Review: Spider-Man Homecoming

Review_Spiderman

Erscheinungsjahr: 2017

Herkunft: U.S.A.

Regie: Jon Watts

Besetzung: Tom Holland / Michael Keaton / Robert Downey Jr.

Ostern – Vor fast 2000 Jahren starb ein Mann am Kreuz, damit wir am verlängerten Wochenende faul auf dem Sofa rumliegen können, um dabei billige Unterhaltung zu konsumieren. Als guter Christ wollte ich dieser Tradition natürlich auch gerecht werden. Aber wir leben ja in modernen Zeiten und somit fiel dieses Jahr meine Wahl nicht auf „Das Leben des Brian“. Dafür stattete ich dem MCU nach Monaten mal wieder einen Besuch ab.

  • Spinnen-Mann – diese coole Socke!

Nach den Ereignissen von „Civil-War“ freut sich Peter Parker auf seine Zukunft als „Avenger“. Diese Rechnung hat er nur ohne Sony gemacht. Der Konzern hält nämlich seit Urzeiten die Rechte und deshalb ist die Figur Spider-Man nur in Form eines Cross-Overs bei Marvel gelandet. Somit findet sich Peter Parker wieder zurück an der Highschool, anstatt mit den anderen die großen Bösewichte zu bekämpfen. Dieser Umstand muss aber nichts Schlechtes bedeuten, immerhin schreien wir schon seit Ewigkeiten nach mehr „geerdeten“ Superhelden. Die Story ist dabei ganz einfach erzählt. Spider-Man bekämpft ein paar Fieslinge in der Nachbarschaft, bis er durch Zufall an eine größere Sache gerät. Ein Schurke verkauft Waffen in Kombination mit Alien-Technologie! Das will Peter natürlich verhindern und sich ganz nebenbei damit bei Tony Stark einschleimen. Superheld sein ist jedoch schwer und so wird es nicht nur immer schwieriger das Böse aufzuhalten, sondern auch ein Date für den Abschlussball zu finden. Insgesamt also eine Mischung aus „Coming of Age“ und „Superhelden-Action“. Dabei will der Film natürlich immer cool sein und seiner jungen Zielgruppe gefallen.

  • Loser mit Sixpack

Der Kontrast zwischen Highschool- und Superhelden-Leben ist eigentlich ganz OK dargestellt. Peter hat immer weniger Zeit für seine Freunde und will dabei immer nur das richtige tun. Dazu ist er im wahren Leben ein ziemlicher Loser, während er die Bösen immer mit einem frechen Spruch begrüßt. So weit, so Spider-Man. Diese Kombination macht den Superhelden aus und entweder man mag diesen Stil oder eben nicht. Allgemein bin ich großer Fan des Charakters und seiner Eigenheiten, aber selten wurde der Held so dumm dargestellt wie hier. Damit meine ich noch nicht mal seine Intelligenz, immerhin ist er Teenager und die treffen nun mal nicht immer die logischsten Entscheidungen. Ich spreche eher die Welt an sich an. Ist es Zufall, dass alle relevanten Personen in demselben Klub sind? Im Klub des akademischen Zehnkampfes? Ich kenne mich jetzt nicht besonders gut mit dem amerikanischen Schulwesen aus, aber ist es üblich, dass sich Nerds und „Bullys“ in akademischen Wettkämpfen messen. Früher wären Peter im Schachklub, sein Schwarm bei den Cheerleadern und sein Kontrahent im Football-Team. Scheinbar hat sich da in den letzten Jahren was geändert. Auch das die Außenseiter zu den coolsten Partys eingeladen werden, ist mir neu. Nein, Peter und sein Kumpel Ned sind hier in meinen Augen keine Loser, obwohl sie das selber von sich behaupten. Insgesamt ist das ganze Setting an der Schule sehr merkwürdig und dient eigentlich nur der Abwechslung zum allgemeinen Superhelden-Gedöns. Einziger Lichtblick in diesem Cast ist die junge Schauspielerin Zendaya Coleman. Sie spielt M.J. (Michelle, nicht Mary Jane) und ihre trotzige und sarkastische Art war im gesamten Film eine willkommene Abwechslung. Der Hauptcharakter (Tom Holland) kann auch meistens überzeugen, wo bei seine Intentionen schon ab Minute Eins feststehen. Dafür hätte es keinen Film von über zwei Stunden geben müssen.

