Eine Woche in der Filmhölle: Tag 1 – Keinohrhasen

Es zeigt sich wieder einmal: Gebt den Leuten Macht und sie nutzen es schamlos aus. Ich hatte bei der Wahl zum neuen Thema für „Eine Woche in der Filmhölle“ fest damit gerechnet, dass ihr bei der Abstimmung in meinem 300. Beitrag, passend zum Monat, das Horror-Thema wählt. Aber nein, ihr wolltet lieber, dass ich über die Herren Schweiger und Schweighöfer schreibe. OK, fangen wir also an mit „Keinohrhasen“.

  • Bevor wir anfangen…

In der nun folgenden Woche werde ich also jeden Tag einen Film mit den beiden wohl unbeliebtesten (und gleichzeitig erfolgreichsten) deutschen Darstellern gucken. Es gibt nur eine Regel: In jedem Film muss einer der beiden Schauspieler die Hauptrolle spielen. Seht es mir nach, wenn ich am Ende der Challenge eine kleine Ausnahme machen werde. Natürlich mach ich das Ganze nicht nur aus masochistischen Gründen. Eigentlich möchte ich mit dieser Kategorie einmal in Genres reinschauen, von denen ich eine ziemlich klare und klischeehafte Meinung habe. Bei der ersten „Filmhölle“-Woche hat mich der deutsche Fernsehfilm größtenteils enttäuscht. Schaffen es Schweiger und Schweighöfer mich wenigstens in einem Film zu begeistern? Zum Anfang habe ich den Film „Keinohrhasen“ ausgewählt, weil dort sogar beide Hauptprotagonisten dieser Aktion mitspielen. Tatsächlich habe ich den Streifen auch schon einmal gesehen, allerdings war das zu Schulzeiten. Warum man so etwas in der Schule guckt? Vertretungsstunde, Mädchen waren in der Überzahl usw. Egal, alles was ich noch weiß ist, dass ich den Film in sehr schlechter Erinnerung hatte.

  • Mir ist noch nicht übel?

Ich falle direkt mal mit der Tür ins Haus: Ohne Witz, die knappe erste halbe Stunde hat mir wirklich gut gefallen. Es gibt zahllose Auftritte von deutschen Prominenten die sich selber auf den Arm nehmen. Egal ob es ein Jürgen Vogel ist, der Til Schweigers Charakter verarscht, ein Rick Kavanian als cholerischer Zeitungsboss oder Schlagerstars die sofort anfangen Hochdeutsch zu reden, sobald die Kamera aus ist. Dazu kommt Schweigers Figur, die wunderbar hassenswert ist und ein paar Witze, die vielleicht nicht wirklich den Test der Zeit bestanden haben, aber doch für ein kleines Grinsen sorgen können. Eigentlich hatte ich nach den ersten Minuten nur ein paar Fragen:

  1. Wer nennt seinen Hauptcharakter „Ludo“?
  2. Wer kommt auf die Idee Nora Tschirner als „hässlich“ zu beschreiben?
  3. Was war jetzt nochmal so furchtbar schlimm an diesem Film?

 

  • Entgleisungen der Sprachen und Musik

In den nächsten 90 Minuten verlieben sich natürlich der Frauenheld-Schweiger und das Mauerblümchen-Tschirner ineinander, wobei ersterer natürlich durch die Phase der Läuterung gehen muss, um die wahre Liebe zu erkennen. Zwischendurch darf Sidekick-Schweighöfer ein paar Witze unterhalb der Gürtellinie machen und die Tochter von Til Schweiger mal niedlich in die Kamera gucken. Wäre das der Verlauf von „Keinohrhasen“, hätte ich absolut kein Problem mit diesem Film und es wäre die erste positive Überraschung dieser Woche gewesen. Leider verwechselt sich der Drehbuchautor (natürlich auch Herr Schweiger) mit Woody Allen oder Jean-Luc Godard. Bei dem Versuch normale Gespräche zwischen zwei Freunden oder Paaren zu zeigen, scheitert „Keinohrhasen“ jämmerlich. So stark, dass der Fremdschämfaktor auf keine Skala mehr passt. Eben wurden noch Witze übers „Waxing“ gemacht und jetzt unterhalten sich die Hauptdarsteller in einem tiefen Gespräch darüber, wie „One Night Stands“ und „Liebe“ zusammen passt. Dazu kommt ein Soundtrack, bei dem der Song „Apologize“ von OneRepublic das Highlight ist. Das soll was heißen! Aber es wird nicht nur die Playlist „Best of Dudel-Hits 2007“ abgespielt, sondern auch komplett lieblos in den Film eingefügt. Der Gipfel der musikalischen Verachtung ergibt sich dann im Abspann. Scheinbar war die Rock-Pop Hymne „Mr. Brightside“ von den „Killers“ wohl etwas zu hart und so musste es dann eine Remix-Version sein, um auch jeden davon abzuhalten die Credits zu lesen. Einen meiner Lieblingssongs aus meiner Kindheit/Jugend so zu verschandeln nehme ich diesem Film persönlich übel!

