Eine Woche in der Filmhölle: 300 – Rise of an Empire

Der Original-„300“-Film gehört wahrlich nicht zu meinen Favoriten in der Filmgeschichte. Wer mehr zu meinem Unmut zu diesen Streifen hören will, sollte einen Blick auf Folge 42 der Kinotagesstätte werfen, denn heute geht es ja um die Fortsetzung von 2014. Ich bedanke mich schonmal bei Wortman für die Nennung als Hassfilm, es könnte nämlich sein, dass ich später nicht mehr an ein „Danke“ denke.

Spielt den selben Mist nochmal

Die ersten Minuten beginnen und sofort greift wieder mein Ästhetik-Asthma. Schnappatmung setzt ein, der Kopf nimmt eine ungesunde Farbe an und ich verfluche innerlich Zack Snyder dafür, diesen Look jemals eine Daseinsberechtigung gegeben zu haben. Für viele ist die CGI-Plastik-Orgie vielleicht unkonventionell oder „comic-artig“, für mich ist es wie Pfefferspray in den Augen. Von vorne bis hinten sehen wir eine Materialschlacht ohne jeglichen Sinn oder Verstand. Ähnlich wie der Vorgänger hat auch „Rise of an Empire“ keinerlei Anspruch. Damit meine ich nicht, dass er sich doch bitte an geschichtlichen Fakten halten oder eine große Metaebene aufmachen soll. Nein, ich meine filmische Ansprüche. So etwas wie einen Spannungsbogen, Charaktere mit mehr als zwei Emotionen (schreien, böse gucken) oder Dialoge die nicht nur aus Pathosgeschwurbel bestehen. Ich meine es Ernst, gebt mir IRGENDWAS. Von mir aus auch einen spannenden Soundtrack, dann kann ich mir den Film nebenbei als nettes Hörspiel anmachen. Jedoch auch da Fehlanzeige, die Langeweile dominiert jede einzelne der knapp über 100 Minuten. Zur fehlenden Abwechslung kommt auch noch dazu, dass die Fortsetzung seinen Vorgänger über ganze Strecken kopiert. OK, die Idee eine Seeschlacht zu zeigen, die quasi zeitgleich mit der „300“-Schlacht stattfindet, ist ja ganz nett. Aber aus irgendwelchen Gründen läuft die auch genauso ab. David schlägt in mehreren Runden Goliath mit irgendwelchen Tricks, zwischendurch ausruhen, Reden schwingen, böse gucken und here we go again…

Veni, Vidi, Perdidi

Tatsächlich haben die Macher wohl aber versucht, ihrer Ödnis von Photoshop Philipp irgendeinen Sinn rein zu setzen. Immerhin, man höre und staune, wird dieses Mal nicht irgendein Kaff in Südgriechenland beschützt, sondern gleich die gesamte frühe Demokratie. Ja, man könnte es fast als vielversprechende Prämisse sehen, aber Blut und dicke Hupen sind dann ja schon wichtiger als eine sinnhafte Story. So wirkt das ganze Gerede so inhaltsleer wie ein Triell vor der Bundestagswahl und um ehrlich zu sein, habe ich auch nicht viel mehr erwartet. „Aber Lufio, der Film will doch einfach nur unterhalten“ höre ich 14jährige Fortnite-Kids auf meiner Tik Tok Seite kommentieren (kann man da kommentieren? Egal!) Wenn Scorsese die Marvel-Filme als Freizeitparkattraktionen bezeichnet, die einfach nur für die Unterhaltung da sind, dann ist „300 – Rise of an Empire“ dieses eine Fahrgeschäft auf jeder Dorfkirmes, das vor Jahren vielleicht mal halbwegs cool war, aber heute nur noch heftig von allen Seiten blinkt, damit keiner merkt wie gammelig und verrostet das Ganze ist. Völlig besoffen kurz vor Kirmes-Ende geht man dann doch mal in dieses leuchtende Ungeheuer und kotzt sich die Seele aus dem Leib, weil im Inneren seit drei Wochen ein Frettchen verrottet. Ich schweife ab? OK, zurück zum Thema: Schaut euch diesen Film nicht an, es sei denn ihr seid Die-Hard-Fans vom Vorgänger und habt richtig Bock vom größten Scheiß aus 2006 noch mehr zu sehen. Alles nochmal ne Stufe lauter, höher, schlechter. Have fun!

Die Titel der Filmhöllen-Woche:

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