Im Film-Himmel – Tag 6: Goldrausch

In sieben Tage schaue ich sieben Filme von meinem „Pile of Shame“ und heute ist der mit Abstand älteste Film an der Reihe. 1925 erschien Chaplins Werk und gilt bis heute als einer der ganz großen Klassikers des Komikers. Ob er mich auch überzeugen konnte?

„Goldrausch“ ist nicht mein erster Chaplin Film, aber da ich bisher alle anderen Filme („Moderne Zeiten“, „The Kid“, „Der große Diktator“) sehr mochte, musste ich auch dieses Werk irgendwann sehen. Außerdem fehlte mir noch eine reine Komödie in dieser Blogaktion. Die Geschichte ist schnell erzählt. Wir sehen Charlie Chaplin in seiner Paraderolle als „Tramp“ oder wie ihn der deutsche Off-Sprecher nennt „Der kleine Mann“. Dieser ist in Alaska unterwegs um nach Gold zu suchen und landet in einer Hütte mit dem skrupellosen „Black Larsen“ und dem kürzlich auf Gold gestoßenen „Big Jim“. Als ein Schneesturm die drei über Tage einschließt, ereignen sich so manche Slapstick-Szenen. Da werden die Protagonisten von einem Bären angegriffen, durch Türen geschleudert oder der Hunger treibt einen soweit, dass Chaplin plötzlich im Hühner-Kostüm verfolgt wird. Berühmt ist natürlich die Szene, wo der Tramp seine Schuhsohle verspeist, als wäre es das feinste Abendessen. Nach dem Sturm kehrt der Tramp wieder in das Dorf zurück, Black Larsen stirbt bei einer Lawine und Big Jim bekommt einen ordentlichen Schlag auf dem Kopf, so dass er sich nicht mehr erinnern kann, wo sein Gold liegt. Im Dorf verliebt sich der kleine Mann in eine Tänzerin des örtlichen Lokals, die ihn aber lieber verspottet. Ich bin dann mal auch so frei und erzähle das Ende, da wir natürlich alle wissen, wie die Geschichte ausgeht. Big Jim findet mit Hilfe des Tramps seinen Schatz und die schöne Georgia verliebt sich am Ende doch in unseren kleinen Held. Ende gut, alles gut.

Wie bewerte ich jetzt den Film? Nun, über eine Sache gibt es keine zwei Meinungen: Die Slapstick-Szenen sind grandios und auch fast 100 Jahre später lustiger als die meisten heutigen Komödien. Es ist einfach brüllend komisch, wenn Chaplin seine eigene Figur parodiert mit zwei auf Gabeln aufgespießten Brötchen oder wenn er den Schnee immer zum Nachbarn schippt, damit er immer wieder Geld fürs wegmachen kassieren kann, nur damit am Ende der Schnee vor dem Gefängnis landet. Das ist alles pures Comedy-Gold und war natürlich nicht anders zu erwarten. Jedoch haben Chaplins Filme auch immer eine tragische Seite. Man erinnere sich nur an „The Kid“, wo ich meine Tränen kaum noch in Zaun halten konnte. Immerhin gibt es einen sehr emotionalen Moment, wenn Chaplin an Silvester alleine da sitzt, während die anderen im Lokal feiern. Der Tramp hat es bei mir als Identifikationsfigur einfach leicht, dass ich Mitleid empfindet. Immerhin ist er wie ich nicht besonders reich, sehr tollpatschig, ein guter Typ und bekommt am Ende alle Frauen ab. OK, ein Punkt in der Aufzählung trifft jetzt nicht so auf mich zu, aber da überlasse ich die Interpretation euch Leser*innen.

Das 96-minütige Werk (damit der kürzeste Film in diesen Tagen) hat Witz, Charme, Emotionalität, ein tolles Setting und Chaplins brillante Ideen. „Goldrausch“ hat eigentlich nur ein Problem: Die Konkurrenz. Tatsächlich muss ich am Ende sagen, dass es der schlechteste Film von Chaplin ist, den ich bisher gesehen habe. Immer noch sehr gut, keine Frage, aber halt nicht so genial wie die anderen. Die Emotionen waren bei „The Kid“ stärker, die zweite Ebene bei „Moderne Zeiten“ einfach noch größer und die Parodieelemente bei „Der große Diktator“ einfach noch ausgereifter. Der Film wirkt wie eine Blaupause für ein typisches Chaplin-Werk, wo die lose Story einfach nur die verrückten Momente zusammen hält, weil es sonst eine Sketch-Show wäre. Das ist super unterhaltsam und die endgültige Botschaft, dass die Liebe wichtiger ist als das Gold, auch ganz nett… aber halt auch nicht wirklich mehr. Ich war vielleicht am Ende zu verwöhnt durch die anderen Filme des Großmeisters. Trotzdem gebe ich selbstverständlich eine große Empfehlung für den „Goldrausch“ ab. Gerade als Einstiegsfilm in das Werk des Komikers, ist der Film fantastisch geeignet, bevor man sich den oben genannten kompletten Meisterwerken stellt.

Die Film-Himmel-Woche:

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