Die besten Filme aller Zeiten: Platz 1 – Der Pate

Erscheinungsjahr: 1972

Herkunft: U.S.A. / Italien

Regie: Francis Ford Coppola

Nach fast einem Jahr habe ich es noch rechtzeitig vor 2019 geschafft: Ich bringe hiermit meine Top 15 Liste zu einem Ende! Warum das so lange gedauert hat? Mir ist aufgefallen, dass es immer schwieriger wurde in Worte zu fassen, warum ich Meisterwerk X noch mal besser fand als Film-Ikone Y. Es fällt mir nicht schwer zu beschreiben, was mir gut bei einem Film gefällt. Warum sind aber Aspekte von „Der Pate“ nochmal herausragender als bei den anderen 14 ohnehin schon genialen Filmen auf dieser Liste?

  • Filmkritik nach Lehrbuch

Für mich gliedert sich eine Filmreview in zwei Teile auf, in das Handwerk „Film“ und in die Emotionen. Beginnen wir mit dem ersten Bereich. Hier kann man eigentlich alle Kategorien aufzählen, für die ein Filmemacher auch Preise bekommen kann. Natürlich ist die Gewichtung je nach Film ganz unterschiedlich. Manchmal bleibt einem die Story im Kopf, manchmal die Musik, die Effekte, die Schauspieler usw. Es kommt jetzt wenig überraschend, dass ich natürlich bei allem „Godfather“ 10 von 10 Punkten geben würde. Erstaunlicher ist es aber, dass ich beim „Paten“ auch an jeden Aspekt denken muss. Bei normalen „guten“ Filmen denke ich an eine besondere Schauspielleistung, an einen großen Regisseur oder an eine Szene die mich nachhaltig beeindruckt hat. Erst durch weiteres Nachdenken fallen mir dann andere Besonderheiten auf. Beim „Paten“ fallen mir gleich 100 Superlative zu jeder Kategorie des Films ein. Deshalb drücke ich mich in diesem Text auch schon seit mehreren Zeilen darum, endlich zum Punkt der Sache zu kommen. Wo soll ich anfangen? Bei der Musik vielleicht? Jeder kennt die berühmten Töne aus der Feder von Nino Rota. Wenn das „Pate“-Theme erklingt, hat man unweigerlich das Gefühl seinen Cognac zu schwenken, an der Zigarre zu ziehen und seinem Gegenüber ein Angebot zu machen, was er nicht ablehnen kann. Da wären wir auch schon beim Thema „Zitate und Dialoge“, wobei ich noch alleine über die Musik ein halbes Manifest halten könnte. Vielleicht komme ich später nochmal darauf zurück, denn über die Dialoge lässt sich nicht viel Diskutieren, sondern nur staunen. Kein Wort wirkt zufällig, jeder Satz scheint eine unwiderrufliche Bedeutung zu haben und trotzdem präsentieren die Schauspieler das Skript so unfassbar gut, als wäre man zufällig Zeuge einer Unterhaltung aus der normalen Welt. Habe ich gerade das Stichwort „Schauspieler“ geschrieben? Ohja, darüber muss ich unbedingt ein paar epische Sätze auf das virtuelle Papier bringen. Das Thema „Dialoge“ behaltet ihr mal im Hinterkopf, darauf komm ich später nochmal zurück. Erinnert mich dran!

  • Wo war ich stehen geblieben?

