Special: Ein Blick in die Glaskugel

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In den letzten Wochen und Monaten kamen wieder die großen Themen ans Tageslicht. Zerstört Disney das Kino oder ist Amazon der größere Übeltäter? Am Ende killt vielleicht sogar das allseits beliebte Netflix die Lichtspielhäuser. Aber auch die Qualität von Filmen im Allgemeinen steht auf dem Prüfstand, wenn man sich die letzten Blockbuster angesehen hat. Ich schaue mir mal fünf Trends für die Zukunft an und vielleicht gibt es neben dem Ganzen negativen Kram auch etwas Positives für die nächsten Jahre.

  • Das Kino ist tot, lang lebe das Kino!

Ja, ja. Ich kann mich in meinem Leben an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem das Kino nicht zu Grabe getragen wurde. Die Zeichen sind ja eindeutig: Konzerne (wie z.B. Disney) verlangen immer mehr Provision von jedem verkauften Ticket, dadurch werden diese immer teurer, woraufhin immer weniger Leute ins Kino gehen. Der Deutsche geht übrigens im Durchschnitt sagenhafte 1,4-mal im Jahr ins Kino. Dazu machen Netflix und Co. den großen Ketten das Leben schwer. Programmkinos gibt dazu auch immer weniger. Ich persönlich finde diesen Trend wirklich furchtbar. Aber es gibt Hoffnung! „UCI“ z.B. bietet seit längerem eine Monatskarte für 23,40€ an. Das rentiert sich, je nach Film, schon nach zwei Besuchen. Auch die „Cinemaxx“-Kette testet gerade günstige Tickets. Die Rechnung: Den Preis so weit sinken, dass Leute auch in Filme gehen, die sie vielleicht nicht so interessieren. Somit würden wir vielleicht endlich wieder volle Säle sehen. Das Kino könnte damit auch wieder zu einem gesellschaftlichen Hobby werden und damit auch den Austausch über unser Lieblingsmedium fördern. Dies würde bei dem ein oder anderen Film bestimmt das Erlebnis steigen. Natürlich könnten billige Preise auch die Zuschauer anlocken, die ihr Handy im Kino anlassen oder zwei Stunden einfach durch reden. Da sind wir beim nächsten Trend…

  • Lichtspielkraus

Leuchtende Smartphones und Leute im Dauergespräch – Normal bin ich die Ruhe in Person, aber so etwas bringt mich zur Weißglut. Keine Ahnung wie oft ich mir die Frage „Warum bezahlen die so viel Geld, wenn sie der Film nicht interessiert?“ schon gestellt habe. Ich habe immer noch keine Antwort darauf gefunden. Jetzt ist man vielleicht schnell dabei zu sagen, dass dieser Trend immer mehr wird. Für mich bleibt die Zahl der Menschen ohne jeglichen Anstand jedoch seit Jahren gleich hoch. Ich habe auch immer das Problem, dass diese Leute direkt neben oder hinter mir sitzen. Genauso wie ich immer an der längsten Schlange im Supermarkt stehe. Ihr merkt schon, was ich damit sagen will. Wären alle um mich ruhig, würde ich das zur Kenntnis nehmen und mich auf den Film freuen. Über nervende Menschen kann ich mich noch Wochen später aufregen. Dreimal dürft ihr raten, welche Kinobesuche mir mehr in Erinnerung bleiben. Trotzdem will ich nicht sagen, dass es hier kein Problem gibt. Aber es gäbe genug Lösungen. Eine einfache Ansage oder ein ironischer Trailer kurz vor dem Film, wäre für viele Probleme schon genug. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass die meisten Leute das nicht extra machen, sondern einfach nicht merken wie sie den anderen auf die Nerven gehen. Zumindest wenn man die Personen direkt anspricht, hören sie oftmals damit auf. Natürlich auch nicht alle, aber ein paar Idioten gab es ja immer schon.

