Eine Woche in der Filmhölle: Lucy

Es gibt so Filme, da ist das Echo aus dem Netz und vom Freundeskreis nicht eindeutig zu begreifen. Die einen feiern ihn, die anderen haben ihn bzw. sie auf der Hassliste. In diesem Fall waren es Ecce und The Home of Horn. Aber hat das „Lucy“ wirklich verdient?

50% Lame

Erstmal, worum geht´s in den 90 Minuten von 2014 überhaupt: Unsere Titelheldin Lucy wird durch gewisse Umstände in die Drogenmafia verwickelt und soll nun ein Päckchen einer neuartigen Droge in ihrem Körper nach Europa schmuggeln. Doch schon bevor der Flieger geht, wird Lucy in den Bauch getreten und die volle Menge der Substanz verteilt sich in ihrem Körper. Dadurch steigert sich ihre Gehirnleistung von 10% auf ein immer höheres Level und aus dem verheulten Mädchen, das ganz schnell nach Hause will, wird mit einem Wimpernschlag die „Badass“-Actionheldin. Bis zu diesem Moment, ist „Lucy“ auch die halbgare Nummer die ich erwartet habe. Um mal das Jugendwort des Jahres in den Text einzubauen: Alles wirkt irgendwie „cringe“. Da sieht man die Entführung von der Titelheldin Scarlett Johansson, während Morgan Freeman einen Vortrag über kompletten Unsinn hält und man immer wieder Gegenschnitte von Tieren bekommt, die scheinbar die einfachsten Sachen nochmal verbildlichen sollen. Da redet einer über sich teilende Zellen, komm lass mal ein paar bumsende Tiere zeigen, sonst weiß ja auch keiner was gemeint ist. So geht es auch ständig weiter. Humorvolle Szenen (zumindest sollen sie wohl so gemeint sein), harte Action und Theatralik wechseln sich quasi im Sekundentakt ab und ich wusste beim besten Willen nicht, wohin die Reise von Regisseur Luc Besson geht. Auch der Cut, wenn sich die Drogen in Lucys Körper ausbreiten und der große Action-Teil des Films beginnt, hat mir eher weniger gefallen. Zu groß war wieder der Wechsel. Mal ganz davon abgesehen, ist die Prämisse mit der 100% Leistung vom Gehirn auch nur auf den ersten Blick vielleicht cool. Bei weiterem formulieren der Idee, hätten alle Beteiligten auch merken können, dass sie vielleicht nicht das größte Story-Material aller Zeiten vor sich haben. Das Alles macht irgendwann hinten und vorne keinen Sinn mehr!

50% Was geht ab?!

Irgendwann freute ich mich nur noch, dass „Lucy“ kein 3-Stunden-Drama ist und befürwortete es sehr, dass ab ca. der Hälfte auch öfter mal die Fäuste sich zu Wort melden. Gutgemachte Action kann einen solchen Film ja noch auf eine akzeptable Ebene bringen. Tatsächlich sind die Actionsequenzen richtig gut gemacht und dank Lucys Kräfte auch abwechslungsreich inszeniert. Spannung kommt vielleicht eher selten auf, weil halt irgendwelche Dullis gegen eine Überfrau ankämpfen, aber das muss den Spaßfaktor ja keinen Abbruch tun. Insgesamt muss ich die Leute enttäuschen, die jetzt von mir auch einen Abgesang auf die zweite Filmhälfte erwarten und dass ich das teilweise grenzdebile Zeug niederschreibe. Aber ohne jegliche Ironie muss ich sagen, dass mich der Film wieder zurück an den Bildschirm gefesselt hat, einfach weil er die Wahnsinns-Schraube ordentlich nach oben dreht. Johansson zeigt in der zweiten Filmhälfte keinen einzigen Gesichtsausdruck mehr, sie kann alles und jeden manipulieren und wahrscheinlich auch töten wenn sie will. Darüber hinaus hat sie vor nichts mehr Angst und rattert ihren Plan den Rest des Streifens pur runter, während alle anderen (inklusiver der Betrachter) nur noch vom Seitenrand erstaunt zusehen dürfen. Jedoch wird nicht nur die Figur der Lucy vollkommen übertrieben gezeichnet, sondern auch der Rest entbehrt sich jeglicher Logik. Es ist eigentlich egal an welcher Stelle ihr den Film anhaltet, solltet ihr nur eine Minute über das Gesehene nachdenken, werdet ihr unweigerlich mit dem Kopf schütteln. Aber wenn eh schon alles verloren ist, dann kann man ja auch richtig aus den Vollen schöpfen. Dachte sich wohl auch Luc Besson und präsentiert uns ein Ende, irgendwo zwischen „2001“ und „Akira“. Visuell, musikalisch und inhaltlich komplett over-the-top, aber es hat mir gefallen. Wenigstens tropfte der Film nicht mehr halbgar vor sich hin, sondern präsentierte seine Idee ohne sich irgendwie zurückzuhalten. Muss man nicht mögen, aber immerhin steigert sich „Lucy“ in der Hinsicht konsequent. Was am Ende bleibt? Eine stinklangweilige und sehr merkwürdige (im negativen Sinne) erste Halbzeit und eine deutliche Steigerung, umso näher es zum Finale geht, mit gut gedrehter Action und einem Ende, wo man sich an die Stirn fassen und laut „WTF“ brüllen kann oder wo einem ein kleines Grinsen im Gesicht steht und man ein verschmitztes „WTF“ vor sich hinmurmelt. „Lucy“ ist mit Sicherheit kein wirklich guter Film, aber man kann durchaus seinen Spaß damit haben. Euer Gehirn solltet ihr aber vorher von den 10% ganz auf 0 schalten.

Die Titel der Filmhöllen-Woche:

8 Comments

    1. Der Satz galt nur für die Konsequenz am Ende 😀 Qualitativ liegen natrlich Welten zwischen den beiden Filmen und „Lucy“.
      Ich mocht die Abgedrehtheit grade am Ende. Wenn in deinem Drehbuch irgendwann eh alles egal ist, kann man auch so schön abdrehen wie hier

      Gefällt mir

  1. Hätte Christian dir einen Kommentar geschrieben, hätte er den Film sicher auch genannt.
    Luc Besson hat seit 1996 keinen guten Film mehr gemacht und doch ist das der Tiefpunkt. Kein Gefühl für Pacing, Darstellerführung und ja das Drehbuch ist Schrott.
    Dieses strunzdoofe Ende vergleichst du mit 2001 und Akira??

    Gefällt 3 Personen

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