Japanuary #3

Beitrag Nummer Drei zum „Japanuary“! Dieses Mal wieder mit einem Doppelpack an Filmen. Anders als die letzten Wochen, haben die hier behandelten Filme auch etwas miteinander zu tun. Zum ersten Mal habe ich den ersten Original-Godzilla mir angesehen und direkt danach die aktuellste japanische Version von 2016. Welche Ausgabe der Riesenechse hat mir besser gefallen?

  • Godzilla (1954)

Kurz zur Erläuterung: Ich habe die deutsche, gekürzte Version gesehen. Nach mehrmaligen Nachschlagen war das wohl auch der richtige Kompromiss, da die japanische Version zwar mehr Szenen enthält, die amerikanische Variante jedoch ein Machwerk der Schnittkunst sein soll. Daher fehlen mir vielleicht ein paar Bilder und ich musste die eher schwierige Synchro über mich ergehen lassen, aber ganz allgemein kann ich vorweg nehmen, dass der Original „Gojira“ Film mir durchaus gefallen hat. Natürlich hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Schauspieler wirken laienhaft, bei den Effekten sieht man mehr als einmal, dass eigentlich nur ein Haufen Pappe kaputt geht und das Monster an sich hat auch schon mal mehr Schrecken verbreitet. Dazu kommt, dass gerade der Anfang sehr sprunghaft wirkt. Es wird von einer Szene zur nächsten gewechselt, die scheinbar wahllos aneinander hängen. Echte Hauptcharaktere und eine lineare Story entstehen erst später. Ab da geht es aber nur noch bergauf, genauer gesagt: Sobald „Godzilla“ zum ersten Mal richtig in Aktion tritt, macht der Film nur noch Spaß. Diesem riesigen Viech dabei zuzusehen, wie es Tokio in Grund und Boden stampft, war ein wahrer Genuss. Währenddessen bleiben die Attacken der Menschen unwirksam und die wirkliche Kernbotschaft des Films tritt immer mehr hervor, begleitet von einem genialen Soundtrack. Am Ende muss man sich eingestehen, dass man keinen platten Monster-Film mit schlecht gealterten Effekten gesehen hat, sondern eine Anti-Kernkraft-Message, welche durch den Unterhaltungsfaktor an den Zuschauer heran getragen wird. Ich bin immer Fan davon, dass wichtige Sozialkritik (o.ä.), mit Humor oder Entertainment verbreitet wird. So wirkt Godzillas Aussage deutlich besser nach, als bei so vielen anderen Filmen, die ihre Ziele dem Zuschauer klar offenbaren und einen „Besserwisser“-Ton an den Tag legen. Auch über 65 Jahre nach Erscheinen, kann ich jedem den ersten „Godzilla“ ans Herz legen. Wer über den gewissen Trash-Faktor hinwegsehen kann, bekommt hier einen gelungen Action-Film mit mehr Tiefe als man denken mag.

Godzilla

 

  • Shin Godzilla (2016)

