Buch-Review: QualityLand

Erscheinungsjahr: 2017

Herkunft: Deutschland

Autor: Marc-Uwe Kling

Eine Buchkritik auf einem Filmblog? Das wäre ja wie eine Filmkritik auf einem Buchblog. Also nichts Ungewöhnliches. Nur für mich ist es das erste Mal und dafür gibt es einen aktuellen Anlass. Da ich nicht die größte Leseratte bin, kommt es relativ selten vor, dass ich ein halbwegs aktuelles Buch lese. „QualityLand“ ist jedoch gerade ein Jahr alt geworden und als großer Fan des Autors musste ich einfach diese Satire-Dystopie lesen

  • Die Zuuukunft!

Der Autor Marc-Uwe Kling ist in erster Linie bekannt für seine „Känguru-Trilogie“. Dort lebt er in einer WG mit einem kommunistischen und selbstsüchtigen Beuteltier. Im neuen Roman werden die satirischen Elemente übernommen und in das Deutschland der nahen Zukunft verfrachtet. Unser Land heißt jedoch nun „QualityLand“ und der technische Fortschritt hat zu einigen Veränderungen geführt, die wir heute schon absehen. Jeder Mensch hat ein Level, welches darüber entscheidet wie viel Erfolg man im Leben hat, wie gut eine Beziehung läuft und ob die Jobsuche gelingt. Aufzusteigen ist dabei sehr schwierig, während man durch Verhalten gegen das System sehr schnell im Level absteigt. Dazu bringen Drohnen einem alles was man braucht, auch wenn man es vorher gar nicht wusste. Die erhobenen Daten werden z.B. dafür benutzt, eine Wahlempfehlung auszusprechen, an die man sich dann ohne Nachzudenken einfach halten kann. Außerdem verlassen sich die Menschen bei der Partnersuche mehr auf Algorithmen und Level, als auf zwischenmenschliche Gefühle. Die Politik besteht nur noch aus zwei großen Parteien, die immer eine Koalition eingehen und das „QualityPad“ spricht jederzeit Empfehlungen aus, an die man sich besser hält. Der Autor hat also alle Ideen für eine Zukunft der Daten zusammengetragen und diese satirisch umgesetzt. So gibt es aktuelle Berufe wie „Fake-News-Autoren“ oder das Ersetzen von klassischen Nachnamen wie „Müller“ oder „Fischer“ zu „Admin“, „Callgirl“ usw. Die Geschichte wird allgemein auf zwei Ebenen erzählt. Meistens verfolgen wir einen Protagonisten, der eigentlich Roboter verschrotten soll, aber diese dann gegen das „Reparatur-Verbot“ in seinem Keller aufbewahrt. Er bekommt irgendwann eine falsche Bestellung (einen Delfin-Vibrator) und möchte diesen zurückgeben. Jedoch sagt ihm jeder, dass das System keine Fehler macht, er den „Delfin“ eigentlich braucht und deshalb eine Rückgabe unmöglich ist. Dadurch entspinnt sich eine Geschichte, die als klares Leitmotiv den Kampf des kleinen Mannes gegen den Kapitalismus im Endstadium hat. Parallel wird die Story um den aktuellen Wahlkampf gezeigt, bei dem ein perfekter und logischer Roboter gegen einen rechten Populisten antritt. Natürlich wählen die Leute nicht die Logik, sondern die einfachen Antworten.

  • Quality-Buch?

Allgemein gefällt mir die Ausgangslage. Aktuelle Themen werden eigentlich auf jeder Seite satirisch aufgearbeitet und in das Zukunftsszenario eingebettet. Die zu Grunde liegende Kritik richtet sich dabei eigentlich an alle politischen und wirtschaftlichen Strömungen, wobei man natürlich wissen muss, dass „QualityLand“ ein Buch gegen Kapitalismus und rechtes Gedankengut ist. Natürlich kommt dabei die „linke“ Seite besser weg, allerdings ist sowas bei Satirikern ja schon fast Berufskrankheit. Wer also eher eine konservative Anschauung vertritt wird sich öfter mal angegriffen fühlen, während Leute mit eher linkem Weltbild ihre Meinung noch verstärkt bekommen. So wirkt das Buch mit seinen kritischen Ansätzen öfter mal etwas zu plump und in manchen Abschnitten auch gewollt belehrend. An anderen Stellen wiederrum hat der Autor kreative Ideen und witzige Einfälle. Gerade zu Beginn macht es Spaß die Welt zu entdecken und über die Eigenheiten zu lachen, die gar nicht so weit von unserer Realität entfernt sind. Im späteren Verlauf gewöhnt man sich aber an diese Verrücktheiten. Marc-Uwe Kling ist nicht Douglas Adams, es folgt nicht eine Verrücktheit auf die nächste, sondern hintersinnige Gags wechseln sich mit eher flachen Witzen ab. Ähnlich wie in einem Kabarett-Programm, bei dem es dem Künstler gelingt die Thematik intelligent auf satirische Weise zu beleuchten. In den besten Zeilen ist Klings Roman wie ein gutes Satire-Stand-Up, bei manchen Stellen werden jedoch die Vorurteile über das deutsche Kabarett sehr real. Die Geschichte an sich wird aber relativ gut erzählt, es kommt nicht viel Langeweile auf, jedoch hält sich die Spannung auch in Grenzen. Die einzelnen Kapitel haben den Fokus auf ein paar Charaktere, was zur Folge hat, dass man sich auf die Kapitel mit seinen Lieblingen freut und die anderen möglichst schnell durchliest. Am Ende bleibt für mich ein gutes, teilweise kreatives und witziges Satire-Buch über die Gefahren der Digitalisierung, welches dem Leser aber auch keine wirklich neuen Erkenntnisse bringt und zu oft unter den eigenen Möglichkeiten bleibt.

Wäre „QualityLand“ ein Film, würde ich auf Letterbox 3 von 5 Punkten vergeben.

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