Eine Woche in der Film-Hölle: Tag 1 – Tatort

Eine Woche in der deutschen Fernseh-Hölle. Wie angekündigt schaue ich mir sieben Tage lang jeweils einen deutschen Film aus dem aktuellen Fernsehprogramm an. Gestern, wie konnte es auch an einem Sonntag anders sein, stand der neueste Tatort „Spieglein, Spieglein“ auf dem Programm. So saß ich also Sonntagabend 20:15 Uhr (eher weniger) gespannt vor meinem Fernseher und sah zum ersten Mal nach mehreren Jahren wieder das berühmte Intro. Mit mir zusammen: Über 13 Millionen deutsche Fernsehzuschauer!

  • Fängt ja gut an

Wie es der Zufall will, habe ich in dieser Woche den legendären Tatort aus Münster gesehen? Warum legendär? Keine Ahnung. Aber Tatort-Gucker aus meinem Umfeld schwören auf das Team Axel Prahl / Jan-Josef Liefers. Ich gebe zu, dass ich beide auch schon in guten Rollen gesehen habe. In den ersten Minuten der Folge wird mir zumindest eins klar: Beide sind ziemliche Unsympathen. An für sich nichts schlimmes. Die „Scherlock Homes“ Serie ist das beste Beispiel dafür, dass man auch Sympathie für miesgelaunte Besserwisser entwickeln kann. Der Unterschied ist nur, dass die beiden Protagonisten weder britischen, noch deutschen Charme besitzen. Immerhin merkt man, dass es nicht der erste „Tatort“ der beiden ist und so werfen sie sich gegenseitig die Sprüche gekonnt zu. Ja, am Anfang hat die Folge „Spieglein, Spieglein“ noch so etwas wie Leichtigkeit oder Tempo. Schade nur, dass es einen Fall zu lösen gibt. In Münster werden nämlich reihenweise die Doppelgänger unserer Lieblingscharaktere umgebracht. Die Struktur der Morde ist also schon ziemlich am Anfang erkennbar. Auch die Täterin wird dem Zuschauer schon in der ersten viertel Stunde gezeigt. Ziemlich gewagt, denn so machen es sich die Autoren deutlich schwieriger den Zuschauer bei Laune zu halten. Bei einem normalen Krimi kann man wenigstens noch ein bisschen rätseln, auch wenn alles andere gerade zu langweilig wird. Wenn ein Krimi jedoch Struktur, Täter und (zumindest in Teilen) die Motive vorweg nimmt, dann müssen die Schreiberlinge der ARD ja einen Masterplan haben, damit beim Zuschauer keine Langeweile aufkommt. Vielleicht ist das Ermittler-Duo so populär, dass der deutsche Zuschauer gar nicht mehr eine gute Geschichte braucht. Ich für meinen Teil, habe mich nach etwa der Hälfte tot gelangweilt. Nach ca. 45 Minuten sind fast alle offenen Fragen zur Tat geklärt und man wartet etwa nochmal so lange, bis die Herren der Kripo auch auf die Lösung kommen. Wer jetzt denkt, dass ich einfach ganz gut mit gerätselt habe, liegt falsch. Der Film gibt uns als Zuschauer fast alle Infos, während die Protagonisten noch im Dunkeln tappen. Das Warten auf den Geistesblitz oder den entscheidenden Hinweis ist ungefähr so spannend, wie die Beobachtung von Öl in einer Pfanne: Man freut sich zwar wenn es endlich heiß wird, aber man hat auch damit gerechnet.

  • Leid in 90 Minuten

Irgendwie wollte ich nicht, dass meine Woche mit dem deutschen Fernsehen so schlecht beginnt und so habe ich angefangen das Salz in Suppe zu suchen. Glaubt mir, es war ganz schön schwierig. Die Inszenierung (in jeder, wirklich JEDER Szene) ist klassische Fernseh-„Kunst“. Die Kamera, der Schnitt, die Sets – alles nicht furchtbar schlimm, aber es gibt nicht den Hauch von „Andersartigkeit“. Verständlich, immerhin sind die paar „Experimental“-Tatorte im Jahr oftmals diejenigen, welche die schlechtesten Quoten bringen. Hier sind alle Wohnungen blank geputzt, keiner fällt dem anderen bei einer Diskussion ins Wort, niemals verlässt die Kamera ihren Platz, welchen sie in der Filmhochschule gelernt hat usw. Ich habe ja nur diesen einen Tatort gesehen, aber stört es die Leute nicht jeden Sonntag dasselbe zu sehen, nur mit anderen Figuren? Ich kann es mir zumindest nicht vorstellen. Trotzdem möchte ich euch noch von dem kleinen Licht am Ende des Tunnels erzählen. Kennt ihr die großartige, ebenfalls deutsche Serie „Der Tatortreiniger“? In einer meiner Lieblingsfolgen spielt ein Schauspieler mit, der auch hier eine größere Rolle hatte und mir dann doch ab und zu ein Lächeln auf den Mund gezaubert hat. Für alle Fans der Serie reicht das Wort „Pfirsich-Melba“ um den Charakter wieder vor Augen zu haben. Fazit: Schaut den „Tatortreiniger“, insbesondere die Folge in der Eisdiele. In der kleinen Folge stecken mehr Liebe, mehr Kreativität, mehr Witz und Charme drin, als in einem Teil der teuersten deutschen Dauer-Produktion namens „Tatort“. PS: Eine etwas höhere Punktzahl gibt es noch dafür, dass das Intro immer noch das Original ist und mir einen schönen Ohrwurm beschert hat.

Wertung – Tatort: Spieglein, Spieglein – 2/5 Punkten

19 Comments

  1. Ja der Münsteraner Tatort ist eine Zumutung. Ich finde den ganz schrecklich, ich mag den Weimarer, der ist wirklich lustig. Liefers und Prahl das Talent abzusprechen wäre falsch, aber dieses Tatortduo ist schrecklich. Der Tatortreiniger ist natürlich genial, die Komik ist sensationell. Das ist eine der Serien, die man guten Wissens jeden ans Herz legen kann

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  2. Ich kann auch nicht verstehen, warum dieses Format nach wie vor so populär ist. Habe in den letzten Jahren ein paar Tatorte aus Franken gesehen und das war teils schon echt eine Qual. Nee, in den Trend komme ich wohl nicht mehr rein.

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        1. Habe ich als Kind beim Familien fernsehabend auch gerne gesehen, allgemein die älteren, etwas dreckigeren Krimis
          Vielleicht schau ich mir die Woche auch so was noch an

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