MMM #7 mit u.a. Universal-Monster, Jean-Luc Godard und Käptn Blaubär

Wenn ich meinen eigenen Film-Konsum-Monat bewerten müsste, kämen knappe 3,5 von 5 Punkten zusammen. Auf der einen Seite war kaum ein Monat so abwechslungsreich und trotz wenig Zeit habe ich es geschafft, immerhin einen Film mehr als im August zu gucken. Allerdings stand kein einziger Besuch im Kino an und das wird sich im Oktober ganz klar ändern. Bis dahin gibt es meine Kurzkritiken zu den Filmen im September.

Der Oscar-Gewinner 2019! Platz 4 meiner „Most Wanted“-Liste! Ja, meine Erwartungen an „Green Book“ waren hoch und das Potenzial war auch mehr als vorhanden. Betonung liegt auf „war“. In der Realität ist die Story, welche nach wahren Begebenheiten erzählt wird, um einen afroamerikanischen Pianisten und seinem weißen Buddy/Chauffeur in den Südstaaten der 60er Jahre, auch eine gute Grundlage für einen Roadtrip, den man so schnell nicht vergessen wird. Tatsächlich sind die „Roadmovie“-Elemente auch die raren Highlights im Film. Die zwei Hauptcharaktere werden wunderbar gespielt von Mahershala Ali und Viggo Mortensen. Aber auch sie können nicht darüber hinweg täuschen, dass der Streifen von einem Klischee ins nächste läuft. Blöd nur, wenn „Green Book“ als Grundthematik hat, Klischees zu überwinden und weniger voreingenommen zu sein. Gleichzeitig sieht der Zuschauer einen komplett vorhersehbaren und mit Stereotypen vollgestopften Film. Immerhin: Durch ein angenehmes Tempo kommt trotz weniger Überraschungen nie Langeweile auf.

Green Book

 

Natürlich habe ich auch in diesem Monat wieder Filme für den „FilmBlogCast“ mir angesehen. Thema der 16. Folge war „Reflexives Kino“ und da fiel mir ein unterschätzter Klassiker der 90er direkt ein: „Bowfingers große Nummer“! Steve Martin als erfolgloser Produzent, Eddie Murphy als paranoider Filmstar und eine Story, die einer Liebeserklärung an das Independent- und B-Movie-Kino gleicht. Was will man mehr? Naja, vielleicht eine etwas temporeichere Geschichte im Mittelteil, den ein oder anderen Gag hätten die Macher vielleicht auch weglassen können, aber im Großen und Ganzen ist der Streifen so wie in meiner Erinnerung: Tolle und charmante Unterhaltung. Vielleicht nicht die beste Regie-Arbeit von Frank Oz, aber zumindest für jeden Trash-Fan mehr als nur gut anschaubar.

Bowfinger

 

Ebenfalls in der schon oben genannten 16. Folge des FilmBlogCasts wurde ein anderer 90er Jahre Streifen besprochen. „The Player“ von Robert Altman hat ein riesiges Staraufgebaut. Nicht nur im Maincast spielen mit Tim Robbins und Whoopi Goldberg bekannte Leute mit, auch die Cameo-Auftritte sind zahlreich. Die Story handelt von einem bekannten Produzenten, der sich im Konkurrenzkampf in Hollywood durchsetzen muss und gleichzeitig versucht, einen Mordprozess zu umgehen. Kurze Zusammenfassung: Alles was mit dem Thema Film zu tun hat „hui“, alles was mit dem Thriller um dem Mord zu tun hat „pfui“. Beide Ebenen passen nie wirklich recht zusammen, auch wenn das Ende sehr gelungen ist. Ein wirklicher Flow kann durch die beiden Storystränge aber nie entstehen. So bleiben ein wahnsinnig guter Anfang, ein geniales Finale und ein paar gelungene Metaebenen in der Mitte, gepaart mit einer unpassenden Thriller-Geschichte.

