Für mehr Alkohol und Sexismus! – Warum wir Werner brauchen

In diesem Text geht es um die Filme aus der Werner-Reihe, der fünf Kinoadoptionen der Brösel-Comics. Für mich haben diese Streifen die nun folgende Bedeutung, aber gerne könnt ihr den Namen „Werner“ auch mit anderen deutschen Filmen austauschen, die nicht so in das Weltbild mancher Leute hineinpassen und/oder von Leuten komplett falsch bzw. oberflächlich verstanden werden. Mir würde da noch der erste Film zum „kleinen Arschloch“ einfallen oder als nicht-deutsche Vertreter solche Serien wie „South Park“ oder „Little Britain“. Gerade „Werner“ wischt jedoch den Boden damit auf, was man als allgemein deutsche Tugenden ansieht: Spießigkeit, Reaktionismus und den Humorlevel von Klopf-Klopf- Witzen!

  • Ein ganz normaler Tag

Der Wecker klingelt. „Eye of the Tiger“ dröhnt aus meinem Handy. Wer soll denn bitte um diese Uhrzeit fit und motiviert sein. Vielleicht schreibt meine Mutter mir einen Krankenzettel? Ach nee, bin ja erwachsen und ich habe in der ersten Stunde kein Mathe, sondern einen Netto-Stundenlohn. Es hilft nichts, ich stehe schlaftrunken auf. Als der Kaffee läuft, leuchtet mein Handy auf. Bio-Fairtrade-Flavour-Coffee aus Äthiopien ist jetzt bei Amazon im Angebot. Mein Eigenmarken Kapsel-Kaffee schmeckt irgendwie komisch heute. Mit ruhigem Kaffee ist heute sowieso nichts, denn ich bin spät dran. Auf dem Weg zum Auto zünde ich mir eine Zigarette an und bei der zweiten von fünf Ampeln kommt mir der Gedanke, dass das Wohnen am sechsspurigen Innenstadtring echt nicht gut für meine Gesundheit ist. Die mit Menschen gestapelte S-Bahn fährt an mir vorbei und ich komme bei meinem Auto an. Die Kippe wird in den Gulli geworfen, der Dieselmotor wird gestartet, aber die Quittung dafür bekomme ich natürlich sofort. Eine 18-jährige Studentin hat das Szenario mitbekommen und hält mir erstmal einen Vortrag über… Keine Ahnung, hab´s vergessen. Aber ich bin wohl ein Klimamörder. Eine sarkastische Antwort fällt mir natürlich erst danach ein. Vielleicht twitter ich den Spruch in der Pause, aber jetzt geht’s erstmal los zur Arbeit. Das erste Meeting steht auch direkt an. Thema: Treffen der Planungsgruppe für die Firmenfeier. Es werden wichtige Entscheidungen getroffen. Veganes Grillbuffet oder doch lockeres, Laktose freies Kaffee und Kuchen? Ein Kollege hat wohl komplett den Verstand verloren und fragt, ob man nicht dieses Jahr auch eine abendliche Party machen könnte. Mit Whisky-Tasting oder so. Warum am Ende wieder nur die Hälfte der Belegschaft mit feiert, bleibt der Runde ein Rätsel. Man hat sich doch so viel Mühe gegeben. Der Tag ist fast geschafft. Zuhause angekommen, entscheide ich mich gegen die Lieblingspizzeria und koche selbst etwas. Es schmeckt OK. Ich hab Hunger auf Pizza. Endlich kann ich mich auf die Couch pflanzen. Schnell noch die Nachrichten des Tages überflogen. Trump hat wieder etwas getwittert, eine Partei bekräftigt nach ihrer Wahlniederlage, sie sei auf den richtigen Weg und irgendwo sterben Menschen aus irgendwelchen Gründen, aber es ist zum Glück nur eine Kurzmeldung. Der Tag endet wie so oft, mit einem Blick auf mein DVD-Regal. Es überkommt mich wie Blitzeinschlag. Ich raffe mich von der Couch auf, nehme den Film aus der Hülle und denke mir mit einem freudigen Grinsen im Gesicht: „Es gibt nur eine Person, die diesen Tag noch retten kann: Werner!“.