  • Das soll Liebe sein?

Kommen wir zur Storyebene zurück. Sollte das Ende einer Liebesgeschichte sich nicht verdient anfühlen? Die zwei richtigen Menschen haben sich ineinander verliebt, alle Schwierigkeiten überwunden und der Idiot hat seine Läuterung erfahren, um dann verdient die richtige Frau an seiner Seite zu finden. Diese Variante wäre vielleicht beladen an Klischees, aber dafür auch tausend Mal besser als der Weg von „Keinohrhasen“. Tatsächlich bekommt die „gute“ Nora Tschirner eigentlich das Meiste ab. Sie muss sich ständig entschuldigen, selbstkritisch sein und den Liebeskummer aushalten. Till Schweiger muss nur zweimal ein lustiges Kostüm anziehen, damit der Zuschauer kapiert „Ach, der Junge hat seine Lektion gelernt“? Nicht eine Sekunde am Ende habe ich geglaubt, dass diese Liebesgeschichte länger als ein paar Wochen hält. Bei einer Romantic-Comedy mit Happy-End ist das schon echt nicht so gut. Trotzdem gebe ich „Keinohrhasen“ doch noch eine mittelmäßige Bewertung. Das liegt am echt guten Beginn, an den gutgelaunten Gaststars (Christian Tramitz ist in der Mitte auch noch mal eine tolle Abwechslung), an einer sympathischen Nora Tschirner die nix für das Drehbuch kann und weil ich glaube, dass ich meine Skala nach unten noch etwas frei halten muss.

Keinohrhasen

Kurze Frage: Kennt ihr gute Filme mit Schweiger oder Schweighöfer in der Hauptrolle, die es in der Mediathek, auf Amazon oder Netflix gibt? Ich bin euch SEHR dankbar für jeden Vorschlag 🙂

 

19 Comments

  1. Ach meine sadistische Ader freut sich darüber doch sehr, aber ein wenig Mitleid hab ich dann aber doch. Manta Manta ist schlecht, aber unterhaltsam. Der bewegte Mann ist sogar ganz in Ordnung und ich mochte Schutzengel sogar. Gibt’s alle bei Prime oder Netflix. Wenn du Glück hast, findet sich in der ARD Mediathek der Tatort Weil sie böse sind mit Schweighöfer. Der ist wirklich hervorragend. Knockin in Heavens Door gibt’s leider nicht auf einer der gängigen Streamingplattformen.
    Zu Keinohrhasen: Fand den ganz ok, als ich ihn vor knapp zehn Jahren gesehen hab, was aber vor allem am Anfang und an Nora Tschirner (aber die mag ich sowieso total). Der Best of Dudelfunk Soundtrack ist ja ein Markenzeichen von Schweigerhöferfilmen und Mr.Brightside ist ein toller Song.

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    1. Hab jetzt etwas umgestellt und alle Filme für die Woche gefunden. „Knockin on Heavens Door“ gibts leider wirklich nirgendwo und illegal streamen machen wir ja nicht 😉 Genau so sieht es mit dem Tatort aus. Warum auch immer, gibt es bei der ARD nur die Tatorte der letzten 4 Monate + eine handvoll aus den letzten Jahren.

      Nora Tschirner ist echt ein Phänomen. Sie spielt in sehr vielen solcher Filme mit und man mag sie trotzdem. „Mr. Brightside“ ist im Original genial, der Remix eher solala

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      1. Komisch, ich hab den Tatort gestern Abend in der Mediathek gefunden.
        Nora Tschirner ist aber so jemand, mit der man gerne in ner Kneipe ein Bier trinken würde. Zumindest geht es mir so.

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  2. Für unseren Til:
    – Manta, Manta
    – Der bewegte Mann
    – Wo ist Fred? (der sollte eigentlich dein Humorzentrum teffen)
    wenn du deine selbstgesetzten Ziele eh verletzten wirst, auch Bang Boom Bang und Inglourious Basterds

    Für den Matze:
    – Die Freunde der Freunde auf Prime
    – Friendship bei Prime Channels
    ansonsten gibt es keine frei verfügbar, oder sie sind schlechter zu genießen als Keinohrhasen

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    1. Danke für die Tipps. Einer hats in die Auswahl geschafft und mit einem anderen hast du mich zumindest auf eine Idee gebracht 😉
      Naja, was heißt verletzten. In einem ausgewählten Film spielt einer der beiden halt nur eine sehr große Nebenrolle 😀

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    1. Leider, leider. Sonst wäre er in die Auswahl gekommen. Habe aber jetzt einen Plan, da reichen die Filme von „habe ich wirklich Bock drauf“ bis „das wird weh tun“ 😀

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  3. Ich muss ja gestehen, dass ich den Film damals im Kino wirklich sehr unterhaltsam fand. Damals gab es aber auch noch keine Schweiger-Schweighöfer-Komödien und das war der erste Film dieser Art für mich. Die Fortsetzung fand ich dann ein paar Jahre später schrecklich.

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