Film Wichteln #1

Was ist schöner als in der Weihnachtszeit in die Oper zu gehen? Ganz klar: In der Weihnachtszeit nicht in die Oper zu gehen. Ich selbst war noch nie in der Oper. Weder in der Weihnachtszeit noch sonst irgendwann. Genauso oft hatte ich bisher das Vergnügen, einen Film von Regisseur Dario Argento zu sehen. Zumindest dachte ich das, bis ich einen Blick in die Filmographie des Italieners warf. Dort findet sich nämlich ein Film mit dem Titel „Giallo“, den ich vor einigen Jahren gesehen und für furchtbar mies befunden habe. So dürfte es wenig überraschen, dass meine Freude nicht allzu groß war, als beim Filmwichteln „Opera“ (1987) von ausgerechnet jenem Dario Argento für mich herausprang.

Im Film geht es um die junge Opernsängerin Betty, die unverhofft die Chance erhält, den Sopran in Verdis MacBeth zu singen. Der Auftritt wird ein Erfolg, doch Betty sieht sich alsbald einem brutalen Killer ausgesetzt, der ein ganz besonderes Interesse an ihr zu haben scheint.

„Opera“, oder „Terror in der Oper“ wie der Film im Deutschen heißt, kann man guten Gewissens dem Genre des Giallos zurodnen. Da der Begriff vermutlich nicht allen Filmfans geläufig sein dürfte, sei zunächst ein Blick in die Enzyklopädie unseres Vertrauens geworfen:

Der Giallo (von italienisch giallo „gelb“, Mehrzahl: gialli) ist ein spezifisch italienisches Subgenre des Thrillers, das von Mario Bava in den 1960er Jahren begründet wurde und in den 1970er Jahren seinen Höhepunkt hatte. Die Handlung dreht sich zumeist um die Aufdeckung einer Mordserie. In der Inszenierung werden vor allem detaillierte Mordszenen und Spannungsszenen durch stilvolle Kameraführung, Ausstattung und Musik betont.“

Im Grunde fasst das sehr treffend zusammen, was man in „Opera“ geboten bekommt. Der maskierte Mörder tötet seine Opfer auf zum Teil sehr blutrünstige Art und Weise, was mit elektronischer Musik und Heavy Metal untermalt wird. Die Kameraführung ist an einigen Stellen in der Tat bemerkenswert. Dazu gehören beispielweise Sequenzen aus der Egoperspektive des Killer oder Reflektionen im Auge eines Raben.

Der Killer klebt in eingen Szenen Betty Nadeln unter die Augen, damit sie ihm bei seinen Taten zuschauen muss. Bei dieser Idee handelte es sich ursprünglich um einen Witz de Regisseurs. Argento ärgerte es, wenn das Publikum während der, seiner Meinung nach kunstvoll inszenierten, Mordszenen in seinen Filmen immer angewidert wegschauen würde. Daher schlug er scherzhaft vor, den Kinobesuchern Stecknadeln unter die Augen zu kleben, damit sie nicht vom Film wegsehen könnten. Da dies leider nicht möglich war, schaffte die Idee es zumindest auf andere Weise in den Film.

Während der Dreharbeiten kam es am Set zu zahlreichen Pannen und sogar dem Tod eines Schauspielers, was Regisseur Dario Argento glauben ließ, dass sein Film vom sagenumwobenen „Macbeth-Fluch“, der auch im Film selbst wiederholt erwähnt wird, heimgesucht werden würde. Darüber hinaus verarbeitet Dario Argento mit diesem Film eigene Erfahrungen mit der Regie einer geplatzen Produktion von Giuseppe Verdis Macbeth. Die Figur Marco, ein Horrorfilm-Regisseur, der sich nun an einer Oper probieren möchte und von Ian Charlesons gespielt wird, basierte also quasi auf Argento selbst. In diesem Zusammenhang sind ein paar Dialoge und Andeutungen im Film ganz amüsant.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die ursprüngliche Fassung des Filmes im Jahr 1990 in Deutschland auf den Index gesetzt wurde. Es existiert daher eine gekürzte deutsche Fassung mit einer FSK-Freigabe ab 18 Jahren. 2015 wurde der Film neu geprüft und ist nun ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Aktuell ist der Film noch bis zum 26.04.2021 in der ARTE Mediathek verfügbar.

Vielen Dank an meinen Wichtel, an Marius für die Organisation und eine besinnliche Weihnachtszeit an alle Teilnehmer/innen und Leser/innen.