Alle Fans der japanischen Bürokratie bekommen bei diesem Film bestimmt feuchte Augen. Mehr als die Hälfte der Zeit sehen wir nicht unser geliebtes Eidechsen-Wesen, sondern Politiker beim Reden. Und beim Reden. Und beim Reden. Ab und zu beim „in die Ferne starren“, bevor sie dann wieder weiter reden und reden und reden… Selten habe ich einen Film gesehen, der so viele Zeilen Dialog auf zwei Stunden fasst. Zur Story muss ich nicht viel sagen: „Godzilla“ ist aufgetaucht und greift Tokio an. Unsere Protagonisten versuchen das Monster aufzuhalten und gleichzeitig die politische Langsamkeit der japanischen Regierung auszuhalten. Am Anfang macht dieser Kontrast aus totaler Zerstörung und der Unfähigkeit der Mächtigen noch sehr viel Spaß. Die Aussage wird dabei relativ schnell deutlich. In diesem „Reboot“ geht es eher am Rande um die Anti-Atomkraft-Botschaft, sondern mehr um eine Kritik am langsamen und auf Macht ausgerichteten Apparat der japanischen Regierung und der Bürokratie. Zeitgleich werden noch Seitenhiebe auf die U.S.A. verteilt und die Kraft der japanischen Bevölkerung beschworen. Das ist teilweise sehr pathetisch, manchmal etwas zu pro militaristisch, aber die gute Kernaussage bleibt immer das Hauptaugenmerk. So werden auch hier die alten Stärken der Reihe hervorgeholt: Sozialkritische Aussagen werden durch großes Unterhaltungskino transportiert. Auf technischer Ebene ist die neuste Version natürlich allen anderen überlegen, jedoch musste ich mich persönlich mit manchen Design-Entscheidungen erstmal anfreunden. Große Glubsch-Augen, sehr klobiger Körper usw. Der neue „Godzilla“ ist sehr gewöhnungsbedürftig, hat dafür aber ein paar neue, wunderschöne Moves im Programm. Die helfen einem dann auch, über die teilweise sehr langsame zweite Hälfte des Films hinweg zu kommen. Für mich kommt die 2016er trotz aller Technik, neuem Ansatz und vieler Anspielungen, nicht ganz an das Original heran. Trotzdem ist „Shin Godzilla“ ein gelungener Versuch, das altehrwürdige Franchise in die Gegenwart zu retten.

Shin Godzilla

12 Comments

  1. Ich kannte vorher keinen einzigen der japanischen Filme und bin deswegen damals sehr neugierig in Shin Godzilla gegangen…und empfand es ähnlich wie du, nur dass ich den Film etwas schlechter einstufen würde als du, weil mich die Langeweile dann doch zu oft übermannte. Und bis heute verstehe ich nicht, dass jeder noch so kleiner Charakter ständig eine schriftliche Einführung bekommt, obwohl man ihn vielleicht nur einmal für 5 Minuten sieht. Muss ich wirklich wissen, dass der Statist der dem General gerade eine Hand voll Papiere übergibt Junichiro heißt und der zweite Sekretär des dritten Beraters des Vize-Justizministers ist? Und es endet nicht bei den Menschen, jede Waffe, sogar jeder Raum bekommt eine Untertitelung…ist ja auch wichtig zu wissen, dass die Konferenz in Raum 4 im 15 Obergeschoss stattfindet…ich hatte schon befürchtet, sie hätten sich für Raum 3 entschieden!

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    1. Kann ich absolut nachvollziehen 😀 Habe nach nichtmal 10 Minuten die Untertitel komplett ignoriert. Vielleicht gibt es da irgendwelche Seitenhiebe auf japanische Politiker oder die Zahlen der Räume haben in Japan was zu bedeuten usw. Keine Ahnung, muss man nicht verstehen.

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  2. Shin Godzilla hatte mir nicht wirklich gefallen. Das hätte man weitaus besser machen können. Ich brauche da nur an den dritten Zyklus (1999 – 2006) denken. Da haben sie es besser gekonnt.

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    1. Mal kurz den dritten Zyklus gegoogelt…. Ah ja, die habe ich als Kind oft bei Tele5 gesehen 😀 „Shin Godzilla“ wollte halt wie das Original kein reiner Monster-Film sein, sondern eine höhere, politische Ebene aufmachen. Hat eher so semi funktioniert

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        1. Stimmt, dafür hat der so viele Längen. Fand trzd die reine Idee, Godzilla mit der Langsamkeit der japanischen Bürokratie zu verbinden, sehr gut. So lahn würde wahrscheinlich auch Deutschland handeln, wenn die Echse in Hamburg erscheint. Auch die Amerika-Kritik war gelungen, ebenso die Effekte (gab es schonmal lila Strahlen aus den Stacheln?!).

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  3. Fun fact – Es gibt eine Band namens Gojira. Ich empfehle ihren Song ‚Flying whales‘. Am Anfang sollte man aber vorher Tool, Pantera, Within temptation, Dvsr, Skinflint oder Iron maiden sich anhören um zu wissen in welche Richtung deren Musik geht.

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    1. Danke dir für den Tipp, aber die Band kenn (und mag) ich bereits. Letztes Jahr sogar zum ersten Mal live gesehen 👍
      Die Mischung aus Progressive und Metal ist wirklich genial gut

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