The Player

 

Ebenfalls für den Podcast gesehen, aber auch schon lange auf meiner internen Liste: „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard. Der Film handelt von einem Liebespaar, das eigentlich auf Wolke 7 schwebt. Dann nimmt der Mann einen Job an, bei dem er ein Drehbuch für einen Fritz Lang Film im Auftrag eines schmierigen Hollywood-Produzenten umschreiben soll. In einem langen Dialog zwischen dem Paar wird deutlich, dass die Beziehung zu Ende ist und die Frau (gespielt von einer genialen und wunderschönen Bridget Bardot) nur noch Verachtung für ihren Mann empfindet. Der französische Klassiker ist also eine einzige Metabene, in der mit dem kommerziellen Kino abgerechnet wird. Dazu Fritz Lang als Nebendarsteller, einen sinnlichen Soundtrack und brillante Bilder – Fertig ist ein toller Film, der seinen Platz in der Cinema-Historie nicht umsonst hat. Etwas langatmig ist der Streifen zwar auch geworden, aber irgendwas gibt es ja immer zu meckern.

Die Verachtung

 

Bleiben wir bei Jean-Luc Godard. Wie ich „Masculin Fémenin – Die Kinder von Marx und Coca Cola“ beschreiben soll, weiß ich auch noch nicht so recht. Auf dem Papier handelt es sich wieder um eine Liebesgeschichte. Der junge Paul, suchend nach politischer Identität im Paris der 60er, verliebt sich in Madeleine, eine aufstrebende Pop-Sängerin. Joa, das war’s eigentlich schon. Der Rest ist Philosophie, ausschweifende Dialoge und allgemein ein Portrait einer sich radikal verändernden Jugend. Der Film funktioniert also am Besten im Kontext seiner Zeit, wobei die aufgeworfenen Fragen und die wirklich sehr schöne Liebesgeschichte, zeitlos sind. Auch für diesen Film braucht man etwas Sitzfleisch und wenigstens etwas Interesse an der Thematik. Aber auch Fans unkonventioneller Lovestorys kommen hier auf ihre Kosten.

Masculin Femenin

 

Ein bisschen Kontrastprogramm? Gerne! Aus irgendwelchen Gründen (mehr dazu in der nächsten Podcast-Folge) habe ich mir den Film „Bennys Video“ von Michael Haneke angesehen. Darin trifft der Teenager Benny, begeistert von Kameras und Filmen, auf ein gleichaltriges Mädchen. Zusammen verbringen die Beiden einen Nachmittag, naja bis… der Film zu einem wahren Haneke-Streifen wird. Bedeutet im Klartext, dass es kaum auszuhaltende Charaktere gibt, Kamerapositionen die sich über Minuten nicht verändern und allgemein das Gefühl, sich den falschen Film für den Abend ausgesucht zu haben. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist „Bennys Video“ ein beklemmender und intensiver Film. Haneke lässt seine Charaktere aus ihrem Alltag in eine Ausnahmesituation gleiten und das ist nicht schön oder einfach anzusehen, aber eine echte Erfahrung. Leider übertreibt es Haneke mit seinen Stilelementen und so wird aus Spannung auch mal ganz schnell Langeweile, weil einfach nichts passiert. So bleibt es für mich ein interessanter Film, den ich aber so schnell nicht wieder sehen werde.

Bennys Video

 

Vor Jahren bekam ich mal eines der besten Geburtstagsgeschenke aller Zeiten: Die Monster-Box! Eine Filmedition in Sarg-Form mit vielen Klassikern der ursprünglichen Universal-Monster. Zwei Filme habe ich jetzt endlich nachgeholt: Beginnen wir mit größten aller Vampir: „Dracula“. Bela Lugosi spielt den Grafen mit Blutdurst zwar genial und die Kulissen sind teilweise der Wahnsinn, aber der Rest wirkt heute nur noch lächerlich. Hölzerne Schauspielleistungen, ödes Tempo (auch ein 70 Minuten Film kann Längen haben), einfachste Charakterzeichnungen usw. Ohne den großen Lugosi und Klassiker-Bonus wäre „Dracula“ eine echte Enttäuschung.