  • Hohe Philosophie oder so

Manche werden es schon verstanden haben, andere noch Rätseln. Ich stelle mal die naivste und dümmste Frage, die sich jemals eine Lehrinstanz ausgedacht hat: „Was will der Autor uns mit diesem Text sagen?“ Bevor ihr noch anfangt Interpretations-Essays hierüber zu schreiben, sage ich es euch einfach. Meiner Meinung nach helfen Filme wie die „Werner“-Reihe dabei, Themen wie Sexismus, Rassismus, Umweltzerstörung oder Drogenkonsum in der Gesellschafft zu bekämpfen. Entgegen den vielen deutschen Filmen, die eine solche Intension verfolgen und dabei komplett scheitern, hält Werner nicht den erhobenen Zeigefinger auf uns und sagt, wie wir zu besseren Menschen werden können. Die Werner-Filme sind ein Ventil für diese schlechten Eigenschaften. Wir können in diese Welt abtauchen, in der man mit guten Gewissens mit 200 km/h über die Autobahn brettern, Frauen nach dem Äußeren bewerten, eine Bierdose nach der nächsten wegkippen und diese danach in den Wald werfen kann. Das Alles in vollkommener übertriebener und satirischer Form. Nun könnte man argumentieren, dass zumindest Jugendliche von dieser Lebensart sehr beeinflusst werden können. So gibt es ja auch Leute, die dem „Dude“ aus „The Big Lebowsky“ nacheifern, weil sein Lebensstil im Film als cool und alternativ dargestellt wird. Meiner Meinung nach verhält sich das so, wie mit Kindern, die von ihren Helikopter-Eltern von jeder Gefahr auf dieser Welt beschützt werden. Was machen diese Kindern wenn sie erwachsen werden? Genau! Alles nachholen, was vorher gefährlich und verboten war. Den Reiz des Verbotenen sollte man nicht unterschätzen. Werner bricht jedoch keine wirklichen Gesetze, sondern gesellschaftliche Tabus. Für ihn gehören Alkohol, Benzinschleudern und „Männer-Gerede“ zum normalen Leben. Aus dem Verbot wird etwas triviales, was wir alle aus unserem Alltag kennen und es muss in extremer Weise dargestellt werden, um uns überhaupt noch unterhalten zu können. Somit streckt Werner auch all den Menschen den Mittelfinger entgegen, die am Kneipentisch (oder der neuen Version davon: Social Media) sitzen und Sachen sagen wie z.B. „Das darf man ja wohl noch sagen dürfen!“ oder „Heutzutage darf man ja nix mehr sagen!“. Ein Widerspruch in sich, aber das ist ein anderes Thema. Ihr dürft wie die bekloppten auf unseren Autobahnen fahren, euch jeden Tag das Gehirn mit Alkohol wegschießen, Klimaschutz als unnötig ansehen, die Arbeit schwänzen oder ein Frauenbild wie im Mittelalter haben. Das Alles kann man gegen jede gesellschaftliche Norm machen. Oder man macht es halt nicht. Dann muss man bei so Wörtern wie „Tempolimit“, „Feminismus“ oder „Rauchverbot“ nicht direkt zusammenschrecken, sondern man kann locker bleiben und dabei Erkennen, dass nicht jede Veränderung auf dieser Welt unbedingt den Tod der Freiheit bedeutet. Sollten euch Social-Justice-Warriors und Ethik-Missionare dann doch mal auf die Nerven gehen, dann schaut doch einfach mal wieder einen Werner-Film. Nach einem Rennen um euer Lieblingsschwein (Vegetarier?), der Rettung der Lieblingskneipe (Kapitalismus-Kritik?) oder ein paar Flachköpper auf Korsika (Freiheit?), sieht die Welt schon wieder ein kleines bisschen besser aus.

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