Schauspieler! Klar, über die Leistung von Marlon Brando als Vito und Al Pacino als Michael müssen wir gar nicht erst reden. Und falls irgendjemand denkt, die wirken ja wie die Abziehbilder einer typischen Mafia-Familie, dann denkt mal scharf darüber nach, woher euer Bild des 08/15-Mafiosi herkommt. Aber selbst bis in die kleinste Nebenrolle hat „Der Pate“ seine Fußspuren in der Popkultur hinterlassen. Heute gibt es kein Bild einer Mafia-Familie mehr ohne einen Anwalt, anderen Gangster-Familien, skrupellosen Handlangern, einem Showstar und einem Verräter. Hier haben Regisseur Francis Ford Coppola und Autor Mario Puzo die Mafia-Wirklichkeit geschickt mit filmischer Dramaturgie vermischt. Heraus kam ein Skript, das den Film zwar drei Stunden lang gemacht hat, aber auch zu keiner einzigen Sekunde langweilig ist. „Der Pate“ zieht den Zuschauer mit seinen Bildern in den Bann. Die Kamerfahrten… Moment, wie bin ich den jetzt zum Thema „Kamera“ gekommen? Ich war doch gerade noch mittendrin die einzelnen Schauspieler-Leistungen zu loben. Habe ich eigentlich schon über das Drehbuch geredet? Aaahh, diese Review wird so langsam zu einem Alptraum. Egal, ich kann ja später nochmal auf die Schauspieler/-innen und die Kamera zu sprechen kommen. Wir waren ja jetzt erstmal beim Thema „Drehbuch“. Glaube ich zumindest. Also, nun… Wie geil ist die Geschichte denn bitte? Keine Angst, ich werde hier nicht nochmal das gesamte Werk rekapitulieren, aber es ist doch alles drin, was man für einen spannenden Film braucht. Große Charaktere, immer wieder Ausbrüche der Gewalt, ein Kartenhaus an Lügen und Verrat, welches langsam auseinander bricht, große Emotionen zwischen den einzelnen Protagonisten… Verdammt! Ich hab ja ganz die Emotionen vergessen! Aber die Geschichte ist auch sehr wichtig, da muss ich später nochmal drauf zurückkommen…

  • Wie? Wo? Was?

Ich habe ja ganz am Anfang geschrieben, dass eine Filmkritik für mich aus den handwerklichen und emotionalen Aspekten besteht. Der Film wäre nicht auf Platz Eins dieser Liste, wenn ich damit keinerlei Emotionen verbinden würde. Natürlich hat mich die Geschichte an sich schon vollkommen in ihren Bann gezogen. Ich habe mitgelitten bei Tragödien und fühlte fast schon so etwas wie Freude bei den Racheakten von Michael Corleone. Aber darüber habe ich ja schon weiter oben geschrieben. Hab ich doch, oder? Zumindest hat „Der Pate“ für mich den Spannungsbogen perfektioniert. Der Film ist zwar nicht von Hitchcock, jedoch steht Coppola in Sachen „Suspense“ dem Großmeister in nichts nach. Immer weiter steigern sich die Eskalationen wie Treppenstufen nach oben. Nach jedem Rückschlag gibt es auch wieder Licht am Ende des Tunnels, bis eben zum grandiosen Finale. Selbst in der allerletzten Szene, wenn alles vorüber scheint, hat das Drehbuch nochmal einen letzten Kniff parat. Dieser fantastische Dialog am Ende und die letzte Kamerafahrt… Aber ich wiederhole mich. Kamera, Dialog – Das war doch schon im ersten Absatz Thema. Oder im zweiten? Hab ich jetzt schon wieder den Faden verloren? Dann machen wir weiter mit… ähm… den Charakteren! Mit denen kann man nämlich wunderbar mitleiden. Blöd nur, dass wir hier nicht mit irgendwelchen Helden oder „Normalos“ mitfiebern, sondern mit Kriminellen erster Klasse. So sehr ich Vito Corleone liebe, im wahren Leben hätte ich mit diesem Mann am liebsten nie etwas zu tun. Im Film jedoch geht so etwas und für dieses „Abtauchen in andere Welten“ liebe ich dieses Medium so sehr. Und kein Film schafft es besser diese Faszination zu beschreiben als „Der Pate“. Immerhin habe ich den Streifen als Jugendlicher gesehen, zu einer Zeit, in der meine Leidenschaft für Filme noch überhaupt nicht geweckt wurden ist. Doch „Godfather“ hat mir gezeigt was möglich ist, wie sehr man drei Stunden lang an einen Bildschirm gefesselt sein kann ohne auch nur eine Sekunde über irgendwas anderes nachzudenken. Allein für die Erweckung dieser Leidenschaft und die darauf folgende Suche nach anderen Filmen, die dasselbe erreichen können, muss „Der Pate“ auf Platz Eins meiner Lieblingsfilme stehen. Ohne ihn hätte ich mir vielleicht niemals die anderen 14 Filme der Liste angesehen oder diese komplett anders wahrgenommen. Ohne ihn hätte ich Schweiger nicht von Tarantino unterscheiden können, hätte ich mich bei „Blade Runner 2049“ gelangweilt, weil da zu wenig Action vorkommt, hätte keinen Gedanken an die Philosophie von „Clockwork Orange“ verschwendet… Kurz: Ich liebe es über Filme nachzudenken, mir Hintergründe anzusehen und Meinungen von Anderen zu lesen. Das Medium Film wurde mein Hobby und eine Leidenschaft – Dafür bedanke ich mich auf ewig bei meinem Lieblingsfilm: „Der Pate“.

