MMM #8 mit Parasite, Vice und viel Horror

Riecht ihr das auch? Genau! Das ist der Geruch von Glühwein, dem wir immer näher kommen. Vorher müssen wir natürlich gemeinsam den November überstehen und wenn wir schon dabei sind, können wir auch auf den Oktober zurückblicken. Ganze 17 Filme habe ich den 31 Tagen gesehen und tatsächlich sogar ein paar passende Horrorfilme.

Vor dem ersten Kinobesuch im Oktober war ich ja schon etwas gehypt. „Midsommar“ wurde von manchen Stellen ziemlich hoch bewertet und der Vorgänger Film „Hereditary“ bekam von mir bei den letzten apokalyptischen Filmawards den Preis verliehen, für die höchste Platzierung auf meinem Jahres-„Pile of Shame“. Leider konnte das Schweden-Spektakel meinen Erwartungen nicht entsprechen. Der Look ist cool und „mal was anderes“ für einen Horrorfilm und es gibt ein paar schöne Momente. Dadurch wird der Film am Ende mittelmäßig und nicht zu einer Katastrophe. Die Schauspieler (obwohl sie sehr eindimensionale Charaktere spielen müssen) wirken oftmals sehr hölzern, der gesamte Kult der gezeigten Sekte ist an manchen Stellen mehr zum Lachen als zum Fürchten und allgemein lässt die ganze Geschichte zu wünschen übrig. What you see is what you get – mehr nicht. Dafür sind 2,5 Stunden dann einfach zu lange.

Midsommar

 

Weiter ging es mit einem Film, den mir meine Mutter empfohlen hat. Dass ich diesen Satz mal in meinem Blog schreibe, hätte ich auch nicht gedacht. Ohne „Der Junge muss mal an die frische Luft“ zu nahe zu treten, aber so ein Film ist auch irgendwie für Mütter gemacht. Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht auch andere mit der Hape Kerkeling-Biographie Spaß haben können. So fand ich den Streifen wirklich unterhaltsam. Den Hauptdarsteller-Jungen muss man nach anfänglicher Gewöhnungsphase ins Herz schließen und auch alle Nebencharaktere machen einen sehr tollen Job in diesem gute Laune Film, der sich aber auch mal traut ernstere Töne anzuschlagen. Auch wenn nicht alles 100 % ineinander passt und das Ende vielleicht doch etwas überzogen wirkt, kann man mit diesem deutschen Kinofilm aus dem letzten Jahr nichts falsch machen.

Der Junge muss mal an die frische Luft

 

Wechseln wir das Thema. Wir wäre es mit amerikanischer Politik? Ne? Mir egal, da müsst ihr jetzt durch. „Vice“ war in diesem Jahr für den Oscar nominiert und das vollkommen zu Recht. Kreative Ideen, ein fantastisches Pacing und Darsteller die wirklich alles geben – Was will man mehr? Nun, vielleicht keinen Propaganda-Film sehen. Versteht mich nicht falsch. Der Streifen tut alles dafür, dass man die Hauptperson Dick Cheney wirklich hasst und glaubt mir, spätestens zu den Bush-Jahren wollte ich meinen Fernseher einschlagen. Trotzdem ist es nicht fair, ihn alleine für allen Mist der U.S.A. in den letzten 30 Jahren verantwortlich zu machen. Seine Mittäter werden entweder als eindimensional böse, korrupt oder dumm dargestellt. Und ein Demokrat war sowieso nie an etwas Schuld. „Vice“ ist extrem einseitig und das ist auch vollkommen in Ordnung, immerhin hat Dick Cheney so viel Dreck am Stecken wie die gesamten Insassen von Guantanamo Bay zusammen. Etwas Reflektion hätte den Film trotzdem gut getan, denn so wird keiner der Gegen-Seite überzeugt.

Vice

 

Viele waren enttäuscht und ich kann es nachvollziehen. „Es – Kapitel 2“ kommt nicht an den tollen Vorgänger Film ran. Irgendwie ist alles ein bisschen schlechter als noch in Kapitel Eins. Das ist auch kaum verwunderlich, denn immerhin waren dort die Kids der Star. Die erwachsenen Versionen sind zwar rein vom Casting gut besetzt, aber es kommt einfach nicht mehr die gleiche Chemie auf. Dazu kommt eine Story, die sehr vorhersehbar ist und trotzdem einfach viel zu sehr in die Länge gezogen wurde. So bleibt ein mittelmäßiger Film zurück, der sein Potenzial bei weitem nicht ausschöpft.

