MMM #15 mit „Ad Astra“ und Pixar „Sparkshots“

„Mein Movie Monat“ is back! Der Ausfall aus dem letzten Monat durch das „Pixar Ranking“ wird heute nachgeholt. Allerdings habe ich mich auch Anfang Juni noch auf Pixar konzentriert und somit fallen viele Filme aus dem Ranking noch in diesen Monat. Dafür gibt es aber Weltraumabenteuer mit Brad Pitt und eine Menge neue Kurzfilme. Das Monatsranking fehlt selbstverständlich ebenfalls nicht. Viel zu lesen, also legen wir besser mal los!

  • Pixars Probierstube: Sparkshots

Das Animationsstudio der Disney-Company ist ja bekannt für ihre Animationskurzfilme vor den eigentlichen Hauptstreifen. Seit einigen Monaten gibt es aber auch kleinere „Mitarbeiter“-Projekte, die man sich alle bei Disney+ ansehen kann. Die Bandbreite der 7 Kurzfilme ist beachtlich. Der bekannteste von ihnen ist bestimmt „Kitbull“, immerhin war die kleine Geschichte um eine Mini-Katze und einen Kampfhund für den Oscar nominiert (und hätte den Sieg auch verdient gehabt). Hier bekommt man eigentlich alles, was man von Pixar erwartet. Szenen mit kollektiven „Oh wie süß“, „Oh wie lustig“ und „Oh wie traurig“-Momenten. Auf eben genau derselben Stufe steht „Out“. Dort tauscht ein Mann mit seinem Hund die Körper und schafft es so, sich bei seiner Familie als schwul zu outen. Diesen Kurzfilm kann man zwar durchaus als sehr kitschig beschreiben, aber dafür haben die Charaktere und der Zeichentrickstil einfach zu viel Charme. Allgemein setzen sich viele der Kurzfilme mit gesellschaftlichen Thematiken auseinander. Richtig schwierig wird es bei „Loop“, eine Geschichte zwischen zwei Teenagern im Ferienlager. Das „Problem“: Eine der beiden leidet an Autismus, spricht kaum und reagiert auf äußere Reize extrem empfindlich. Rein für die Thematik ist dieser Kurzfilm schon empfehlenswert, auch für eine jüngere Zielgruppe. Schwierig wird es bei „Purl“, einem rosa Wollknäuel, welche um Anerkennung im Büro kämpft. Die Firma wird von weißen Männern im Anzug dominiert und so ein farbenfrohes, gutmütiges Wesen hat dort keine andere Chance als sich anzupassen. Das Ganze könnte man als überspitze Satire bezeichnen oder als ein Film mit unfassbar riesiger Klischee-Keule. Ich gehöre zur letzteren Gruppe und kann nur sagen, dass hier sehr viel Potenzial liegen gelassen wurden ist. Das gleiche Fazit gilt, wenn auch in abgeschwächter Form, für „Float“. Dort schwebt auf einmal das Kleinkind eines Vaters und dieser schämt sich für die Andersartigkeit, bis die Situation auf einem Spielplatz eskaliert. Allgemein ist das Thema „Scharm der Eltern, falls das Kind sehr eigen ist“ extrem spannend, aber hier wurde die Kürze des Films leider zum Verhängnis. Als längere Version mit tieferen Charakteren würde mein Interesse aber wieder geweckt werden. Fehlen nur noch zwei Kurzfilme, die uns in andere Welten abtauchen lassen. In „Smash & Grab“ wollen zwei Roboter-Kumpel der Sklaverei entfliehen. Die Metalltypen sind auch wirklich sympathisch, aber irgendwie hat man das alles schon mal besser und tiefer gesehen. Trotzdem schadet ein Blick nicht. Zum Abschluss gibt es meinen großen Favoriten „Wind“. Ohne jegliche Erklärung befinden wir uns in einem tiefen Loch zusammen mit einem Jungen und seiner Oma. Das Besondere: Sie leben auf einem kargen Felsen, der zusammen mit anderen Steinen und Schrott in diesem Loch umherschwebt. Weiteres möchte ich hier gar nicht verraten, aber die kurzen Minuten haben mich tief bewegt und sprechen Themen an wie „Immigration“ und „Flucht“ an. Zu allen Kurzfilmen gibt es übrigens ein Ranking auf Letterboxd.

 