  • Streaming kills the Cinema-Star

Amazon produziert eine „Herr der Ringe“-Serie, Netflix finanziert den neuen Scorsese-Film und Disney arbeitet fleißig an seiner eigenen Plattform. Ich frage mal ganz bescheuert: Wer braucht eigentlich noch Kino? Im letzten halben Jahr kamen z.B. die wenigsten Besucher in deutsche Kinos wie zuletzt Mitte der Neunziger. Streaming ist einfach, günstig und bietet den Machern eine Menge an kreativer Freiheit. So äußerten sich die Produzenten der deutschen Netflix-Serie „Dark“ zu diesem Thema und sagten, sie hätten nach dem Pitch komplette Freiheit über ihr eigenes Projekt. Wann hat man so etwas das letzte Mal bei einem Filmstudio gehört? Da kommt eher wöchentlich die Meldung, dass sich Regisseur und Produzenten durch „kreative Differenzen“ getrennt haben. Gleichzeitig fallen aber auch immer mehr Filme und Serien der Streaming-Riesen bei der Kritik und den Zuschauern durch. Es ist also durchaus möglich, dass sich die Konkurrenz immer mehr den Studios annähert. Gleichzeitig gibt es im Kino einen Gegentrend: Die neuen Regisseure, die mit kleinen und großen Filmen die Kinosäle befüllen. Denis Villeneuve, Andrés Muschietti („Es“) und Juan Antonio Bayona („Sieben Minuten nach Mitternacht“, „Jurassic World 2“) sind solche Namen. Allgemein hoffe ich auf die alte Weisheit „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und das kommt oftmals den Konsumenten (also uns) zu Gute.

  • Ein Grauen namens Disney

Die Konkurrenz durch Streaming ist unbestritten, aber wie sieht es innerhalb der Kinobranche aus. Das Schlagwort in dieser Diskussion heißt „Disney“! Bald gehören dem Konzern 50% der Entertainment- bzw. Filmbranche. Die neusten Berichte (z.B. vom „Wall Street Journal“) lassen auch nicht gerade darauf hoffen, dass 20th Century Fox so weiter machen kann wie zuvor. Es stellt sich natürlich die Frage, ob wir etwas dagegen machen können? Marvel oder Star Wars zu boykottieren, böse Tweets absetzten oder Online-Petitionen zu unterschreiben – All das sind Möglichkeiten, die aber (wenn wir ehrlich sind) Mickey Mouse am Arsch vorbei geht. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, aber nicht die von Hollywood. Man hat dem Publikum jahrelang antrainiert, was sie gut und schlecht zu finden haben. Mit dem gleichen Einsatz könnte man auch junge und kreative Projekte bewerben. Den Mainstream also mit einer Offensive hat innovativen Filmen umpolen. Dafür müsste man so etwas Ähnliches wie die „United Artists“ im letzten Jahrhundert erschaffen. Dieses Thema könnte auch aktueller nicht sein, denn immerhin stellten sich verschiedene Filmemacher in Hollywood gegen die „Blacklist“ der konservativen Regierung. Heute werden Regisseure durch rechte Politiker um ihren Job gebracht (siehe die aktuelle Affäre um James Gunn). Ein großes Bündnis von Regisseuren, Schauspielern und Autoren könnte dem Mega-Konzern zumindest auf Qualitäts-Ebene etwas entgegen stellen. So etwas ist allerdings 1. Etwas für einen eigenen Beitrag und 2. Wohl für immer eine Wunschvorstellung.

  • Neue Deutsche Welle

Der letzte Trend und dessen Auswirkungen finden wir in unserem eigenen Land (sorry an die Österreicher und Schweizer an dieser Stelle). Neben der ganzen Stangenware von Schweiger, Schweighofer und Konsorten hat sich in Deutschland in den letzten Jahren etwas verändert. „Toni Erdmann“, „Victoria“, „Aus dem Nichts“ und „Babylon Berlin“ haben gezeigt, dass es in Deutschland nicht an kreativen Köpfen mangelt. Warum spricht man also hier von einer schlechteren Filmkultur als z.B. Frankreich, Großbritannien oder den skandinavischen Ländern? Zum einen leben wir nicht in diesen Ländern und ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch den Til Schweiger von England oder Schweden gibt. Für alle die es noch nicht wissen: Das Thema „Film“ ist zum größten Teil Ländersache. Somit bewerben sich die Macher in den unterschiedlichen Bundesländern um Förderung zu bekommen und die achten oftmals sehr stark auf die Massenkompatibilität und der kulturellen Wichtigkeit. Also werden Komödien oder Filme zur deutschen Geschichte (NS-Zeit, DDR-Regime) sehr gerne gefördert. Sci-Fi, Fantasy oder Thriller haben höchstens eine Chance, wenn es z.B. eine Buchvorlage gibt. In den letzten Jahren scheint sich jedoch das Blatt zu wenden. Klar, die Demografie sorgt dafür, dass die Entscheider in den Gremien einer neueren Generation angehören und somit auch einen anderen Geschmack vertreten. Gleichzeitig muss man nicht an einer Filmhochschule studiert haben, um seine Karriere durchzustarten. Eine Kamera, ein paar Freiwillige und eine gute Idee – Fertig ist der Film und Release ist auf Youtube (siehe z.B. das erfolgreiche „Star Wars“-Fanprojekt). Was passiert wenn der deutsche Mainstream auf etwas Neues trifft, können wir derzeit bei den ÖR sehen. Die ARD zeigt ab und zu ihrem Publikum (im Durchschnitt Mitte 60) einen Tatort mit etwas anderen Ansatz. Die altehrwürdige Reihe trifft auf neue Ideen? Blasphemie! Wie zu erwarten haben diese Tatorte auch die schlechtesten Quoten. Aber was ist mit der Zielgruppe, die noch nicht kurz vor dem To… der Rente steht? Vielleicht erleben wir in den nächsten Jahren eine Renaissance der inländischen Filmkultur. Da heißt es: Abwarten und Popcorn essen.

