Im Film-Himmel – Tag 4: Der Dritte Mann

Weiter geht es in der Woche, wo ich versuche in sieben Tagen mehr Klassiker zu schauen als Benni W. aus K. in seinem ganzen Leben. Da ich mich bemühe, hier auch eine gewisse Genre-Vielfalt in die Aktion zu bringen, werfen wir heute einen Blick auf einen großen Klassiker der Krimi- bzw.- Thriller-Geschichte. Hier nun ein paar Worte zu Carol Reeds „Der dritte Mann“!

Vor dem Anschauen ist eine Frage essentiell: „Kennst du den Twist?“. Ich für meinen Teil, muss diese Frage leider mit „Ja“ beantworten, denn irgendwo habe ich den großen Enthüllungsmoment mal aufgeschnappt. Das ist jetzt erstens nicht verwunderlich, da die Szene weltberühmt ist und zweitens auch nicht so unglaublich tragisch, weil der Film nicht nur auf diesen einen Moment aufbaut wie z.B. „Die üblichen Verdächtigen“. Aber fangen wir von vorne an: Holly bekommt ein Jobangebot von seinem guten Freund Harry und reist dafür nach Wien kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dort angekommen, muss er leider feststellen, dass Harry tot ist. Die Geschichte zu dessen ableben kommt ihm aber so suspekt vor, dass sich Holly auf die Suche nach der Wahrheit macht, unterstützt von der (Ex-)Freundin des Toten namens Anna Schmidt. Den Film kann man grob in zwei Hälften teilen, wobei ca. die erste Stunde sich wie ein Kriminalfilm anfühlt, nur dass wir keinem Detektiv bei der Arbeit zu sehen, sondern den armen Holly, einen zweitklassiger Autor von Western-Romanen. Der verliebt sich dann noch in Anna, sammelt weiter Hinweise, wird in die Wiener Unterwelt reingezogen, legt sich mit der Polizei an und am tiefsten Punkt, entdeckt er das Geheimnis des Films. Ab diesen Zeitpunkt dreht sich so ein wenig das Genre, denn der Kriminalfall ist quasi aufgelöst und verwandelt sich in einen echten Thriller inkl. wegweisender Dialoge zwischen den Parteien und einer großen Verfolgungsjagd am Ende. Den Sprung zwischen den zwei (nicht komplett getrennten) Genres, schafft „Der dritte Mann“ auch sehr gut, nur die Entwicklung vom heiteren Krimiraten zum düsteren Höhepunkt geht dann doch sehr rapide voran.

So unterschiedlich die zwei Filmhälften sind, so gleichbleibend gut sind einige Elemente. Natürlich muss da zuerst die Musik genannt werden. Anton Karas hat hier mit seiner Zither einen Sound für die Ewigkeit erschaffen und kann wahrscheinlich von jedem mitgesummt werden. Ebenso faszinierend ist das Setting. Das in Trümmern liegende Wien ist eine herrliche Kulisse für einen Film und da die Macher an Original-Schauplätzen 1949 gedreht haben, gibt es wohl kaum einen zweiten Film mit einem solchen Charme. Dann wäre da noch der großartige Cast zu nennen. Joseph Cotten macht seine Sache fantastisch und auch sein Love-Interest Alida Valli kann mehr machen als nur verträumt in die Kamera zu schauen. Und Orson Welles macht halt Welles-Sachen: Hier ein perfektes, verschmitztes Grinsen in die Kamera, da ein spontanes Zitat mit einer Kuckucksuhr, das in die Filmgeschichte eingegangen ist und schon hat der Meister seinen Soll erfüllt. Lustiger Fun-Fact am Rande: Die schrullige alte Vermieterin im Film, wird gespielt von Moritz Bleibtreus Oma. Ebenfalls gut zu wissen: Guy Hamilton („James Bond: Goldfinger“, „Das Böse unter der Sonne“) war hier Regieassistent und macht wie alle Leute hinter der Kamera einen hervorragenden Job. Von der Ausleuchtung, über die Inszenierung bis hin zu den Kostümen – da gibt´s nicht zu meckern. Die Kirsche auf der Sahne gibt es durch die Österreicher*innen im Film, die nochmal ihren eigenen Charme mit reinbringen, der perfekt zu Carol Reeds britischen Humor passt.

Ich kann also absolut verstehen, warum „Der Dritte Mann“ so groß in der Filmgeschichte vertreten ist. Wenn man gar nichts über den Film weiß, gibt es zum wunderbaren Grundsetting auch noch einen tollen Twist gratis dazu. Für alle „gespoilerten“ bietet der Film aber auch noch mehr als genug, um über die gesamte Laufzeit zu unterhalten. Naja, viel mehr aber auch nicht. Zumindest für mich ist dieser Klassiker ein beschwingter Krimi, der mit den tollen Thriller-Momenten endet. Wirklich herausragend sind aber nur die Musik und Drehort. Gut, was heißt hier „nur“, immerhin ist das schon mehr, als viele andere Filme leisten können. So wirklich umgehauen hat mich der Film mit diesem Status aber nie wirklich. Dafür steht die Handlung zu oft auf der Stelle und man sieht eigentlich nur immer wieder den Hauptcharakter zwischen Punkt A, B und C tingeln, ohne dass die Handlung nennenswerte Fortschritte macht. Auch mit dem Ende war ich dann doch leicht unzufrieden, weil der Kontrast zum übrigen Film mir dann doch zu groß war, auch wenn hier mal wieder die Cinematographie überzeugen konnte. „Der Dritte Mann“ ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Mix aus Krimi und Thriller, mit dem man eigentlich nichts falsch machen kann, auch wenn er nicht in meine persönliche Liste der besten Film-Klassiker einziehen wird.

Die Film-Himmel-Woche:

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