  • Nicht so viel meckern

Die Schattenseiten von „Spider-Man: Homecoming“ beziehen sich auf Kleinigkeiten. Mein größter Kritikpunkt ist, wie im vorigen Absatz beschrieben, das Setting in der Schule. Wenn es um Action geht, kann der Film sehr überzeugen. Auch der Gegenspieler (fantastisch gespielt durch Michael Keaton) kann hier mehr glänzen als in anderen Superhelden-Filmen. Besonders eine kleine Wendung im letzten Drittel hat dem Film noch mal den nötigen Schwung für das Finale gegeben. Kritik gibt es von mir für die Länge des Streifens. Diese kommt vor allem zu Stande, weil dem Zuschauer wirklich alles dreimal erzählt wird. Die Intensionen der Charaktere sind nicht wirklich kompliziert, aber der Autor wollte wohl sicher gehen, dass auch wirklich jeder im Kino der Handlung folgen kann. Dadurch entstehen ziemlich große Längen, besonders im Mittelteil des Films, die nicht wirklich zur Geschichte beitragen oder Szenen, welche einfach viel zu lang geraten sind. Ebenfalls geht mir die Anwendung bekannter Musikstücke ohne jeglichen Sinn auf die Nerven. Was hat die „nette Spinne in der Nachbarschaft“ mit „Blitzkrieg Pop“ von den Ramones zu tun? Ach ja, es ist ein cooler Song um den Soundtrack zu verkaufen. Das hat selbst „Guardians of the Galaxy“ besser hinbekommen. Der Rest? Charaktere, Story, Action, Dialoge usw. – alles auf einem guten Grundniveau. Böser ausgedrückt könnte man auch „Durchschnitt“ sagen. Trotzdem macht „Spider-Man: Homecoming“ besonders am Anfang und im letzten Drittel sehr viel Spaß, während der Mittelteil viel zu lang(-weilig) geworden ist. Insgesamt aber einer der besseren Superhelden-Streifen der letzten Jahre.

Pro:

  • Peter und M.J. als Lichtblicke im Cast
  • Gute Action mit überzeugendem Bösewicht
  • Grundsolide Story mit nettem Kniff gegen Ende

Contra:

  • Highschool-Setting eher Mittel zum Zweck
  • Langatmiger Mittelteil durch Wiederholung
  • Nerviger, willkürlicher Soundtrack

WERTUNG – SPIDER-MAN:HOMECOMING – 6,5/10

6 Comments

  1. Und wieder einmal ein Kritikpunkt, den man immer häufiger liest…….Viel zu lang…..Ein Übel, von dem inzwischen beinahe alle Blockbuster (insbesondere Comic-Adaptionen) befallen sind. Ging mir bei Black Panther und Justice League vor kurzem ebenso. Inzwischen nervt mich das ziemlich, aber vielleicht lässt auch einfach meine Konzentrationsfähigkeit nach 🙂

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    1. Allgemein sind ja lange Filme etwas positives. Sie können dann ihre Charaktere weiter entwickeln, die Geschichte episch breit treten oder langsam, behutsam zum Finale aufbauen.
      Superhelden-Filme sind aber keine cineastischen Meisterwerke, sondern wollen ja meistens nur unterhalten. Warum gerade diese Filme alle über 2 Stunden gehen – keine Ahnung. Vielleicht schreibe ich mal einen Beitrag drüber 🙂

      Bei Spider-Man hatte ich das Gefühl, dass für die jüngeren Zuschauer alles klar offensichtlich sein muss und deshalb alles wichtige dreimal erzähl wird. Bei sowas lässt dann auch meine Konzentration nach 😀

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  2. Für gute Stories mit interessanten und vielschichtigen Charakteren sind auch drei Stunden oft nicht ausreichend. Das möchte man gern mehr sehen. Die Filmhistorie hat hierfür und bringt noch heute noch heute genug löbliche Beispiele hervor.
    Warum aber heutzutage beinahe jeder Blockbuster mind. eine Laufzeit von 120 Minuten hat, erschließt sich mir nicht.
    Dennoch werde ich mir Spider-Man natürlich noch anschauen. In deiner Besprechung hat schließlich das Positive deutlich überwogen.

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    1. Ich bedanke mich mal für den Anstoss. Werde die Tage mal ein bisschen darüber lesen und dann einen Beitrag über die Laufzeit von Filmen schreiben. Gerade ist allerdings Prüfungsphase, könnte also etwas dauern 😀

      Auf jeden Fall kann man sich den Film bedenkenlos ansehen, wenn man die Figur des Spider-Man mag. Er ist halt solide und unterhaltsam wie fast jeder Superhelden-Film 🙂

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