Ihr erkennt noch andere Trends? Gibt’s etwas, was euch so richtig nervt oder freut? Lasst uns mal in den Kommentaren zusammen einen Blick in die Glaskugel werfen…

9 Comments

  1. Tja, die Disney Sache habe ich mir inzwischen folgendermaßen schöngeredet: nach dem Kauf von FOX wird Disney die Produktion von Giganto-Blockbustern runterfahren müssen. Schon allein um ein Solo/infinty War/Deadpool 2 Gerangel wie dieses Frühjahr zu vermeiden. Das könnte (und ja, „könnte“ leistet schwere Arbeit in diesem Satz) dafür sorgen, dass kleinere Filme wieder mehr Platz auch in den Multiplexkinos bekommen.

    Ich habe immer wieder das Gefühl es gibt in Deutschland eine ganze Reihe toller Filme, die man nie zu sehen bekommt. Nicht nur weil das Werbebudget 5 Euro beträgt, sondern weil auch irgendwie der Wille der Produzenten fehlt abseits der Schweiger-Geldmaschinerie und dem Nazidrama-Prestige zu zeigen was man so auf der Pfanne hat. Das sind dann die Perlen, die man völlig zufällig sieht und auf dem eigenen Blog anpreist… 😉 Aber vielleicht hast Du Recht und sowas we Victoria oder Toni Erdmann führt zu einem Umdenken. Schön wärs.

    Dein Beispiel mit dem Selbermachen hat mich übrigens an „For No Eyes Only“ erinnert, der von einer Film-AG an einer Schule gemacht wurde und dafür verdammt gut ist: https://filmlichtung.wordpress.com/2015/11/18/gestern-gesehen-for-no-eyes-only-2014/

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    1. Leider finde ich den WallStreet-Artikel nicht mehr, aber in diesem wurde ganz gut beschrieben, was Disney wohl mit Fox machen will. Rein aus wirtschaftlicher Sicht, aber darauf kommt es nunmal ja leider an. Die Hoffnungen von vielen, dass Fox der „kleine, dreckige, coole Bruder“ von Disney werden könnte, stößt wohl bei Aktionären nicht so auf Gegenliebe. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass Disney uns mit Superhelden- und Actionblockbustern überflutet. Die Kuh wird nochmal so richtig gemolken bis zum Ende. Damit würden sie wohl in wenigen Jahren mehr Geld machen, wie wenn sie sich zurück halten und über mehr Jahre weniger Blockbuster veröffentlichen.

      Ich komme da immer noch nicht über den Fakt hinweg, dass der Deutsche 1,4mal im Jahr ins Kino geht. Klar, bei diesem einen Kinobesuch im Jahr will man dann auch auf Nummer Sicher gehen und keine Experimente gucken. Das gleiche gilt für den gemütlichen Abschluss einer Woche: Dem Tatort. Hier hat z.b. gerade das deutsche Filmfest in Ludwigshafen einen neuen Besucherrekord eingefahren. Das Programm war dieses Jahr mMn mehr als nur öde. Filmkunstpreis hat übrigens auch hier ein Tatort gewonnen…. Kleine Genre-Filme haben in Deutschland einfach momentan keine Chance, daher sehe ich es schon als Fortschritt an, wenn ein Film pro Jahr etwas höhere Wellen schlägt.

