Was Filme vom Games-Marketing lernen können

Die Welten von Filmen und Videospielen liegen nah zusammen. Seit Jahrzehnten gibt es (mal gut, öfter schlechte) Umsetzungen von Blockbustern als Games auf verschiedensten Plattformen und auch für die Versuche der Filmindustrie, die Spiele (mal gut, öfter schlecht) auf die Leinwand zu bringen, gibt es genügend Beispiele. In diesem Text geht es aber nicht um die inhaltliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Medien, sondern um den Vergleich zwischen den Werbemaßnahmen. Und jetzt schüttet schonmal ein Glas Wasser auf euren Bildschirm, denn es könnte am Anfang etwas trocken werden.

Vorne weg…

Ich beginne direkt mal mit zwei Disclaimern: Die Gesamtheit der Marketingwelt von zwei gigantischen Medien zu beleuchten, ist beinahe unmöglich. Eine Produkt-Vermarktung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Egal ob es um einen Indie-Kurzfilm oder um den nächsten Blockbuster geht, auf dem Weg zwischen Produktion und Release liegen unzählige Bausteine und unterschiedlichste Aspekte, die gut kommuniziert werden wollen. Denn nichts anderes ist „Marketing“ eigentlich: Kommunikation. Nur quatschen hier halt keine zwei Menschen mit einander, sondern eine Firma mit seinen potenziellen Kundinnen und Kunden. Da wären wir auch schon beim zweiten Disclaimer: Ich rede hier über sogenanntes „B2C“ (Business to Customer), was nichts anderes bedeutet als die Kommunikation zwischen den Firmen und den Endkonsumentinnen und –konsumenten. Dazu wie Firmen, Zwischenhändler, Presse usw. ihre Informationen normalerweise bekommen, kann ich nicht viel sagen, aber natürlich weiß ich ziemlich genau, wie ich als potenzieller Kunde erreicht werden will. Das erste Mittel der Wahl, sowohl bei Games, als auch bei Filmen, sind natürlich die Trailer. Kleine Filmchen, möglichst effektiv zusammengeschnitten, sollen uns Lust auf das bevorstehende „Next Big Thing“ machen. Auch beim teilweise entstehenden Wahn um Trailer und Teaser, geben sich die Branchen nicht viel. Bei beiden kann es schonmal vorkommen, dass ein erstes Bild, auf ein Datum hinweist, wo ein Teaser erscheint, der auf das Datum hinweist, wo der erste Trailer erscheint, der wiederrum auf das Datum des Erscheinens hinweist. Was auf den ersten Blick viel zu wirr aussieht, als die „guten, alten Zeiten“, wo halt ein bis zwei Trailer rauskamen die Bock machen sollten, entpuppt sich als ganz guter Schachzug, um allein die Ankündigung des Produktes möglichst lange im Gespräch zu halten. Durch solche Taktiken haben schon ein paar große Firmen einen gigantischen „Hype“ erschaffen. Die damit verbundene Erwartungshaltung und deren Auswirkungen sind aber nochmal ein anderes Thema. Mir geht es eher darum, wo man von diesen Trailer, Teaser und Vorschaubildern erfährt. Genau in diesem Punkt unterscheiden sich Filme und Videospiele… leider!

Once Upon A Time in L.A.

Es ist Sommer 2015 und ich sitze mitten in der Nacht zu Hause und schaue mir eine Pressekonferenz an. Um genau zu sein: Die PK von Sony bei der E3 Messe und vor lauter Begeisterung falle ich von meinem Bett. Bis die Pandemie über die Welt zog, war die E3 (Electronic Entertainment Expo) die mit Abstand wichtigste Messe für Videospiel-Fans auf dem Planeten. Die größten Firmen der Branche hielten in den Tagen vor der eigentlichen Messe in Los Angeles nämlich riesige Live-Events ab und stellten dort ihre neuen Spiele vor, die im besten Fall dann später von der Fachpresse gezockt werden konnten. Über die Jahre haben sich so etliche Magic Moments in mein Hirn gebrannt, von längst vergessenen Spielen die auf einmal wieder belebt wurden sind, von neuen Marken die ich sofort auf der Wunschliste hatte und von legendär schlechten PKs, die im besten Fall aber noch was unterhaltsames hatten. Für mich und zehntausende anderer Videospiel-Fans, war die Woche der E3 wie Geburtstag und Weihnachten zu gleich, weil in diesem kurzem Rahmen, so gut wie jedes relevante Spiel für die nächsten Monate und sogar Jahre vorgestellt wurde. Und um endlich mal zur Kernaussage dieses Artikels zu kommen: Warum gibt es sowas nicht für Filme?!

Just Do It!

