Review: Dunkirk

Review_Dunkirk

Erscheinungsjahr: 2017

Herkunft: U.S.A. / U.K.

Regie: Christopher Nolan

Studio: Warner Bros.

Habt ihr es auch schon gelesen bzw. gesehen? Egal ob Kritiker oder User, eigentlich sind sich (fast) alle einig: Christopher Nolan hat mit „Dunkirk“ ein Meisterwerk und den besten Film des Jahres abgeliefert. Allein durch die Wertungen auf bekannten Filmseiten und dem Namen „Christopher Nolan“ war mein persönliches Hype-Level auf dem Maximum. Gestern konnte ich mir endlich selbst ein Bild machen und eines kann ich schon mal vorweg nehmen: Es war ein einzigartiges Kinoerlebnis.

  • Eine Woche, ein Tag, eine Stunde

Was ist eigentlich „Dunkirk“? Ein Kriegsfilm, Anti-Kriegsfilm oder ein persönliches Drama? Zu der Frage komm ich später nochmal zurück, aber jetzt erstmal zur Handlung. Es geht in den 107 Minuten um die Evakuierung der britischen Truppen aus Dünkirchen zurück in die Heimat. Die Handlung ist dabei dreigeteilt, wobei der Kniff ist, dass alle Handlungsstränge gleichzeitig erzählt werden und somit sich die Zeitebenen überschneiden. Das Ganze ist am Anfang noch relativ verwirrend, aber mit der Zeit freundet man sich mit der etwas anderen Erzählstruktur an. Am Strand begleiten wir als Zuschauer primär zwei britische Soldaten, welche natürlich versuchen wegzukommen bzw. während den deutschen Angriffen versuchen zu überleben und dabei nicht ihren Verstand zu verlieren (Dauer: Eine Woche). Auf dem Schiff wird die Geschichte eines Vaters, seines Sohnes und eines weiteren Jungen erzählt, welche auf dem Meer einem psychich-labilen Piloten helfen und danach versuchen an den Stand zu gelangen, um möglichst viele Soldaten zu retten (Dauer: Ein Tag). Der dritte und letzte Plot-Punkt findet in der Luft statt. Zwei Piloten der Air-Force kämpfen gegen deutsche Flugzeuge, damit diese nicht weiterhin die Schiffe und den Strand bombardieren (Dauer: Ein Tag). Diese drei Szenarien werden über die gesamte Länge des Films wild durcheinander geschnitten. Ein Stilmittel das mit Sicherheit nicht jedem gefallen wird, für mich hat es den Film jedoch sehr bereichert. Außerdem: Hat irgendjemand ernsthaft gedacht, Christopher Nolan inszeniert einen Streifen mal 08/15? Wie der Film ausgeht, spoilere ich hier mal nicht. Das mag jetzt komisch klingen, immerhin basiert das Ganze ja auf geschichtlichen Fakten, welche der Film natürlich auch einhält. Hier ist jedoch eher die Frage gemeint, wie es für die Charaktere ausgeht bzw. wie es für sie weiter geht.