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  2. # Es gibt überall diese Gigantenkinos…. 10 Säle oder mehr… Filme in 2D und 3D gleichzeitig… Blockbuster, die eigentlich keine sind usw.. Kleine Kinos werden kaputt gemacht. Es gibt aber auch diese kreativen Köpfe, die kleine und schöne Kinos machen. Das Park Kino in Bad Reichenhall ist so ein Magnet. 2 kleine Kinosäle a 60 Pers. und ein herrlich nostalgischer Flair. Die Abendvorstellung von Mamma Mia war Nachmittags schon ausverkauft. Es geht also doch…

    # Handys im Kino und angeschaltet… ein absolutes No-Go. Da werde ich zum Beserker, wenn mich da einer im Film damit stört.

    # Streaming ist schon was Feines. Aber ich würde sagen, Streaming killt eher das TV – Programm. Serien laufen nicht im Kino und diese Eigenproduktionen sind nun auch nicht alle der Renner und somit derzeit nicht wirklich eine Gefahr fürs Kino.

    # Disney… Wirklich eine Sache für sich. Allein, wie die schon Star Wars kaputt machen nur um noch mehr zu verdienen. Was ja wohl bei „Solo“ zum Glück für uns völlig daneben ging. Vielleicht werden wir jetzt von überflüssigen Nebenfilmen verschont.
    Superhelden… Gefühlt alle 4 Wochen kommt ein neuer Superheldenfilm ins Kino. Wer soll sich das noch anschauen? Übersättigung führt zu Verzicht und somit zu weniger Kinobesuchern.

    # Einzig „Dark“ kann man lobenswert erwähnen. Mag ja sein, dass andere europ. Länder auch ihre Scheigers haben aber was hier so produziert wird, nervt teilweise nur oder klingt ziemlich hölzern in den Dialogen.
    War bei Schweigers Kommissar überhaupt einer im Kino? 😆
    Ich bleibe da lieber bei den Skandinaviern, den Franzosen oder den Engländern.

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    1. Alles nach der Reihe 😀
      1. Hier gibt es einen riesigen Kinosaal mit Dolby Atmos usw. Ich muss zugeben, für z.B. einen Action-Film ist das schon ziemlich geil 😀 Kleine Kinos müssen halt mit Charme und Kreativität punkten. Aber viele haben auch nicht das Geld sich zu verändern oder zu modernisieren.

      2. Ich halte mich meistens zurück…. zumindest bis zu einem bestimmten Punkt…

      3. Jep, aber da ich kein Fernsehen mehr gucke (außer bald für diesen Blog, aber ich verrate mal nicht zu viel 😀 ) ist mir das relativ egal. Mal den Scorsese-Film abwarten, aber bis jetzt hat mich auch noch keine Eigenproduktion zum Abo bewogen

      4. Lustigerweise fand ich einen Ableger bis jetzt am besten von den Neuesten: Rogue One! Momentan ist Null Übersättigung an den Kinokassen zu spüren, mal gucken wann die meisten Leute genug haben.

      5. Babylon Berlin fand ich jetzt auch ganz gut. Es ist ja nicht so, dass Deutsche keine Filme mehr machen können. Aber die Förderung ist mMn an der falschen Stelle angsetzt.

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      1. Natürlich ist so ein Actionsaal für Ballerfilme klasse… keine Frage 😉 Aber irgendwie gibt es auch keine Independantkinos mehr. Zu Hause bei mir gab es früher auch ein Kino, da liefen ausschließlich nur Originale ohne Untertitel.
        Fernsehen schaue ich schon ewig nicht mehr 🙂
        Ich mag diese ganze Ablegerkacke überhaupt nicht. Heute muss ja schon jeder Superfuzzi seine eigene Reihe bekommen 😦
        Die Förderung geht garantiert in die falschen Töpfe 😉

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        1. Also hier gibt es noch zwei kleinere Kinos, eines hat aber z.B. in Heidelberg letztens zu gemacht und ein neuer Filmpalast wurde gebaut. Sie werden wohl nicht aussterben, aber gerade auf dem Land hat man wohl immer weniger Möglichkeiten
          Rogue One gesehen? Der wird zum Ende zu einem richtigen, klassischen Star-Wars-Film 🙂

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      2. Nach dem Desaster von Teil 7 habe ich dem Star Wars Universum komplett abgeschworen.

        Ich denke, das Kino an sich wird nie aussterben aber vielleicht können sich doch einige Kleine behaupten und sterben nicht weg.

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