Eine Woche in der Film-Hölle: Tag 6 – Brecht

Zum ersten Mal in dieser Woche habe ich einen Film gesehen, den ich mir vielleicht auch ohne diese Beitragsreihe angeguckt hätte. Naja, ich hätte von „Brecht“ wahrscheinlich nichts mitbekommen, aber hiermit schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich hatte nicht nur Lust auf den Film, ich konnte auch noch ein Genre abarbeiten, was im TV sehr beliebt ist: Der Zweiteiler (=hier dramatische Musik einfügen). Der einzige Nachteil ist, dass die tägliche Dosis von 90 Minuten gestern auf über drei Stunden gesteigert wurde. Hat sich dieser Mammut-Film gelohnt?

  • Keine Experimente!

Kommen wir direkt zur wichtigsten Frage dieses Beitrags: Hat der Autor eigentlich nur den blassesten Schimmer vom Leben und Wirken des Bertold Brechts? Nun. „Drei-Groschen-Oper“ kenn ich vom Rammstein-Song, außerdem ist mir bekannt, dass er mal Drehbücher geschrieben hat und die Wikipedia-Seite von Brecht habe ich auch schon mal gelesen. Also um es kurz zu machen: Ich habe keine Ahnung. Umso wichtiger ist es, diese Bildungslücke zu schließen. Man braucht keinen Deutsch-Leistungskurs um zu wissen, dass dieser Mann ziemlich wichtig für die deutsche Literatur ist. Der Film selbst ist eine Mischung aus Dokumentation mit Zeitzeugen-Interviews und Tagebucheinträgen, die sich immer wieder mit gespielten Szenen abwechseln. Die beiden Teile beleuchten dabei das Ganze Leben und sind (zum Glück!) ziemlich chronologisch aufgebaut. Dabei könnt ihr euch dann auch selbst überlegen, welcher Lebensabschnitt euch mehr interessiert. Die Pause zwischen den beiden Teilen liegt, wie könnte es anders sein, beim Ausbruch Nazi-Deutschlands. Auch wenn hier Brecht draufsteht, auf Experimente oder Verrücktheiten wurde größtenteils verzichtet. Nun könnte man argumentieren, dass ein klassischer linearer Aufbau über drei Stunden, in dem jedes kleinste Detail des Lebens erzählt wird, relativ schnell langweilig wird. Dies wäre auch der Fall, wenn Brecht nicht so eine unheimlich interessante Persönlichkeit wäre. Man sollte auch dazu wissen, dass dieser Doku-Film über das Leben handelt und nicht in erster Linie über die Werke. So nehmen die zahlreichen Frauengeschichten deutlich mehr Platz ein, als Szenen in der Oper oder im Theater. Ob euch interessiert, wann er welche Frau flachlegte und wie sehr er welche Dame liebte, bleibt euch selbst überlassen. Jedoch wollten die Autoren das gesamte Leben beschreiben und da gehört auch die zehnte Liebelei noch dazu, auch wenn es für den Zuschauer langweilig wird. Wobei ich natürlich auch nicht sagen kann, ob das Gezeigte den Fakten entspricht. Da ich aber auch nicht das Gegenteil beweisen kann, nehme ich das meiste einfache mal so hin. Mit Kritik an Bertold Brecht wird übrigens auch nicht gespart. Weder in den Filmchen, noch in den Zeitzeugen-Berichten kommt der Mann so richtig gut weg. Auch da gilt wieder: Damit wird nur die Person gemeint, nicht die Werke. Letztere werden relativ unkommentiert stehen gelassen. Am Ende bleibt eine sehr informative, weil klassisch konstruierte, Dokumentation. Die gespielten Szenen verdeutlichen nochmal das Gesagte, was dazu führt, dass zumindest mehr hängen bleibt als bei einem Brecht-Vortrag. Berthold-Fans oder Kenner außergewöhnlicher Dokus werden vielleicht enttäuscht, weil sie sich zu viel von dieser Produktion erhoffen. Der Film tut das was er will (informierten), unspektakulär, eingängig und über drei Stunden hinweg auch etwas zäh. Kann man machen, muss man nicht.

Brecht

Filme der „Eine Woche in der Fernsehfilm-Hölle“ Challenge:

3 Comments

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s