Eine Woche in der Filmhölle: Tag 3 – Schutzengel

Tag Drei meiner selbsterlegten Prüfung, jeden Tag einen Film von Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer zu schauen und das Ganze eine Woche lang. Gestern war mal ein Action-Film von Schweiger an der Reihe. Da dir ARD (aus irgendwelchen Gründen) ihre Tatort-Mediathek sehr klein hält, kann ich heute leider nicht über „Tschiller“ berichten. Dafür ist „Schutzengel“ an der Reihe.

  • Das Licht in der Hölle

Der gute Til spielt einen Ex-Soldaten, der eine Kronzeugin (gespielt von seiner eigenen Tochter) vor einem bösen Waffen-Unternehmer retten muss. Der Streifen soll wohl eine Mischung aus „Rambo: First Blood“ und „Leon – Der Profi“ sein. Ich sag mal so: Würden Sylvester Stallone und Jean Reno zusammen eine Linie Koks ziehen, sich im nächsten Spielzeugladen Wasserpistolen kaufen und dann zusammen mit dem Cutter von „Taken 3“ einen Film mit der Kamera eines alten Nokia-Handys drehen, dann würde trotzdem noch ein besserer Film herauskommen als „Schutzengel“. Bevor ich jetzt aber den Film komplett auseinander nehme, muss ich noch grade die zwei Sterne erklären, die ich diesem Film dann doch gegeben habe. Irgendwann im Mittelteil kommt der Charakter „Rudi“ dazu, gespielt von Moritz Bleibtreu. Diese Figur ist die einzige, die mich irgendwie interessiert ist. Der Veteran ohne Beine ist selbstironisch, wird halbwegs gut eingeführt in die Story und ist mir zumindest irgendwie sympathisch, was auch an dem Schauspiel des Herrn Bleibtreu liegt. Tatsächlich ist der Mittelteil auf einer Ranch das große Highlight im Film. Warum alles andere einer Vollkatastrophe gleichkommt, erkläre ich jetzt.

  • Warum? Waarrruummm?

Fangen wir mit dem Schnitt an. Warum ist dieser überhaupt interessant? Nun, man wird jede halbe Sekunde mit einem Schnitt konfrontiert. Übrigens ist „jede halbe Sekunde“ nicht übertrieben. Hier wird kein Bild mal stehen gelassen. Selbst in den emotionalen Szenen wird wild zwischen den Gesichtern rumgeschnitten. Wobei das Wort „emotional“ schon vollkommen übertrieben ist. Til Schweiger kann sehr gut stur geradeaus gucken, seine Tochter kann sehr gut die bockige Teenager-Göre spielen. Bei allen anderen Gefühlsausdrücken scheitern die Beiden. Kaum veränderbare Gesichter sind das eine, aber wenn Schauspieler ihre Münder nicht auseinander bekommen, ist das nochmal eine Stufe höher. Irgendwann habe ich mir ein paar Nudeln aufgekocht und während des Films gegessen. Diese Lautstärke hat gereicht, damit ich das Getuschel der Hauptcharaktere nicht mehr verstanden habe. Aber immerhin haben wir es ja mit einem Actionfilm zu tun, also ist alles andere doch eh egal? Kann man so argumentieren, aber auch die Action ist eher auf unterem Niveau. Die Gegner kommen einfach wie in einem Videospiel alle paar Minuten als Welle daher, die dann von Til Schweiger cool niedergeschossen werden, vorzugsweise in Zeitlupe. Die paar guten Aspekte werden dagegen nie weiter ausgebaut. Die politische Ebene wird zwar erwähnt, dient aber nur als plumper Stichwortgeber für den eindimensionalen Bösewicht. Ebenso werden interessantere Storyparts einfach weggeworfen, wie z.B. die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren oder die Jagd nach dem „Maulwurf“ bei der Polizei.

  • Lieber ein Ende mit Schrecken…

Was bleibt ist ein Actionfilm, der sehr gerne möglichst amerikanisch sein will. Aber ein Look, der möglichst clean und dunkel gehalten wird und eine Schussweste mit deutscher Flagge, können nicht darüber hinweg täuschen, dass „Schutzengel“ schlechter ist als die vielen mittelmäßigen Baller-Streifen aus den U.S.A. Diese konzentrieren sich auf möglichst coole Action mit viel Pathos. Das ist in den meisten Fällen auch keine hohe Filmkunst, aber Schweiger will aus dem halbwegs funktionierenden Konzept mehr machen und scheitert in meinen Augen. In Erinnerungen bleiben also nur verschnittene Dialoge, halbgare Action, nicht überzeugende Hauptdarsteller und die Tatsache, dass Moritz Bleibtreu nicht jeden Film retten kann.

Schutzengel

Filme der „Eine Woche in der Schweiger/Schweighöfer-Hölle“-Challenge:

12 Comments

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s