Es Kapitel 2

 

Wer aber einen guten Horrorfilm sehen will, sollte sich mal „Cabin in the Woods“ auf die Liste schreiben. Wobei, erschrecken werdet ihr euch weniger. Dafür eine Menge lachen! Im Kern ist der Streifen eine wunderbare Parodie und Hommage an das Genre „Horror“. Der Streifen punktet mit kreativen Ideen und einer leicht trashigen, aber unterhaltsamen Geschichte. Wer also schon immer wissen wollte, warum sich Teenager in verlassenen Wäldern immer wie die dümmsten Menschen verhalten, wird hier eine Antwort finden. Absolutes Highlight ist jedoch das letzte Drittel, wenn der Film Kunstblut wie Wasser verwendet und einfach alles nur doch abdriftet. Herrlich!

Cabin in the Woods

 

Weniger zur empfehlen ist „Ghostland“, ein weiterer Horrorfilm, welchen ich mir für die 18. Folge vom FilmBlogCast angesehen habe. Weil der Regisseur „Martys“ gemacht hat, sind die Erwartungen natürlich auf einem sehr hohen Niveau. Leider schafft es der Film diese nicht einzuhalten. Die Horrorelemente werden zu oft wiederholt, man fiebert nicht so richtig mit den Hauptcharakteren mit und der gesamte Anfang ist sehr langsam gehalten. Ab dem Twist nimmt „Ghostland“ zwar nochmal Fahrt auf, aber ihm fällt leider auch nicht mehr ein, als typische Horrormomente zu recyceln. Netter Geisterbahn-Film für zwischendurch mit interessanten psychischen Elementen. An das große Vorbild „Lovecraft“ kommt der Streifen aber bei Weitem nicht dran.

Ghostland

 

Ebenfalls schon im Podcast besprochen wurde „31“. Der Film von Rockmusiker Rob Zombie hat mit Sicherheit einige Schwächen, aber für mich ist es einer der besten Trash-Filme der letzten Jahre. Die Schauspieler spielen wunderbar schlecht, die Charaktere sind komplett überzeichnet und fast nirgendwo werdet ihr so schlimme Dialoge finden. Hier haben wir ein ganz klassischen Fall von „so schlecht, dass er wieder unterhaltsam ist“. Einzig die Kamera in den Action-Szenen nervt wirklich. Die blutigen Sequenzen werden nämlich meistens zu Tode geschnitten. Schade, denn so reicht es nicht ganz für den Trash-Olymp.

31

 

Klein, aber fein: Zum ersten Mal seit meiner Kindheit habe ich „Bugs Bunnys verwegene Jagd“ gesehen. Die Zusammenstellung aus alten Sketchen zum Thema „Verfolgungsjagden“ kann auch fast 40 Jahre nach Veröffentlichung noch unterhalten. Highlight sind ganz klar „Planet X“, die eigene Version der „Nibelungen-Oper“ und die letzten 20 Minuten, welche nur aus dem Roadrunner und Wile E. Coyote bestehen. Der Gag, dass der eine immer Glück hat und der andere sich immer alle Knochen bricht, wird irgendwann langweilig? Denkste! Wile E. Coyote wird einfach auf immer kreativere Weise verletzt. Mal fliegt der Stein auf seinen Kopf, mal das Katapult und mal erst der Stein und das Katapult. Comic-Witz in Reinform und herrlich absurd. Aber natürlich hat auch „Bugs Bunny“ das gleiche Problem wie jeder Episodenfilm. Das Niveau schwankt stark in den knapp 100 Minuten.

Bugs Bunny

 

