Eine Woche in der Filmhölle: Tag 7 – Honig im Kopf

Der siebte und letzte Tag der „Film-Hölle“ geht mit diesen Zeilen vorbei. Zum Abschluss gibt es nochmal einen Film mit Til Schweiger, der bis Dato zu seinen erfolgreichsten zählt. So erfolgreich, dass der Regisseur und Schauspieler sogar ein amerikanisches Remake gedreht hat. Aber über den Box-Office-Flop geht es heute nicht, sondern um das Original von „Honig im Kopf“.

  • Licht und Schatten

First Things first: Der Hit von 2014 ist ein typischer Til Schweiger Film. Jede Szene ist überbelichtet, kein Moment wird mehr als eine Sekunde festgehalten, der schnelle Schnitt zerstört jede Art von Emotionalität im Keim und Schweigers begrenzte Fähigkeiten zum subtilen Schauspiel tun ihr übriges. Der Zuschauer hat jedoch Glück, dass der gute Til hier nur eine große Nebenrolle spielt und die Bühne seiner Tochter und Dieter „Didi“ Hallervorden überlässt. Die beiden sind auch das unübersehbare Highlight des Streifens. Ihre Charaktere sind zwar eindimensional und überzogen, aber die Chemie zwischen den Beiden stimmt einfach. Das ist zumindest mal nicht das schlechteste, da es ja hier in erster Linie um einen demenzkranken Opa und seine liebenswerte Enkelin geht. Man mag es kaum glauben, aber in den Szenen mit den Hauptprotagonisten habe ich auch mal gelacht oder in den emotionalen Szenen (trotz Schnittgewitter) sogar etwas mitgefühlt. Allerdings liegt das natürlich auch an der Thematik. Alzheimer ist mittlerweile eine solche Volkskrankheit, dass so ziemlich jeder Zuschauer schon mal mit dem Thema konfrontiert wurde; direkt oder indirekt. Dass da die ein oder andere Träne in den deutschen Kinosälen geflossen ist, kann man schon nachvollziehen. Heraus heben muss man da ganz klar die Schauspielleistung von Dieter Hallervorden. In traurigen Szenen bricht er nicht in Tränen aus, sondern versucht sich zurückzuhalten. Sein „stures nach gerade aus gucken“ am Ende des Films, wenn er seine Enkelin nicht mehr erkennt, wird dann auch zum brilliantesten Moment des Dramas. Nur leider liegen davor schon zwei mittelmäßige Stunden und auch danach ist es noch nicht vorbei. Man kann den deutschen Zuschauer ja nicht mit einem schlechten Gefühl entlassen.

  • Schweigers pflegeleichter Blick

Der gesamte Film läuft also eher so auf unterem Niveau daher, es gibt ein paar Lichtblicke in der Besetzung und während der Laufzeit entwickelt sich eigentlich kaum etwas. Zumindest nichts, was man nicht erwarten könnte. Eines bleibt jedoch in erster Linie zurück: Ein Film mit deutlich mehr Potenzial. Mit einer ruhigeren Erzählweiße, weniger platten Gags und dem kompletten Streichen der Nebenstorys, hätte Schweiger nicht nur ein paar Leute zum Heulen bringen können, sondern auch wirklich etwas zur Debatte beitragen können. Er wollte jedoch einen unterhaltsamen, emotional manipulierenden Film entwickeln. Das hat beim breiten Publikum zwar geklappt, aber eins muss ich noch loswerden: Für Leute muss es ein Schlag ins Gesicht sein, die auch Demenz-Patienten in der Familie haben und sich schlichtweg keine Alternativen leisten können, als der Realität in die Augen zu blicken und weiterzumachen. Eine Senioren-Residenz als Plan B oder einer der Ehepartner kündigt mal ebenso seinen/ihren Job? Weiter weg kann man von der deutschen Pflege-Realität im Umgang mit Alzheimer nicht weg sein. Somit gibt’s am Ende einen Stern für Didi, einen Stern für Schweiger-Töchterchen und noch mal einen halben dafür, dass ich mal geschmunzelt habe. Eigentlich hat das Wort „mittelmäßig“ nie besser gepasst. Das Potenzial für mehr war aber das, doch man wollte schlichtweg nicht mehr erreichen.