  • Enttäuschung des Monats

Im Normalfall geht man mit einer gewissen Erwartungshaltung in einen Film rein, über den man schon viel gelesen hat. „Ad Astra“ hat aber ein so geteiltes Echo in der Welt hinterlassen, dass ich mich weder richtig darauf freuen konnte, noch pessimistisch mir die 123 Minuten angetan habe. Die Erwartungen waren also nicht zu hoch um eine Enttäuschung zu kreieren, dafür war der Film schon selbst verantwortlich. Anfangs war aber noch alles in bester Ordnung. „Ad Astra“ macht das, was ein guter Sci-Fi-Film machen muss: Er eröffnet uns eine spannende Zukunftsvision. Dass diese mit Texttafeln am Anfang erklärt wird, wirkt zwar etwas altbacken, aber die darauf folgenden Bilder entschädigen dafür umso mehr. Die Menschheit hat einen riesigen Turm ins Weltraum gebaut (warum auch immer), siedelte auf den Mond und auf dem Mars, führt Stellvertreter-Kriege im All und vor mehreren Jahren brach die erste Mission auf, um am Rande des Sonnensystems nach außerirdischen Leben zu suchen. Eine extrem spannende Zeit, in der unser Hauptprotagonist Roy (Brad Pitt) lebt. Dieser ist angestellt beim Weltraum-Militär der U.S.A. und macht sich auf zu einer großen Reise. Es geht mitten durch das Kriegsgebiet, er wird von Menschen begleitet, die nichts von seiner eigentlichen Mission wissen, zusammen machen Sie an verschiedenen Stationen halt und während die Besatzung-Anzahl weiter sinkt, kämpft unser Held mit seinen inneren Dämonen. Währenddessen erfährt er mehr über seine Zielperson, die er am Ende der Reise ausschalten soll und diese Person ist scheinbar verrückt geworden und spielt mitten im Nirgendwo ein bisschen „Gott sein“. Der Inhalt kommt allen bekannt vor, die „Heart of Darkness“ gelesen bzw. „Apocalypse Now“ gesehen haben. „Ad Astra“ ist also nichts anderes als ein Remake, nur spielt das Ganze im Weltraum und der Hauptcharakter sucht seinen eigenen Vater. Problem: Brad Pitt ist nicht Martin Sheen, Tommy Lee Jones ist nicht Marlon Brando und vor allem ist Regisseur James Gray nicht Francis Ford Coppola. Die Einzelteile des Films kann man als durchaus gelungen bezeichnen und das Setting steckt voller Potenzial, aber als Gesamtwerk scheitert „Ad Astra“. Zu abgehakt werden die einzelnen Abschnitte präsentiert, die Nebencharaktere sind austauschbar und Brad Pitts Gefühlwelten werden einzig durch viel zu lange Voice-Over präsentiert. Würden nicht ein paar Shots so unglaublich gut aussehen, hätte man daraus auch ein tolles Hörspiel machen können. Zurück bleibt eine episodenhafte Erzählung von einer Geschichte, die wir schon perfekt erzählt bekommen haben, mit guten, aber nicht herausragenden Schauspielleistungen und Bildern, die nicht über die inhaltliche Leere hinweg täuschen können. Doppelte Ebenen und tiefgründe Gedankengängen wie in anderen Genrevertretern werden hier maximal nur angedeutet, obwohl die erdachte Welt für genauso etwas mehr Potenzial geboten hätte. Für ein großes Werk in der Reihe der legendären Sci-Fi-Filme fehlt es ordentlich an Substanz, eine Vollkatastrophe wird durch die guten visuellen Effekte und die gelungen Einzelteile aber auch verhindert.

Ad Astra

 

  • Filmranking für Juni 2020
Platz Filme Wertung Laufzeit (Min) Wo gesehen
1 Inside Out – Alles steht Kopf 4,5 95 Bluray
2 Bao 4,5 8 Disney+
3 The Muppet Movie 4,5 97 Disney+
4 Piper 4,5 6 Disney+
5 Wind 4,5 8 Disney+
6 Out 4 9 Disney+
7 Cars 3 3,5 102 Disney+
8 Lava 3,5 7 Disney+
9 Booksmart 3,5 102 Amazon Prime
10 Sanjays Super Team 3,5 7 Disney+
11 Lou 3,5 6 Disney+
12 Smash & Grab 3,5 7 Disney+
13 Loop 3,5 10 Disney+
14 Rileys erstes Date 3,5 5 Bluray
15 Ad Astra 3 123 Amazon Prime
16 Umbrella 3 7 Bluray
17 Toy Story 4 3 100 Disney+
18 Arlo und Spot 3 93 Disney+
19 Die Legende von Mor´du 3 6 Bluray
20 Float 3 7 Disney+
21 Purl 2,5 9 Disney+
Schnitt 3,57 Pkt. 38,76 Min. Film-Regal: 4
Gesamt 21 Filme 814 Min. Streaming: 17
13,5 Std.

7 Comments

  1. Ad Astra habe ich ein bisschen besser gesehen als du. Wobei da durchaus einiges verschenkt wurde. Ansonsten kenne ich von deiner Juni-Liste nichts außer Inside Out. Und den fand ich nicht gut.

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    1. Falls du mal in den „Genuss“ kommst von Disney+ empfehle ich die Kurzfilme von pixar und natürlich den Muppet Film, aber dazu kommt noch was eigenes
      Um Inside Out schlecht zu finden muss man ein Herz aus Stein haben! 🥺

      Gefällt 1 Person

  2. Also als Remake von Apocalypse Now würde ich Ad Astra nicht bezeichnen. Ich fand den schon sehr gut, wenn auch sehr langatmig. Ich glaube, den findet man besser, wenn man ne schwierige Vater-Beziehung hat.

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    1. Es ist alles schon sehr nah dran 😅 Die Theorie ist natürlich schwer überprüfbar, aber schon möglich. Die Beziehung der beiden hatte auch Potenzial, aber emotional hat mich das einfach nicht mitgenommen, nachdem mir Pitt zum 10mal im Voice Over erzählt hat wie kompliziert das alles ist

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