Review: Glass

Erscheinungsjahr: 2019

Herkunft: U.S.A.

Regie: M. Night Shyamalan

Es gibt so Filme, da weiß man nach dem Gang ins Kino noch gar nicht, wie man sie bewerten soll. War das Gesehene jetzt große Kunst oder billiger Trash? Szene A war großartig, Szene B hat genervt und zu Szene XYZ habe ich noch nicht mal eine Meinung. Diesen Wirrwarr an Gedanken hatte ich nach „Glass“ in meinem Kopf. Hier kommt mein Versuch, diesen Film wieder zu entknoten, um das Ergebnis vielleicht am Ende doch in einer Zahl auszudrücken.

  • Das Glas ist halb voll!

Fangen wir mit den positiven Eigenschaften an. Da wären erstmal die Schauspieler zu nennen. Bruce Willis spielt seine alte Rolle aus „Unbreakable“ gut, wenn auch nicht überragend. Samuel L. Jackson verleiht seiner Titelfigur „Mr. Glass“ eine angenehme Schrulligkeit, wobei er auch in ernsten Momenten überzeugen kann. James McAvoy feierte ich in „Split“ für seine große Leistung. Damals wechselten die Persönlichkeiten aber auch nur alle paar Minuten. In „Glass“ spielt McAvoy fast jede Sekunde eine neue Person. Dies macht er zwar immer noch gut, wandert aber auch gefährlich am Grad des „Over-Actings“. Natürlich ist dies bei seinem Charakter auch so gewollt, jedoch können die schnellen Wechsel zwischen den Persönlichkeiten auf Dauer auch nerven. Inszenierung und Look sind ebenfalls absolut gelungen. Sowohl in ruhigen, als auch in actionreichen Momenten, sieht man hier das Talent des Regisseurs kurz aufblitzen. In welchen Situationen ist „Glass“ also am besten? Ganz einfach, wenn man alles zusammen bringt. Wenn die drei Hauptcharaktere miteinander interagieren, wenn die Kamera dynamisch mit geht und wenn das Drehbuch mal kurz eine gerade Linie erkennen lässt – Dann ist „Glass“ wirklich ein guter Film.

  • Das Glas ist halb leer!

Ich habe schon eben den größten Fehler des Films kurz angesprochen: Die Story! Versteht mich nicht falsch. Allgemein ist das Thema um „geerdete“ Superhelden und Superschurken in der realen Welt ziemlich spannend. Jedoch geht es nur selten darum, die zwei Origin-Storys aus „Split“ und „Unbreakable“ hier zu einem großen Finale enden zu lassen. Viel mehr möchte Regisseur Shyamalan in jeder Minute seiner verwobenen Geschichte noch eins drauf setzten. Fast eine Stunde wird der Zuschauer mit falschen Fährten hingehalten, um mit einem Twist-Feuerwerk am Ende aus dem Film entlassen zu werden. Das ist kein gutes Storytelling, sondern die Verschlimmbesserung einer eigentlich guten Vorlage aus zwei Filmen. Wenn am Ende wieder „Deus Ex Machina“ kommt und das Gesehene wieder einmal komplett über den Haufen wirft, dann ist das zwar typisch Shymalan, aber halt auch typisch schlecht. An diesem „immer mehr wollen“ kranken viele seiner Filme und „Glass“ macht es fast kaputt. Dazu kommt noch, dass alles in diesem Film doppelt und dreifach erklärt wird. Dumm nur, dass wir schon längst wissen, dass es nur falsche Fährten sind und diese Erklärungen dadurch eher nerven. Trotzdem war der Kinobesuch am Ende nicht so schlimm, wie es sich jetzt vielleicht anhört. „Glass“ ist über weite Teile grundsolide, hat immer wieder gute (manchmal sogar herausragende) Momente. Der Film bzw. das Franchise hat Potenzial für mehr. Man könnte hier den Gegenentwurf zu „Marvel“ und Co. schaffen. Leider macht die überladene und überambitionierte Story vieles kaputt. Mit einem guten Drehbuch wäre hier wäre mehr drin gewesen, als nur ein unterhaltsamer Superheldenfilm mit richtigen Ansätzen.

glass

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