Kritik: Drei Netflix-Reviews

Alle Jahre wieder hole ich mir über die Feiertage einen Netflix-Probemonat (Den kann man alle 12 Monate erneuern – Fantastisch!). In diesen 30 Tagen hole ich dann fast alles nach, was mich so über das Jahr interessiert hat. Meine Watchlist ist allerdings so brechend voll, dass wohl der ein oder andere Mitgliedsmonat 2019 anfallen wird. Es wird auch nicht viel besser, wenn Netflix auch noch eigene, neue Filme auf den Markt bringt. Diese drei Beispiele zeigen, warum so viele große Namen mittlerweile für das Streaming-Portal arbeiten. Hier sind meine Gedanken zu einem Western, einem Familiendrama und… was auch immer „The Other Side of the Wind“ ist.

  • The Ballad of Buster Scruggs

Die Coen-Brüder sind vor allem für eines bekannt: Ziemlich abgedrehte Filme. So sehr ich manche Regiearbeiten wie z.B. „The Big Lebowski“ liebe, so muss ich auch eingestehen, dass nicht alles zu Gold wird, was die Coen-Brüder anfassen. In ihrem neuesten Werk erschaffen sie in 6 Kurzgeschichten eine komplette Hommage an den Western. So ziemlich jeder Aspekt des alten Genres wird beleuchtet, rezensiert oder veralbert. Die Storys schwanken dabei von lustigen Komödien bis zu tiefen Dramen. Jedoch haben alle Geschichten einen leichten Wahnsinns-Faktor. Ebenfalls schwankt die Qualität der etwa 10-minütigen Filmschnipsel. Viel Spaß hatte ich bei der ernsteren Episode 3 (u.a. mit Liam Neeson), etwas schwächer fühlten sich die erste und letzte Episode an. Insgesamt bleibt ein kurzweiliger Film übrig, mit dem besonders Western-Fans eine gute Zeit haben werden. „The Ballad of Buster Scruggs“ hat jedoch auch die gleichen Probleme wie fast jeder Episoden-Film, nämliche mangelnde Charakter-Tiefe und kaum vorhandene Spannungsbögen. Die typische Coen-Art, gutgelaunte Schauspieler und die Liebe zum Detail reichen jedoch, für einen am Ende gelungenen Film.

theballadofbusterscruggs

 

  • The Other Side of the Wind

“Netflix präsentiert… Einen Film von Orson Welles” – Ich habe zwar keine Ahnung, ob der Hollywood-Legende dieser Satz gefallen hätte. Gefreut hätte er sich aber bestimmt über die Tatsache, dass sein letztes Werk doch noch das Licht der Welt erblickt hat. Außerdem ist es ja eine Win-Win-Situation: Netflix macht was für ihr eigenes Image und Filmfans bekommen einen neuen Orson-Welles-Film. Jetzt kommt aber noch das Beste: „The Other Side of the Wind“ ist richtig gut geworden! Der Streifen wird durch die vielen Objektive der Filmstudenten gezeigt, die alle ihre Kameras zu einer Geburtstags-Party mitgenommen haben. Ein alter Meister-Regisseur feiert nämlich seinen 70. Geburtstag, bei dem auch gleichzeitig die Rohfassung seines neuen Films gezeigt wird. Was erwartet euch also nun, wenn ihr den Play-Button auf Netflix drückt? Im Prinzip folgendes: Wilde Schnitte durch ca. 20 Kameras mit unterschiedlicher Qualität, geniale Dialoge die mit dem Alkoholpegel der Protagonisten auch immer besser werden und haufenweise Metakommentare über Blockbuster-Filme, Arthouse-Kino, Hollywood im allgemeinen und über jeden einzelnen Job am Filmset (Autoren, Maskenbildner, Regisseure, Schauspieler etc.). Natürlich bekommen auch die Filmkritiker und Cineasten ihr Fett weg. Der Film mag seine Schwächen haben und die Art des Erzählens ist bestimmt nicht für jeden etwas, aber mich hat der Streifen wirklich überzeugt. Wäre es ein absolutes Meisterwerk geworden, wenn Orson Welles es zu 100% abgeschlossen hätte? Darüber lässt sich nur spekulieren, aber für mich ist „The Other Side of the Wind“ auch mit seinen Fehlern und übertriebenen Schnittgewittern, ein faszinierendes Werk geworden und sogar mein Lieblingsfilm 2018.

theothersideofthewind

 

  • Roma

Für viele wurde das Drama von Alfonso Cuaron am Ende von 2018 noch zu einem echten Mega-Hit des Jahres. Tatsächlich stimmt es auch. Mir reichten die ersten paar Minuten, um zu erkennen, dass der Film großartig ist. Die ruhige Kamera fängt die fantastischen schwarz-weiß Bilder super ein, das Drehbuch gibt seinen Charakteren genug Zeit um sich zu entwickeln, die Schauspieler machen von jung bis alt einen super Job und der Soundtrack fügt sich passend in jeder Szene ein. Ja, dieser Film kann es schaffen, den Zuschauer in eine melancholische Stimmung zu versetzten. Oder es passiert das Gegenteil. Ich habe ab der ersten Sekunde eigentlich nur auf die Eskalation gewartet. Ich kenne den Regisseur, ich wusste was ungefähr in dieser Zeit in Mexico abging und somit konnte ich die vielen (sehr vielen!) ruhigen Momente des Films nicht genießen. Bis zur erwartbaren Eskalation vergehen jedoch zwei ganze Stunden und es passierte das, was nicht passieren durfte: Der eigentlich perfekte Film fing an mich zu langweilen. Jeder der den Film gesehen hat wird mir nun zwei Szenen an den Kopf knallen, die doch herausragend waren. Das stimmt auch: Die „Krankenhaus“- und „Strand“-Szene sind unfassbar gut und man braucht für den gewünschten Effekt dieser Szenen auch den langsamen Aufbau. Mir fällt die Bewertung wirklich schwer, aber leider ist „Roma“ für mich zusammen gefasst ein sehr zäher und langatmiger Film, mit ein bis zwei großen Höhepunkten und einer technisch perfekten Umsetzung.

roma

6 Comments

        1. Ne, singende Cowboys sind nicht so meins 😀 Die anderen beiden hatten ihre Momente und wie der Rest halt unterhaltsam. Schlimm fand ich den Film ja nicht 🙂

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