30 Wochen – 30 Filme – Nr.22

Nr.22Fragen

Willkommen bei einem neuen Teil von „30 Filme – 30 Wochen“. Heute gibt es die vielleicht schwierigste Frage bisher: „Welcher Film enthält deine Lieblingsszene?“ Darüber habe ich jetzt die ganze Woche philosophiert. Ist es der große Twist von „Star Wars V“? Oder der Moment, als der weiße Hai zum ersten Mal auf der Leinwand erscheint? Vielleicht aber doch die Szene in „Inception“, bei der sich die gesamte Welt verformt? Kinofilme bieten uns eine unzählige Anzahl an großen und emotionalen Momenten. Hierbei die eine, unvergessliche Szene herauszusuchen, ist beinahe unmöglich. Trotzdem kreisten meine Gedanken immer wieder um einen Film, den ich wohl nie wieder vergessen werde. Für meinen heutigen Antwort-Film müssen wir jedoch ein paar Jahre zurück. Genauer gesagt: Vor 78 Jahren erblickte folgender Film das Licht der Welt…

  • Schwere Zeiten

Wir schreiben das Jahr 1940. Der 2. Weltkrieg ist in vollen Gange. Die gesamte Menschheit ist von den Ereignissen in Europa schockiert und das spiegelt sich natürlich auch in Hollywood wieder. Zu dieser Zeit arbeitet der legändere Komiker Charlie Chaplin an seinem ersten Tonfilm. Mr. Chaplin war zu diesem Zeitpunkt ein Weltstar. Filme wie „Goldrausch“, „Moderne Zeiten“ oder „The Kid“ versprachen dem Publikum eine Menge Unterhaltung, aber auch eine gute Portion Sozialkritik. Dann erschien jedoch „Der große Diktator“. Der vielleicht witzigste Mann seiner Zeit spielte die schrecklichste Figur der Welt. Bis heute gibt es eine Menge Ansätze, wie man filmisch mit dem Werk der Nazis umgehen soll. Es erschienen viele große Dramen und lustige Komödien, doch keiner kam jemals wieder ran, an die Leistung von Charlie Chaplin als Adolf Hitl… Ich meine natürlich Anton Hynkel. Im Film selber geht es um einen jüdischen Friseur im fiktiven Land „Tomanien“. Dieser hilft im Krieg einen Piloten, erleidet jedoch dabei einen Gedächtnisverlust. Jahre später herrscht der Nationalsozialismus in Tomanien und Hynkel ist an der Macht. Der jüdische Friseur wird in seiner Heimat mit dem schrecklichen Fremdenhass und einer neuen Gesellschaftsordnung konfrontiert. In den nachfolgenden Minuten versuchen der Friseur, seine Geliebte, der gerettete Pilot und weitere Einwohner des Ghettos, den Widerstand zu organisieren. Der Diktator Hynkel träumt hingegen von der Eroberung der Welt und dem Unterdrücken der gesamten Menschheit.

  • Nicht subtil, dafür effektiv

Die Namen, Bezeichnungen und Symbole sind zwar ausgetauscht, aber jedes Kind versteht, dass es sich hier um eine Satire auf Nazi-Deutschland handelt. Das Ganze mit dem typischen „Chaplin-Humor“. Die Reden von Hynkel z.B. sind wahnsinnig witzig. Chaplin schafft es genau den überpatriotischen Ton des Originals zu treffen und dabei eine aberwitzige Fantasie-Sprache zu verwenden, da er ja natürlich kein Deutsch sprechen kann. Immer wieder gibt es auch grandiose Slapstick-Gags, welche wohl auch noch in 100 Jahren die Menschen zum Lachen bringen. Auf Grund der Thematik schafft es der Film jedoch auch, dass einem das Lachen direkt im Hals stecken bleibt. Habe ich gerade wirklich über eine Nazi-Rede gelacht? Oder über eine Verfolgung eines Juden durch die Gestapo? Natürlich ist es witzig, aber darf ich darüber lachen. Diese Frage kann ich zwar für mich mit „Ja“ beantworten, aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Es gibt natürlich auch Personen, die solche Filme am liebsten verbrennen würden. Diese Gruppen fänden meine Lieblingsszene wahrscheinlich auch eher abstoßend. Für mich ist es jedoch die vielleicht beste Szene, die jemals im Kino zu sehen war.

  • Bilder sagen mehr als tausend Worte

Zu der Musik von Wagner tanzt Chaplin als Hitler mit einer Weltkugel, bis diese zerplatzt. Diese Szene hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Diese paar Minuten sagen so viel aus, strahlen eine ungemeine Kraft aus und lassen genug Spielraum für viele Interpretationen. Für mich ist es die beste Szene der Geschichte, in einem der wichtigsten Filme der Geschichte. Sollte ich jedoch jemals eine Topliste zu diesem Thema erstellen, käme eine zweite Szene auch noch darin vor. Irgendwann werden der Diktator und der Friseur verwechselt. Letzterer muss eine große Rede vor den anwesenden Nazis halten, um nicht aufzufliegen. Er entscheidet sich jedoch eine Rede für die Freiheit der Menschheit zu halten. Diese Rede zählt nicht umsonst zu den besten Monologen der Filmhistorie. Von diesen Szenen gibt es einige und genau diese machen aus „Der große Diktator“ einen fantastischen Film. Wer hier eine leichte Komödie erwartet, ist leider falsch. Chaplin hat etwas geschafft, was auch über 70 Jahre später keiner mehr so recht hinbekommen hat: Die reale Tragödie mit fiktiver Komödie zu einem Kunstwerk zu verschmelzen.

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