Ver-piled #11: Oscar Kurzfilme 2020

Endlich von den Toten auferstanden: Meine Kategorie „Ver-piled„! Für alle die es nicht wissen, hier stelle ich Filme von meinem „Pile of Shame“ vor, die ich mir dann doch endlich mal angeguckt habe. Den Anfang im Kategorien-Reboot macht aber nicht nur ein einzelner Film, sondern alle Oscar-nominierten Kurzstreifen aus diesem Jahr.

 

  • The Neighbors´ Window

Beginnen wir mit dem schlechtesten Film und steigern uns dann langsam. Leider muss ich dann auch direkt über den Oscar-Gewinner 2020 schreiben. „The Neighbors Window“ erzählt in 20 Minuten die Geschichte einer jungen Mutter, welche schon fast eine Abhängigkeit dazu entwickelt ihre Nachbarn zu beobachten. Während die einen bei offenen Fenster „Spaß haben“ und Partys feiern, muss unsere Protagonisten das Leben mit drei Kindern managen. Was dann kommt, ist eigentlich so zu erwarten. Kurzfilme haben öfter den Drang danach, einen „plötzlichen“, schmerzlichen Twist zu etablieren und so macht es auch dieser Film. Der Druck auf die Tränendrüse kann funktionieren, aber hier ist das Ganze viel zu überzeichnet. Die Botschaft liegt irgendwo zwischen „andere haben auch Probleme“ und „bewerte ein Buch nicht nach seinem Einband“. Das ist leider alles viel zu vorhersehbar und da helfen auch die paar guten Gags nicht wirklich. Keine Katastrophe, aber ziemlich mittelmäßig. Keine Ahnung wie dieser Film den Oscar gewinnen konnte. Besonders bei der Konkurrenz!

The Neighbors Window

 

  • Nefta Football Club

Kommen wir zu dem Kurzfilm, mit der eindeutig lustigsten Prämisse: An der algerischen Grenze finden zwei Brüder einen Esel mit Kopfhörer, vollgepackt mit einem gewissen weißen Pulver. Der ältere Bruder weiß natürlich sofort, um was es sich handelt und will daraus Geld schlagen und erklärt dem jüngeren erstmal, dass sie „nur“ Waschpulver gefunden haben. Was in den restlichen Momenten der 17 Minuten Laufzeit passiert, verrate ich mal nicht, aber der Film hat auf jeden Fall noch etwas mehr zu bieten. Kurios, lustig, herzlich, real – Ich habe nicht viel erwartet und wurde wirklich überrascht. „Nefta Football Club“ kann ich uneingeschränkt empfehlen, auch wenn die jungen Schauspieler eher keinen Oscar bekommen werden und eine Nebenerzählung schon etwas zu sehr „over the top“ wirkt.

Nefta Football Club

 

  • A Sister

Thriller haben es eigentlich relativ schwer als Kurzfilm wirklich Spannung zu erzeugen. Es sei denn, man hat eine echt gute Idee und macht sie in den ersten Minuten klar. Es geht um eine Frau, die Beifahrerin in einem Auto ist. Sie sagt zu dem Fahrer, dass sie kurz ihre Schwester anrufen will. Am anderen Ende der Leitung geht auch eine Frau ans Telefon, allerdings in der Notfallzentrale! Wie gehen die einzelnen Menschen in dieser Situation miteinander um? Wird diese Autofahrt ein gutes Ende nehmen? Obwohl wir die Hintergründe nur aus kleinen Flashbacks kennen, sind die Rollen schnell verteilt und der Zuschauer kann sich voll und ganz auf die Spannung einstellen. Wer also mal anderen erklären will, was eigentlich „Suspense“ im klassischen Hitchcock-Sinne ist, sollte nur die 17 Minuten zeigen und alle werden es verstehen. Für solche kleinen Ideen sind Kurzfilme wie geschaffen für. Absoluter Tipp für etwas Spannung am Abend.

A Sister

 

  • Saria

Ich sag es gleich: Mich hat die Geschichte wahnsinnig berührt und ich kann diesem Streifen nur vorwerfen, dass daraus kein Langfilm gedreht wurden ist. Genug Stoff wäre vorhanden. In 23 Minuten wird erzählt, wie die Titelheldin Saria in einem Gefängnis bzw. in einer Jugendbesserungsanstalt in Guatemala sitzt, dort eine Freundschaft entsteht, ein Junge die Freundinnen fast auf eine Probe stellt, unsere Heldin den Zorn der Wärterin auf sich zieht, vergewaltigt wird, einen Ausbruchsplan erstellt, diesen umsetzt, sich auf die Flucht in die USA macht, verfolgt wird und…. Ja, das Ende lasse ich hier mal aus. Wer die wahre Geschichte kennt, weiß allerdings wo das Ganze enden wird. Ich wusste davon nichts und saß somit mehrere Minuten noch fassungslos vor dem Bildschirm. Große Empfehlung! Schaut euch diesen wichtigen Film an und erfahrt eine Geschichte, die ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet.

Saria

 

  • Brotherhood

Kurzfilme müssen alles in kurzer Zeit klar machen: Personen, Story und Prämisse. Wenn alles perfekt umgesetzt wurden ist und man nicht das Gefühlt hat, dass nur eine längere Laufzeit dem Film geholfen hätte, dann entsteht ein großer, kleiner Film. So etwas schafft eben auch „Brotherhood“. Story der 25 Minuten: Ein kleine Familie irgendwo im ländlichen Tunesien. Auf einmal steht der älteste Sohn vor der Tür, welcher sich eigentlich vor einem Jahr der Terrororganisation IS angeschlossen hat. Mitgebracht hat er seine minderjährige Frau. Als Zuschauer hat man nun einen ehemaligen Terroristen vor sich, der aber seinen Weg zurück gefunden hat. Ist man jetzt auf seiner Seite oder nicht? Auf jeden Fall können wir uns mit dem Vater identifizieren, der sich dieselben Fragen stellt. Während wir also mit ihm fühlen und dem „merkwürdigen“ Sohn auf die Finger schauen, fängt das einfache Weltbild mächtig an zu wackeln. Fantastische, denkwürdige Geschichte, die zumindest mir sehr nahe gegangen ist und einen tiefen Einblick in eine fremde Gesellschaft gibt. Dieser Kurzfilm hätte den Oscar eigentlich verdient!

Brotherhood

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