Eine Woche in der Film-Hölle: Tag 5 – Tonio und Julia

Auch am fünften Tag hatte ich wieder die Qual der Wahl, welchen Fernsehfilm ich mir heute anschauen darf. Die Betonung liegt dabei auf Qual. Ein Krimi in Kroatien, eine Tatort-Wiederholung oder doch vielleicht nochmal eine Komödie mit lustigen Titel. Es half alles nichts, ich musste die Experten um Rat fragen. „Mama, was guckst du heute Abend so im Fernsehen?“ – „Dieses Tonio und Julia, die sind eigentlich immer ganz lustig“. Dieser Beitrag wird euch also präsentiert von meinen Eltern… Falls ihr euch beschweren wollt, gebe ich das gerne weiter. Die 90 Minuten schenkt mir nämlich keiner mehr zurück.

  • Den Zenit erreicht?

Worum geht es denn bei der Fensehfilm-Reihe mit dem großartigen Titel „Tonio und Julia“? Leider konnte ich der Geschichte nicht so ganz folgen, denn immerhin war es schon der fünfte Teil einer Serie. Kleiner Scherz, die Story passt auf einen Bierdeckel. Direkt neben der Handlung von Avengers: Infinity War, aber das ist ein anderes Thema. Tonio ist übrigens Pastor der Gemeinde und Julia eine Psychopathin Psychologin. Bevor ihr fragt, natürlich sind die beiden ineinander verliebt, können das aber nicht laut aussprechen. Das ist wohl die übergeordnete Geschichte der ganzen Reihe, aber in dieser speziellen Folge geht es um eine Familie. Die Mutter hatte einen Schlaganfall und versinkt im Selbstmitleid. Darunter leiden dann ihr Ehemann, welcher versucht es allen Recht zu machen, und der Sohn, der durch die Familienereignisse immer schlechter in der Schule wird. Die Rettung naht, denn Tonio und Julia sind die Art von Menschen, die im Bewerbungsgespräch als schlechteste Eigenschaft angeben, dass sie zu „übermotiviert“ sind. Solche Menschen mag doch jeder, oder? Die gesamte Handlung zieht so an mir vorbei und ich merke, dass das Ganze nicht vollkommen verblödet ist. Klar, die Hauptcharaktere sind ätzend, das Ganze ist vollkommen 08/15 erzählt und gefilmt, die zahlreichen Nebenstorys sollen auflockern, nerven aber nur und es schwingt immer so ein leichter Hauch von „Kirchen-Propaganda“ mit. Natürlich diese neue supi-tolle liberale Kirche versteht sich. Hier sagt der Pastor sogar mal „scheiße“. Himmel, Herrgott, Kruzifix! Ne, dann doch lieber „Um Himmels willen“, eine Serie mit Fritz Wepper, die ich zumindest als Kind sehr gerne gesehen habe. Das alles ist ziemlich bieder und langweilig, aber der Hauptplot um die betroffene Familie kann tatsächlich etwas. Wie geht eine moderne Familie damit um, wenn eine Person jeglichen Lebensmut verliert? Da kann man doch was draus machen, da liegt ein hochspannendes und mordernes Thema direkt vor den Füßen der Autoren! Ihr könnt mir glauben oder nicht, aber „Tonio und Julia“ war in Teilen ein ernst zu nehmendes Drama. Platte Gags, Stereotypen und irgendwelche Nebengeschichten versauen das Alles wieder, aber der Ganze Part um die Familie herum hat mir gefallen. Das Potenzial wird aber bei weiterem nicht ausgeschöpft, da die Familie nur dafür da ist, dass sich am Ende wieder alle in den Armen liegen können. Aber immerhin, der Wille zu etwas mehr Tiefe war da. Somit rettet sich der Film von „ziemlicher Grütze“ auf ein befriedigendes „durchschnittlich“. Vielleicht schaffe ich es noch, in den letzten zwei Tagen ein richtiges, tiefes Drama zu schauen. Tragik, Gefühle, Schmerz, Geschichten die das Leben schreibt – Liegt da die große Stärke des deutschen (Fernseh-)Films? Zumindest „Tonio und Julia“ hat dieser Aspekt geradeso gerettet.

Wertung – Tonio und Julia – 2,5 / 5

Filme der „Eine Woche in der Fernsehfilm-Hölle“ Challenge:

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