Honig im Kopf

 

  • Fazit der Woche

Damit ist die Film-Höllen-Woche vorbei. Neue Erkenntnisse? Eine Schweighöfer-Komödie hat mir ganz gut gefallen, wobei ich ihn sehr gerne mal in richtig ernsten, neuen Rollen gesehen hätte. Ich habe dafür aber ein, zwei Mal weniger gelacht bei „Traumschiff Surprise“ und Til Schweiger sollte mal über „Manta, Manta 2“ nachdenken. In der heutigen Zeit wäre es zumindest ein Publikumserfolg. Sonst wurden natürlich viele Klischees bestätigt, aber damit habe ich gerechnet, weil beide einfach auch nicht Filme für meinen Geschmack machen. Im November muss ich aber dringend mal wieder richtig gute Filme sehen und das Thema der nächsten Höllen-Woche entscheide ich dann mal lieber wieder selbst. Oder will jemand mitmachen?

Filme der „Eine Woche in der Schweiger/Schweighöfer-Hölle“-Challenge:

12 Comments

  1. Diese extrem schnellen Schnitte, die du ansprichst, sind mir tatsächlich nur bei Honig im Kopf aufgefallen. Zuerst dachte ich das sei ein bewusstes Stilmittel, um den Geisteszustand eines Betroffenen darzustellen. Dann würde mir jedoch schnell klar, dass das einfach nur scheiße ist 😂

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  2. Das kommt davon, wenn man so ne Höllenwoche macht, aber ernsthaft guck dir den Tatort mit Schweighöfer an. Da sieht man, dass der Typ schauspielen kann.
    Sonst hoffe ich, dass du im November endlich Sieben nachholst und weitere sehr gute Filme siehst.

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    1. Was sagt das denn aus?

      Ausnahmsweise muss man mal die Bild zitieren, die das letzte Interview geführt hat, das ich dazu finden konnte:

      „Ich habe mit Til Schweiger einen Berg von sieben Millionen Zuschauern bestiegen. Die Dreharbeiten waren nicht einfach, auch weil wir zwei Alphatiere sind.“

      Inzwischen habe man aber das ein oder andere Gläschen getrunken und alle Differenzen seien ausgeräumt. Auf die Frage, ob er nochmal mit Schweiger drehen würde, entgegnete er: „Ich bezweifele stark, dass Til dazu Lust hätte.“

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      1. So hat er jetzt Schweiger den Stiefel geschenkt. Ich meine aber mich erinnern zu wollen, dass es damals weitaus anders klang.
        Mag sein, ich täusche mich auch… aber wer will schon Schweiger? Sein Tatort-Kinofilm war ja der Flop des Jahres. Da hatte Ottos Eleven noch dreimal mehr Zuschauer 😁

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        1. Hier die Story in etwas ausgeschmückter:
          https://www.stern.de/kultur/film/-honig-im-kopf—til-schweiger-und-dieter-hallervorden—ziemlich-beste-feinde-3475276.html

          Wie so häufig liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte und beide haben ihren Anteil daran. Drum ja meine Frage, was uns das zeigen soll. Shelley Duvall wollte nach Shining auch nie wieder mit Kubrick drehen. Deswegen ist dieser aber kein schlechter Regisseur. Vielleicht ein pedantischer Arbeiter und vielleicht sogar menschlich gesehen kein guter Vorgesetzter, aber über seine Qualität als Regisseur sagt das wenig aus.

          Mit Zuschauerzahlen und Schweiger brauchst du glaub nicht ankommen. immerhin hat er mit dem hier besprochenen Film über 7 Millionen Leute ins Kino gelockt. Bei Keinohrhasen waren es auch nur knapp eine Millionen weniger.

          Mag Schweiger als Regisseur auch nicht, aber er hat mit einigen Projekten Erfolg, den man ihm nicht absprechen kann.

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