neu, einfach den Vietnam-Krieg als böse darzustellen. Kein Befürworter von Gewalt lässt sich mit schrecklichen Bildern umstimmen. Da müssen schon härtere Geschütze aufgefahren werden, damit auch der letzte versteht: Hier geht es nicht um Gut und Böse oder um Recht und Unrecht – Es ist einfach sinnlos! Und jeder der versucht einen Sinn (oder gar eine Entschuldigung) in dem ganzen Mist zu suchen, ist auf dem besten Weg in den kompletten Wahnsinn. „Apocalypse Now“ ist so ein Film, der einfach wirken muss. Dafür muss man auch mal langweilige Szenen über sich ergehen lassen oder Minuten lang dem Rauch beim schweben zusehen. Dieses Werk muss sich der Zuschauer erkämpfen, sich selbst zur Konzentration zwingen und gleichzeitig von allen Sehgewohnheiten trennen. Das ist vielleicht schwierig, aber am Ende hat man vielleicht die Erkenntnis, mehr als nur einen einfachen Film gesehen zu haben. Und dann beginnt die Interpretation. Dieses Gefühl nicht alles gesehen, erlebt und verstanden zu haben. Wer ist verrückt und wer hat hier den Durchblick? Oder warum wiedersprechen sich die Aussagen über das Gesehene? Da wird einmal vom „Grauen“ gesprochen und in der nächsten Szene klargestellt, dass die Soldaten nur verwöhnte Kinder sind und man mit richtigen Kriegern schon längst gesiegt hätte. Ist „Apocalypse Now“ am Ende nur ein vollkommen überbewerteter Film? Möglich. Oder ein wahres Meisterwerk der Filmkunst? Ebenso möglich. Egal, denn über eins sind sich wohl alle einig. Es ist ein einmaliges Erlebnis, diese Reise durch den Vietnam-Krieg mitzuerleben. Für mich wurde der Film jedoch zu mehr, als nur ein paar projizierte Bildaufnahmen. Jedes Mal wenn ich „Apocalypse Now“ (Redux oder Normal) schaue, reißt mich Coppola in diese wahnwitzige Welt und tagelang lassen mich diese beeindruckenden Bilder nicht mehr los. Deshalb gehört er auch ohne jeden Zweifel in die „Top 5“ der besten Filme aller Zeiten!

Die bisherigen Plätze (Mit Verlinkung zum Artikel):

15 Comments

  1. Vielleicht nicht grad meine Top 5, aber sicher ein filmisches Meisterwerk in jeder Hinsicht. Sehr passend: Grad an diesem WE hat der @Filmlichter ein paar wirklich lesenswerte Zeilen zu der (vermutlich bekannten) Entstehungsgeschichte des Films verfasst:
    filmlichtung.wordpress.com/2018/08/04/gefaehrlich-dumme-filmideen-fallout-drogen-und-un

    Gefällt 1 Person

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