Kommen wir zum letzten Film in diesen Monat und ganz klar ein Anwärter auf einen Platz in meiner Jahres-Topliste. „Parasite“ ist ein beeindruckender Film auf so vielen Ebenen.  Ein sozialkritischer Film, der auch noch unfassbar lustig ist  – Wann hat man das schonmal im Kinojahr 2019 gesehen? Regisseur Bong Joon-Ho spielt mit den Moralvorstellungen der Zuschauer. Er dreht die klassische Situation der guten Armen gegen die bösen Reichen geschickt um und macht daraus das weitaus realitätsnähere „Arm gegen Arm“. Wenn man nicht nach oben kämpfen kann, bleibt nur noch der Tritt nach weiter unten. Die eigentlich nette, reiche Familie trägt aber für die Ereignisse der Geschichte ebenso (mindestens) eine Mitschuld. Eine nette kleine Komödie wird so zu einer riesigen Metapher und zu einer cleveren Systemkritik. Leider schaffen die Macher nicht den Absprung. Obwohl mir die allerletzte Szene auch sehr gut gefallen hat und die nochmals die Chancenlosigkeit der armen Familie im System zeigt, bin ich mit einigen Entscheidungen im letzten Drittel nicht zufrieden. Ein radikalerer Schluss mit weniger Pathos hätte „Parasite“ gut getan. So wird die Sozialkritik sehr offen gelegt und damit zwar klarer, aber auch langweiliger. Auch wenn sich der Film einige Szenen gerade beim vorläufigen Finale hätte sparen können, bleib ich dabei: „Parasite“ ist großartig und ihr werdet keinen Film aktuell finden, der die Gradwanderung zwischen Komödie, Drama und Politik so gekonnt bestreitet. Außerdem gibt es einen „Suspense“-Moment, für den selbst Hitchcock applaudieren würde.

Parasite

 

Übrigens: Ein paar Filme kommen nicht in diesen Monatsrückblick. Erstmal wäre das „Joker“, weil es dort eine Einzel-Kritik gab und sieben Filme habe ich im Rahmen meiner Aktion „Eine Woche in der Filmhölle“ gesehen. Da habe ich sieben Tage lang Filme mit Schweiger oder Schweighöfer gesehen. Highlight war natürlich „Traumschiff Surprise“, das meiste Potenzial hatte „Honig im Kopf“ und die größte Überraschung hieß „Friendship“, ein simples, aber unterhaltsames Road-Movie. Für die Einzelkritiken könnt ihr einfach auf die Links im Ranking klicken.

  • Filmranking für Oktober 2019
Platz Filme Wertung von 5 Laufzeit (Min) Wo gesehen
1 Parasite 4 132 Kino
2 Cabin in the Woods 4 95 Amazon Prime
3 Joker 4 122 Kino
4 Vice 3,5 132 Amazon Prime
5 (T)Raumschiff Surprise 3,5 87 Bluray
6 Der Junge muss mal an die frische Luft 3,5 100 Amazon Prime
7 Bugs Bunnys wilde verwegene Jagd 3,5 98 Netflix
8 31 – A Rob Zombie Movie 3,5 102 Amazon Prime
9 Friendship 3,5 110 Amazon Prime
10 Es – Kapitel 2 3 169 Kino
11 Midsommar 3 148 Kino
12 Ghostland 3 91 Amazon Prime
13 Manta, Manta 3 91 Netflix
14 Schiller 2,5 90 Amazon Prime
15 Honig im Kopf 2,5 139 Netflix
16 Keinohrhasen 2,5 116 Amazon Prime
17 Schutzengel 2 133 Amazon Prime
Schnitt 3,21 Punkte 115,00 Min. Bluray: 1
Gesamt 17 Filme 1955 Min. Streaming: 12
32,5 Std. Kino: 4

5 Comments

  1. 17 Filme, was bei dir in diesem Jahr viele pro Monat sind, sind bei mir dieses Jahr wenige. Vice ist sehr gut, aber The Big Short war noch einen Tick besser, weil fokussierter. Midsommar ist phänomenal, da bleibe ich bei. Der landet mit großer Sicherheit in meinen Top Fünf am Ende des Jahres. Parasite hingegen sicher nicht, nach der Hitchcockesken Szene lässt er doch stark nach und die letzten zwanzig Minuten haben mir den fast komplett ruiniert. Die ersten 100 Minuten sind aber ein Traum.

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    1. Stimmt, gibt’s dieses Jahr echt selten bei mir
      Midsommar hat halt null Tiefe für mich. Netter gruselfilm mit tollen Bildern, mehr halt nicht
      Parasite wird nach dem Twist zum abgedrehten Sozialdrama. Sind für mich auch die schwächsten Szenen, aber alleine für die guten Absichten gibt’s Punkte 😁

      Gefällt 1 Person

        1. Für mich war es ein normaler Horrofilm mit einer Sekte. Ob die Sekte jetzt in Schweden, Afrika oder den U.S.A. ist, war mir dann auch egal.
          Der Keller natürlich. Ab da nimmt sich die Komödie ja deutlich zurück und auch wenn es etwas wirr wird, werden tolle Bilder und Metaphern kreiert wie z.B. die Flut.

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