  • Krieg hautnah

Während bei dem Stilelement der verschiedenen Zeitebenen man noch streiten kann, gibt es bei etwas anderem keine zwei Meinungen: Das „Look n´Feel“. Dieser Film sieht unglaublich gut aus und muss auf der großen Leinwand gesehen werden. Am besten in einem „Dolby Atmos-„Saal oder noch besser in der 70mm Version. Egal ob Bombe, Torpedo oder normaler Schuss, alles was hier knallt und explodiert bringt das Kino ordentlich zum Beben. Die Kriegshandlungen machen einen gewissen Anteil im Film aus, jedoch werden diese auch immer wieder mit ruhigen und dramatischen Momenten unterbrochen. Dabei wird übrigens auf das Mittel der Sprache fast vollkommen verzichtet. Man könnte auch sagen: Der Krieg spricht für sich! Der Sound ist wuchtig und erschütternd, die Kamerabilder halten dabei das komplette Grauen perfekt fest. Wunderschöne Panoramablicke wechseln sich mit fast schon klaustrophobischen Szenen ab. Dabei ist es egal, ob wir uns gerade am Stand, in einem Schiff, im Wasser oder in der Luft befinden. Es ist übrigens beeindruckend, dass ein tiefes Kriegsdrama wie „Dunkirk“ so unblutig gedreht werden kann und trotzdem so nah und ergreifend inszeniert ist. Großer Vorteil des Films ist auch die Perspektive, aus der wir die Geschehnisse erleben. Als Zuschauer befinden wir uns immer auf einer Ebene mit den Charakteren und leiden somit hautnah mit, obwohl wir teilweise nicht mal ihren vollständigen Namen wissen. Die guten Leistungen der Schauspieler helfen natürlich auch dabei. Auch der deutsche Feind wird nicht einmal klar gezeigt, er ist eher die allgegenwärtige Gefahr um einen herum. Diese Perspektiven-Sicht und das Gefühl der Angst vor der nahen Gefahr, löste zumindest bei mir ein gewisses Unwohlsein aus. Natürlich hat es mir Spaß gemacht im Kino zu sitzen und ich wollte auch keine Minute verpassen, aber eine gewisse Anspannung war über die gesamte Länge des Films vorhanden. Wenn ein Streifen neben den „normalen“ Emotionen (wie lachen oder weinen), so etwas auslösen will und es auch schafft, dann wurde hier etwas sehr, sehr richtig gemacht.

  • Zwei Seiten der Medaille

Ein paar Sachen hab ich dann doch noch zu meckern. Der Soundtrack von Hans Zimmer, ist wie immer (sorry für den kleinen Reim). Die Musik passt zwar zum Film und auch das ewige Uhren-Tick-Tack hat seine Wirkung nicht verfehlt. Allerdings ging der Komponist vielleicht einige Male zu weit, indem er asynchrone Geräusche und Motive in den Film einbrachte, die mich dann doch das ein oder andere Mal gestört haben. Wie Herr Zimmer seinen eigenen Soundtrack tagelang beim komponieren ertragen konnte, ohne dabei komplett wahnsinnig zu werden, ist mir persönlich ein Rätsel. Neben dem überambitionierten Soundtrack, stören mich auch noch ein paar Storylines einzelner Charaktere, die mir dann doch zu offensichtlich waren. Ich denke dabei an das Schicksal des einen Jungen an Bord des Rettungsschiffes. Im Endeffekt kann ich aber jeden verstehen, der aus dem Kino raus geht und Nolan´s neuen Film als Meisterwerk feiert. Die Kritik findet ja auch zur Zeit nicht genug Superlativen für das Drama. Tatsächlich ist für mich eine Sache hier sehr entscheidend: „Dunkirk“ ist einzigartig. Es ist ein Anti-Kriegsfilm, der seinen Namen verdient. Im Gegensatz zu anderen (Anti-)Kriegsfilmen steht hier nicht so sehr die allgemeine Kriegsgeschichte im Vordergrund und es wird auch gar nicht erst versucht, mit viel Pathos und einer extra Portion Emotionen, auch dem letzten Zuschauer eine Träne zu entlocken. Christopher Nolan zeigt hier einfach nur eine Geschichte im Krieg, mit den Menschen die in ihm leben und sterben. Das Ganze wurde natürlich großartig inszeniert, gedreht und vertont, aber eigentlich schaut man sich hier 107 Minuten lang eine Szene aus dem zweiten Weltkrieg an. So schlimm die Ereignisse waren, so gut ist dieser Film geworden. Nolan´s Meisterwerk? Nein! Ein Meisterwerk des Kriegs- bzw. Antikriegsfilms? Auf jeden Fall!

Pro:

  • Kamera, Ton und Effekte
  • Inszenierung der Charaktere und der Handlung
  • Die kompromisslose Darstellung der Ereignisse

Contra:

  • Teils störender Soundtrack
  • Schicksal kleinerer Rollen vorhersehbar

Wertung – Dunkirk – 9/10

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