So, ein wunderbarer Schlusssatz. Jetzt lese ich mir meinen Beitrag nochmal durch, damit ich auch nichts vergesse… Ach Verdammt, da fehlt ja die Hälfte! Naja, ich hoffe ihr konntet trotz meiner kleinen Verwirrtheit beim Schreiben, halbwegs nachvollziehen, warum mir „Der Pate“ so viel bedeutet.

Die bisherigen Plätze (Mit Verlinkung zum Artikel):

6 Comments

  1. Mehrmals versucht und ein einziges Mal auch bis zum Ende gekommen. Aber ich kann mit dem Film leider nichts anfangen. Was zum Großteil daran liegt, dass er die eigens aufgestellten Erwartungen der ersten 15 Minuten nicht erfüllt.
    Für mich wurde da immer angedeutet, dass es im späteren Verlauf um einen jungen Mann gehen würde, der gezwungenermaßen in die ihm verhassten Geschäfte seiner Familie gedrängt würde und daran entweder zerbricht, oder sich dem arrangiert. Das kommt vor allen Dingen in den Gesprächen Michaels zu Beginn gut heraus. Allerdings vollzieht er viel zu schnell die Wandlung zu einem richtigen Mafiosi und sein Charakter, bzw. die Grautöne werden nicht mehr richtig durchleuchtet.
    Jetzt könnte man zwar sagen, dass der Film nichts dafür könne, dass er MEINE Erwartungen nicht erfüllen konnte. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass er diese Erwartungshaltung selbst hervorgerufen habe.
    Und da gibt mir nicht nur der Beginn des ersten Teils sondern besonders das Ende des zweiten Teils Recht. Wenn die gesamte Familie in einer Rückblende um den Tisch sitzt und Michael davon erzählt, was er alles mit seinem Leben anstellen wolle, das nichts mit der „Familie“ zu tun hat. Der Bogen wird zum Beginn gespannt, aber die Sehne enthält die ganze Zeit den falschen Pfeil.

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    1. Blasphemie!

      Nein, natürlich nur Spaß 😀 Ich kann wahrscheinlich auch nichts zu deiner Interpretation schreiben, um dich vom Gegenteil zu überzeugen… Aber versuchen tu ich es natürlich trotzdem:D Also: Für mich ist Michael ein zwiegespaltener Charakter. Zwischen seinen Worten und seinen Taten liegen den ganzen Film über Unterschiede. Das wird gerade am Ende nochmal deutlich, als er Kate belügt. Ich erkläre mir das so, dass Michael sehr gut daran ist, die bösen Geschäfte der Familie zu leiten und er auch eine Menge Spaß daran hat (man denkt nur an das Lächeln in der Kirche während seine Feinde sterben). Allerdings ist ihm bewusst, dass es böse ist und er tut alles um von seinem Schicksal weg zu kommen. Er verliebt sich in eine gute Frau oder flieht u.a. auch deswegen nach Italien. Er will ein normales, gutes Leben führen – Blöd nur das sein Talent im Mafia-Geschäft liegt und es ihm Spaß macht. Anders z.B. als sein Bruder, der auch eine Menge Spaß daran hat und die Familiengeschäfte auch weiter führen will. Leider ist er schlecht in seinem Job.

      Das wäre wie ein Mensch, der gerne tötet und gut darin ist, aber gleichzeit weiß er, dass es absolut schrecklich ist. Nur für seinen Vater tötet Michael und als dieser tot ist, beugt er sich seinen Schicksal, wird zum neuen Godfather und siehe da – Es macht ihm Spaß und er ist sehr erfolgreich. Durch Spaß und Erfolg vergisst man dann auch auf Dauer seine Skrupel. (= da könnte man dann auch noch Kapitalismus-Kritik herauslesen, bei bösen Konzernchefs gilt vielleicht das selbe Prinzip) So zumindest meine Erklärung 🙂

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  2. Das hast du sehr schön beschrieben. Deine Leidenschaft für den Film (und Film generell) kommt in jedem Satz rüber. Und ich kann es gut nachvollziehen, denn „Der Pate“ ist auch für mich einer der Filme überhaupt. Kein Wunder, denn damit sind wir bestimmt nicht allein… 😉

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