Kritik: Die Känguru-Chroniken

Es gibt so Filme, da hofft man einfach auf den größtmöglichen Erfolg. So zum Beispiel, wenn man die Vorlage über alles liebt. Die (Hör-)Bücher von Marc Uwe Kling waren mit das Witzigste, was ich den letzten Jahren gelesen bzw. gehört habe. Ob da die Verfilmung mithalten kann?

  • Das Buch und der Film

Für alle Unwissenden da draußen, fasse ich mal kurz zusammen, warum die Vorlage mit dem Beuteltier so viele Fans hat. Das erste „Känguru“-Buch ist eine Ansammlung von kleinen Sketchen und Kurzgeschichten, welche vorher im Radio veröffentlich wurden. Diese „Geschichten“ handeln vom (Klein-)Künstler Marc Uwe Kling und einem kommunistischen Känguru, welche zusammen in einer WG in Berlin-Kreuzberg leben. Die beiden machen dann halt das, was man in einer WG halt so macht: Besaufen in der Stammkneipe, zerstreiten beim Monopoly, Schlägereien mit Nazis anfangen und Anti-Terror-Anschläge mit dem asozialen Netzwerk planen. Das Übliche halt. Die weiteren Teile der „Känguru“-Bücher etablieren dann auch eine übergeordnete Geschichte, aber für diesen Kinofilm hat sich der Autor der Vorlage eine neue Story einfallen lassen, die vieles aus allen drei Teilen der Bücher zusammenlegt. Buchleser finden sich also schnell zu Recht. Die vielen Insider konnte man aber kaum alle in einen Film bringen (so fehlt z.B. eine meiner Lieblingsfiguren), aber sonst fühlt man sich direkt wohlig, wenn man Figuren wie Friedrich-Wilhelm, Hertha, Gott usw. wiedererkennt. Nicht nur viele Charaktere wurden übernommen, auch die Form der „aneinandergereihten Sketche“ wurde versucht zu retten. Es gibt eigentlich immer wieder kleine Episoden, die mit einer übergeordneten, wenn auch eher langweiligen, Geschichte zusammengehalten werden. Dabei geht es um Rechtspopulist und Unternehmer Jörg Dwigs, der im „Görlitzer Park“ einen Turm mit Parkhaus bauen will.

  • Lachen Sie jetzt!

Es ist schon lustig, wie sehr es die Macher schaffen, die Stärken und Schwächen der Bücher 1:1 zu übertragen. Die Beziehung zwischen dem Känguru (übrigens gesprochen von Marc Uwe Kling) und seinem Künstler-Mitbewohner (Dimitrij Schaad), die memorablen Charaktere und die großartige Situationskomik mit „Meta-Humor“ – All das hat die Bücher ausgemacht und können auch dem Film auf der Pro-Seite angerechnet werden kann. In seinen besten Momenten kommt „Die Känguru-Chroniken“ hat die großen deutschen Komödien der 90er und 00er Jahre ran. Egal ob es die vollkommen überzeichneten Protagonisten sind oder die teilweise alberne Gag-Dichte. Vorbilder waren hier ganz klar die Werke von Otto, Bully, Walter Moers oder Helge Schneider. Auch bei deren Filmen musste eine gute Geschichte meistens den Witzen weichen und so ist es auch hier. Der Überbau hat mich schon in den Büchern am wenigstens interessiert und ist auch hier eher Mittel zum Zweck. „Macht ja nichts, so lange man lacht“ würde jetzt vielleicht der ein oder andere sagen. Natürlich ist es das K.O.-Kriterium für eine Komödie oder Satire, wenn man nicht lacht. So empfand ich den Anfang als sehr gelungen und die besten Szenen haben eigentlich die Cameo-Auftritte (besonders „Der Fitnesstrainer“) und die zahlreichen Nebencharaktere. Das Känguru selbst war in den Büchern der größte Gag-Garant, aber irgendwie zündet die animierte Variante nicht so wirklich. Dabei muss aber erwähnt werden, dass das CGI durchaus gelungen ist. Am Ende machen ein paar gute Gags und die Liebe zur Vorlage keinen guten Film. Auch die zahlreichen Anspielungen auf die Popkultur oder Klings eigenem Schaffen waren nett, aber leider nicht mehr. Als Filmfan freut man sich ja, wenn man erkennt, dass diese Szene gerade auf „Pulp Fiction“, „The Big Lebowski“ oder „Terence Hill und Bud Spencer“ abzielt. Leider wird das hier so offensichtlich gemacht, dass man die Vorlage selbst mit verbundenen Augen erraten hätte. Wie der Streifen auf Nicht-Kenner der Bücher wirkt, kann ich schlecht einschätzen. Wahrscheinlich wirkt alles noch absurder als ohnehin schon. Fans der Vorlage und Liebhaber von überdrehten, deutschen Komödien kann ich „Die Känguru Chroniken“ empfehlen. Alle anderen sollten vielleicht erst in die Trailer reinschauen und sich bei Youtube ein paar Sketche vom Känguru anhören. Wer dann noch Lust hat, kann gerne ein Blick ins Kino wagen. Jedoch sollte man kein Problem mit einer öden Story haben und sich mit einem eigenwilligen Film anfreunden können, der mit vielen Meta-Gags und Popkultur-Anspielungen versucht zu punkten. Als klarem Fanboy der Vorlage hat mir der Film zeitweise wirklich viel Spaß gemacht, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass eine Netflix-Sitcom das bessere Format für die Welt gewesen wäre als ein Kinofilm. Aber das ist nur meine Einschätzung. Allgemein wird der Streifen sehr gemischt aufgenommen und da kann ich mich eigentlich einer gewissen Hertha anschließen und sagen „Es gibt solche und solche, und da gibts noch ganz andere. Und das sind die schlimmsten!“. In diesem Sinne, probiert einfach selber aus, ob euch das Känguru überzeugen kann. Wenn nicht in Filmform, dann vielleicht ganz klassich auf (E-)Papier.

Die Känguru Chroniken

3 Comments

    1. Ach, der Plot steht ja auch so mehr oder weniger in den Büchern. Ob eine zwei Stunden Jagd nach dem Pinguin besser geklappt hätte?
      Die lieblose Story wäre verschmerzbar gewesen, hätte denn alles andere geklappt.

      Gefällt 1 Person

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