Die E3-Woche mit ihren Tagen voller Highlights, gibt es zurzeit leider nicht mehr so. Das eigentliche Konzept ist aber immer noch extrem beliebt bei den großen Firmen der Games-Branche. In Pandemiezeiten gibt es nur eben keine konzentrierte Woche mit Fachpublikum vor Ort, sondern auf das Jahr verteilt digitale Events, wo Sony, Microsoft, Nintendo und Co. einfach ihre eigenen kleinen Mini-E3-Shows machen. Immer dabei: Zehntausende Fans und unzählige Influencer weltweit. Immerhin will man live dabei sein, wenn das Lieblingsfranchise plötzlich wieder zurück kehrt und man vor Aufregung vom Bett fällt. Zugegeben, das kam in den allermeisten Fällen eher nicht vor, aber allein der Gedanke daran, die große Überraschung könnte bei dieser PK auf dich warten, ließ zumindest mich immer wieder einschalten. Die Konferenzen sind quasi das Ü-Ei der Branche: Meistens ist nur Schrott drin, aber wenns dann doch ein Happy Hippo ist, freut man sich den Arsch ab und will die nächste Überraschung. Jedoch mach ich mir gar keine Hoffnung, dass es einmal im Jahr ein riesiges Film-Event gibt wo von „A24“ bis „Warner“ alle Firmen ein Feuerwerk an Trailern und Ankündigungen abfeiern. Aber was spricht denn gegen freie Streaming-Events, wo eben nicht nur Fachpublikum die ersten Szenen von Film XY sehen darf? Wo ein bis zweimal im Jahr der gesamte Fokus der Branche auf den Marken einer Firma liegt? Wo Kooperationen vorgestellt werden, Mitwirkende zu Wort kommen können und „Behind the Scenes“ Material abseits vom eigentlich verstaubten Youtube-Kanal gezeigt werden kann?

Comic Con x Oscars

Eigentlich fällt mir nur eine Filmfirma ein, die sich ein bisschen was von der Live Event Taktik von Videospielen was abgeguckt haben: Disney! Der Haussender von so ziemlich jedem großen Franchise der Neuzeit, veranstaltet alle zwei Jahre die „D23 Expo“ mit dem Prinzip von „Comic-Cons“, also verschiedenste Panels zu den wichtigsten Marken. Und wenn ich sie schon erwähnt habe: Ja, die unterschiedlichen „Comic-Cons“ werden von ein paar Firmen wie „Warner“ oder „Disney“ dafür benutzt, mal die Fans mit Teasern in Wallung zu bringen. Das sind quasi erste Annährungen an das Konzept der Videospiel-PKs. Die wiederrum haben schon das nächste Level erreicht. In den letzten Jahren haben sich die „Game Awards“ zum Jahreshighlight gemausert. Jedes Jahr im Dezember werden die Preise für die besten Games vergeben und zwischendurch hat man das Gefühl, dass so gut wie jede Firma (von Indie bis Konsolenhersteller) noch einen kleinen Happen für dieses Event am Ende des Jahres aufgehoben hat. Auch wenn die richtig großen Brocken eher bei den hauseigenen Veranstaltungen zu finden sind, haben die „Game Awards“ für zehntausende Zuschauerinnen und Zuschauer einen festen Platz im Kalender. Natürlich bräuchten jetzt die Filme ein eigenes, riesiges Event im Jahr, wo der wichtigste Preis des Jahres vergeben wird und der auf Grund vom mangelnden Entertainment-Faktor, jedes Jahr mehr Zuseher verliert, wenn nicht gerade Will Smith jemanden eine ordentliche Ohrfeige verpasst… Ne, mal ganz im Ernst. Ich verstehe nicht, warum man die Oscars nicht nutzt, um große Ankündigungen oder Teaser vorzustellen. Das Ganze muss nicht so ausarten wie bei den „Game Awards“, aber so 5 kurze Breaks nach der Werbung von möglichst unterschiedlichen Firmen, könnten je nach Überraschungsfaktor, die Oscars ordentlich auflockern. Und wenn es nicht die Oscars sind, dann nehmt halt einen anderen Filmpreis oder erschafft eure eigenen, offenen Live Events. Was bei Videospielen wunderbar funktioniert, kann bei Filmen auch extrem gut wirken. Nur die lästige Angewohnheit mancher Games-Firmen, den ersten Teaser gefühlt 10 Jahre vor dem eigentlichen Release rauszuhauen, kann sich die Film-Branche gerne sparen.

Hättet ihr auch Bock auf mehr Marketing-Events von Film-Firmen oder seid ihr mit dem Release von Trailern und Co. aktuell zufrieden? Schreibt gerne eure Meinung in die Kommentare, ebenso wie allgemeines Feedback zum April-Text auf diesem Blog.

3 Comments

  1. Das Problem haben Videospiele auch: Gigantischer Trailer, halbgares Profukt 😅
    Aber immerhin hat man ne gute Zeit mit der Vorfreude und alle würden sich zeitgleich über die Neuankündigungen unterhalten

    Gefällt mir

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