Übersicht aller Filme auf apokalypsefilm.com/wichteln

Wichtelfilm wurde ausgewählt von Nomadenseele

Text wurde geschrieben von Ma-Go

18 Comments

    1. Ich dachte nicht, dass das von Interesse ist. Ich habe heute mit einem gemeinsamen Freund über das Thema gesprochen und da bereits gesagt, dass ich wohl zu sehr von mir auf andere geschlossen habe. Sorry. Mich interessiert es in der Regel nicht wie andere Film X oder Y finden. Es sei denn ich kenne die Person oder deren Geschmack ein bisschen. Deswegen dachte ich es geht dir und den anderen Lesern auch so und es sei interessanter, ein paar Hintergrundinfos und Inhalte des Films zu beschreiben. Übrigens ist dieser Unterschied in der Interessenlage auch einer der Hauptgründe warum ich mit der Bloggerei abgeschlossen habe.

      Da ich dich nicht im Dunkeln tappen lassen will, hier mein Nachtrag:
      Ich fand den Film wegen der Schauspieler phasenweise anstrengend, die Auflösung wenig überzeugend und die Story generell nicht so packend. Handwerklich hingegen ist der Film gut gemacht wie ich finde. Empfehlen würde ich ihn jedoch nicht.

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      1. „Mich interessiert es in der Regel nicht wie andere Film X oder Y finden. Es sei denn ich kenne die Person oder deren Geschmack ein bisschen. Deswegen dachte ich es geht dir und den anderen Lesern auch so und es sei interessanter, ein paar Hintergrundinfos und Inhalte des Films zu beschreiben. “

        Die Höflichkeit gebietet es, dass ich dir noch antworte, bevor ich dieses Blog endgültig nicht mehr kenne, auch wenn ich hier mit größten Widerwillen poste.

        Und ich muss dir zustimmen, auch ich empfinde die Meinungen anderer schon seit bestimmt 20 Jahren als irrelevant empfinde. (Was nicht bedeutet, dass ich die Wichtelaktion an sich nicht lustig fände.) Ich frage mich schon sehr lange, ob die Leute diegleichen Bücher gelesen, Filme gesehen und Spiele gespielt haben. Ich bin auch immer mehr zu dem Schluss gekommen, dass entsprechende Informationsquellen uninteressant sind. Bei Büchern (Ich bleibe mal bei ihnen, sie stehen auch für Filme und Spiele.), die ich noch lesen möchte, lese ich keine Bewertungen wegen der Spoilergefahr.

        Kulturteile – naja, wenn sie etwas gut finden, finde ich es grundsätzlich schlecht. Mit der Erfahrung stehe ich nicht alleine, wenn ich an Diskussionen in diversen Blogs denke.

        Sinnvoll sind für mich nur Blogs wie z.B. Filmlichter oder auch dein Artikel, in denen die Werke eingeordnet werden oder auch mal Hintergrundinfos erscheinen.

        Warum ich Blogs abonniert halte?
        Weil man doch mal auf das ein oder andere stößt, was mich neugierig werden lässt. Ohne Ainu hätte ich mir nie Singin` in the rain gekauft.

        Einige sind gut geschrieben, und alleine der Schreibstil unterhaltsam. Das ist bei Filmlichter so, oder auch bei den Klappe!-Redakteuren.

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        1. „Die Höflichkeit gebietet es, dass ich dir noch antworte, bevor ich dieses Blog endgültig nicht mehr kenne, auch wenn ich hier mit größten Widerwillen poste.“

          Den Absatz habe ich nicht verstanden.

          Die Filmlichtung und die Klappe sind auch zwei der ganz wenigen Seiten, die ich noch in meinem News Feed gespeichert habe.

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  1. Jetzt nur von der Beschreibung her finde ich, dass er eigentlich recht interessant klingt. Da würde mich interessieren, was genau einem daran nicht gefällt oder was der Film nicht so gut macht. Schließlich wird der Film ja eigentlich gut aufgenommen und Dario Argento gefeiert. Klingt für mich stark nach Geschmackssache, ohne jetzt jemals einen Argento Film gesehen zu haben 😀 Prinzipiell aber interessant, von einen Film der anderen Sorte etwas mitzubekommen

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    1. Ich fand schon die Eingangsszene sehr stark, welche man im wahrsten Sinne des Wortes das Geschehen aus Sicht einer Operdiva erlebt. Dies wiederholt sich ab und so mit verschiedenen Figuren. Erst fand ich die Morde widerwärtig brutal, aber sie mit Heavy Metal zu unterlegen hatte schon was. Insgesamt fand ich den Film sehr cool inzeniert.

      Auf jeden Fall ist er mal etwas ganz anderes und bis zur letzten Minute spannnend.

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