Die besten Filme aller Zeiten: Platz 2 – Uhrwerk Orange

Originaltitel: A Clockwork Orange

Erscheinungsjahr: 1971

Herkunft: Großbritannien

Regie: Stanley Kubrick

Knapp vorbei ist auch daneben: Das Meisterwerk von Regie-Legende Kubrick erhält von mir die Silber-Medaille in dieser Kategorie der „besten Filme aller Zeiten“. Beim letzten Platz habe ich das Argument „Genial als Gesamtwerk“ angewandt. Ich sag mal so: Here we go again!

  • Wer ist hier aggressiv?

Für alle die den Film noch nie gesehen haben: Alex lebt im zukünftigen London (eine Dystopie im 60er Jahre Stil). Er und seine Gang haben Spaß an Gewalt, jedoch schlägt er einmal über das Ziel hinaus. Alex kommt in den Knast und wird dort zum Versuchskaninchen eines Experiments: Kann man Tätern den Drang zur Gewalt abtrainieren und wenn ja, sollte man dies auch tun? Der Protagonist, welcher seine eigene Geschichte immer aus dem „Off“ erzählt, wird dabei zum Spielball der beiden Seiten. Zum nachhören haben „Die Toten Hosen“ auch eine nette Zusammenfassung komponiert. Was gefällt mir also jetzt so an „A Clockwork Orange“? Fangen wir mal mit den einfachen Dingen an. Die oben beschriebene Geschichte ist bei weitem keine „normale“ Sci-Fi-Story. Sie wird auch ziemlich linear und klar strukturiert erzählt. Die nötige Härte und Explizität für das große Über-Thema bringt der Film dabei mehr als genug mit. Der Stil ist natürlich auch unverkennbar. Locations und Szenen wie die Milchbar, die Psychiatrie oder die Gewalt bei „Singing in the Rain“ bleiben einem wirklich nachhaltig in Erinnerung. Dasselbe gilt für die Charaktere. Allen voran ist da natürlich Hauptprotagonist Alex, bei dem sich wieder einmal zeigt, dass Kubrick absolut das Beste aus seinen Schauspielern rausholen kann. Diese Mischung aus Charme und Psychopath spielt Malcolm McDowell überragend. Auch die Nebencharaktere sind klar gezeichnet und sie besitzen allesamt nachvollziehbare (wenn auch meist nicht gute) Gründe für ihr Verhalten. Aber auch alles abseits der Geschichte, den Figuren und dem Stil bleibt einem in Erinnerung. Bei „Uhrwerk Orange“ denkt man z.B. direkt an die Musik von Beethoven oder berühmte Kamerafahrten wie z.B. die „Slow-Motion“ am Fluss. Man könnte also alle Kategorien bei einer Filmpreisverleihung hier anwenden. Der Preis für Drehbuch, Regie, Hauptdarsteller, Nebendarsteller, Kamera, Musik, Kostüm, Set-Design… geht auch über 40 Jahre später an „A Clockwork Orange“. Ähnlich wie bei meiner letzten Review zu „Django Unchained“ gibt es in den einzelnen Kategorien vielleicht bessere Filme (es folgt ja auch noch ein Platz auf meiner Bestenliste), aber kaum einer hat es so verstanden, die einzelnen Teile zu einem Gesamtkunstwerk zusammen zu bringen wie Stanley Kubrick.

  • Back to Meta

Damit habe ich die filmischen Kriterien abgeschlossen, wobei der Film in jedem Punkt überzeugen konnte. Kommen wir aber jetzt zu einem Feld, dass für „Uhrwerk Orange“ mindestens genauso wichtig ist: Die Interpretation. Einfach betrachtet geht es hier um das Thema, welches auch klar im Film angesprochen wurde. Kann man die Gewalt aus dem Menschen herausholen und sollte man es überhaupt versuchen. Kubrick schafft hier etwas, was wirklich nur wenige Filme erreichen. Er gibt eine klare Aussage ab und gleichzeitig gibt es noch genug Spielraum für den Zuschauer, sich eine eigene Meinung zu bilden. Protagonist Alex wird durch das Experiment friedlich, jedoch leidet seine Psyche extrem durch die Manipulation. Als er wieder zur Normalität findet, ist sein Verhalten wieder abstoßend, aber er selber scheint ziemlich zufrieden in seinem Krankenbett zu liegen. Aber wäre der Gesellschaft nicht mehr geholfen, wenn diese Individuen unglücklich, dafür aber friedlich, werden? Wo ist jedoch dann die Grenze erreicht und wie weit darf man die Psyche wieder auf die „richtige“ Spur bringen? Was passiert, wenn man die Praktiken von „Uhrwerk Orange“ auch auf Sucht, Lust, Arroganz o.ä. ausweitet? Fragen über Fragen, zu denen Kubrick mal mehr und mal weniger offensichtlich seine Meinung äußert. In Nebensträngen geht die Philosophie aber noch weiter. Wie geht man mit ehemaligen Gefangen um, wenn die ihre Strafe abgesessen haben? Wie weit gehen die Mächtigen, nur um ihre eigene Macht zu erhalten? Natürlich werfen auch andere Filme solche Fragen auf, allerdings erheben sie dabei meistens den Zeigefinger und wollen dem Zuschauer richtig von falsch erklären oder sie lassen ihre Meinung vollkommen offen und machen sich das Leben einfach, in dem sie die Fragen einfach an uns weiter geben. Kubrick macht beides nicht und hier liegt für mich der wahre Grund, warum „Uhrwerk Orange“ ein großes Meisterwerk ist. Besser kann man Film und Meta-Ebene nicht zusammen bringen.

Seht ihr doch genauso, oder?

Die bisherigen Plätze (Mit Verlinkung zum Artikel):

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