Dracula

 

Es geht auch anders und das beweist ein Film aus dem gleichen Jahr: „Frankenstein“ kam ebenfalls 1931 raus und ist schon fast ein Quantensprung. Die guten Aspekte wurden beibehalten, mit Boris Karloff ein ebenfalls ikonischer Hauptdarsteller gefunden und vor allem den Charakteren etwas mehr Leben eingehaucht (= geniale Anspielung, ich weiß). Wo Dracula nur das personifizierte, wenn auch sehr charismatische, Böse darstellt, besitzt Frankensteins Monster eine zwiespältige Persönlichkeit. Anfang der 30er Jahre haben es die Macher also geschafft ein Monster zu erschaffen, mit dem der Zuschauer auch 2019 noch mitleiden kann und dessen Botschaft auch heute noch aktuell ist. Chapeau! Da kann man auch Kleinigkeiten und Probleme von Filmen jener Zeit gut und gerne verschmerzen.

Frankenstein

 

Den letzten Kontrastpunkt für heute gibt es mit einem Film, den ich mir natürlich nur aus Nostalgie-Gründen angesehen habe. Jedoch ist das Kino-Abenteuer von Walter Moers „Käpt´n Blaubär“ auch heute noch gut anschaubar. OK, nicht jeder Gag sitzt, vom CGI-Wasser bekommt man Augenkrebs und die Story passt 15mal auf einen Bierdeckel. Dafür punktet der Streifen mit Charme, tollen Charakteren (Helge Schneider als Bösewicht „Zweifinger“!) und einem Humor, bei dem wohl tatsächlich eher die Erwachsen lachen können. Oder hättet ihr als Kind den Witz um die „Immobilien-Haie aus dem kapitalistischen Meer“ verstanden? Sonst ist aber auch die gesamte Bandbreite an Humor abgedeckt. Von Maulwürfen die nur Furz-Sprache sprechen können, über Wassertropfen mit Gewerkschafts-Ambitionen bis hin zu Verwandlungen in Folienkartoffeln. Sehr schöne Adaption, die wohl heute undenkbar wäre.

Kaptn Blaubär

 

  • Filmranking für September 2019
Platz Filme Wertung von 5 Laufzeit (Min) Wo gesehen
1 Die Verachtung 4 103 Mubi
2 Frankenstein 4 71 Bluray
3 Käpt´n Blaubär – Der Film 3,5 85 Amazon Prime
4 Masculin Feminin 3,5 110 Mubi
5 Bowfingers große Nummer 3,5 97 Amazon Prime
6 The Player 3,5 124 Amazon Prime
7 Bennys Video 3,5 105 Mubi
8 Green Book 3 130 Amazon Prime
9 Dracula 3 72 Bluray
Schnitt 3,50 Punkte 99,67 Min. Bluray: 2
Gesamt 9 Filme 897 Min. Streaming: 7
15 Stunden

5 Comments

  1. Cool, dass du dir die Monster Klassiker reinziehst. Ist in deiner Box auch die spanische Alternativversion entahlten? Die ist nämlich a) deutlich anders und b) besser gemacht. Allerdings ohne Lugosi. Das ist schon ein dickes Minus.

    Wenn du Bock hast ein bisschen über die Monster-Klassiker zu plaudern, empfehle ich dir meine Universal Monster Reihe, in der ich mir zu jedem Film der Box ein paar Gedanken gemacht habe.

    Dracula :
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/01/31/universal-monsters-1-dracula-ueber-wirkung-und-qualitaet-von-filmen/

    Frankenstein:
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/04/17/universal-monsters-3-frankenstein-ein-film-als-grenzgaenger/

    Gefällt 1 Person

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