Special: Alles neu bei den Oscars

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Die Entscheidung ist gefallen: Die Oscars öffnen sich der breiten Masse! Gleich drei Neuerungen gibt es bei den nächsten Verleihungen. Ein wichtiger Schritt, aber auch in die richtige Richtung? Als Filmfan ist man natürlich schnell dabei, die Neuheiten schlecht zu reden. Aber sind die Oscars die letzte Instanz zwischen Kunst und Kommerz? Oder doch nur eine veraltete Preisverleihung, die nur noch auf dem Papier einen Wert für die Industrie besitzt? Mal wieder Fragen über Fragen…

  • Neue Kategorie „Popularität“

Was machen Filmemacher, wenn ihnen nix mehr einfällt? Genau! Ein Remake. Man nehme das Alte und modernisiert es auf den aktuellen Stand. Die Verleiher von Preisen sind wohl ähnlich kreativ wie Hollywood-Produzenten. Schon bald wird es einen Oscar für „populäre“ Filme. Da es dazu keine Definition gibt, mache ich mir mal selber Gedanken. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass die fünf Filme nominiert werden, die am Meisten eingespielt haben. Davon wählt die Jury ihren Liebling. Nach dieser Regelung wären letztes Jahr folgende Filme in der neuen Kategorie:

„And now the nominees for best popular movie: „The Last Jedi“, „Beauty and the Beast“, „Wonder Woman“, „Jumanji“ and „Guardians of the Galaxy 2“ – And the winner is…“

OK, es wäre wirklich sehr witzig gewesen, wenn „GOTG2“ gewonnen hätte. Ein lächelnder James Gunn auf der Bühne, der sich brav bei Disney für die tolle Zusammenarbeit bedankt. Aber sonst, was wäre euer Favorit? Dieses Jahr könnte sich die Academy u.a. zwischen „Infinity War“ und „Black Panther“ entscheiden. Oder sie wählen einfach einen Pixar-Film. Die sind immer erfolgreich und auf einem guten Niveau. Das würde natürlich auch den Irrsinn dieser Kategorie offenlegen, wenn „Best Animation“ und „Most popular“ alle zwei Jahre an die Gleichen gehen. Aus meiner Sicht braucht keiner diese neue Kategorie. Ich glaube auch nicht, dass Millionen von Marvel-Fans die Oscars gucken, nur weil ihr Superheld vielleicht einen speziellen Preis gewinnen könnte. Gleichzeitig wird es die „alten weißen Männer“ bei den Awards nicht umstimmen. Sie werden es eher als einen Preis für Kommerz ansehen, während bei den anderen Kategorien die wahre Kunst zählt. Darüber lässt sich mit Sicherheit streiten, denn nirgendwo steht geschrieben, dass die besten Filme keine Blockbuster seien dürfen. Man denke nur an „Herr der Ringe“, „Titanic“ oder „Gladiator“. Durch die Aufspaltung in zwei „beste Filme“ wird nur noch mehr getrennt, anstatt einfach den besten Film stolz und selbstbewusst auszuwählen.  Das Problem mit den „alten weißen Männern“ die nur eine bestimmte Art von Film wählt, hat sich ja schon rein demografisch irgendwann erledigt.

  • Kürzere Sendezeit mit fiesem Beigeschmack

Ich gebe zu, von dieser Neuerung war ich im ersten Moment begeistert. Das liegt allerdings auch daran, dass bei uns die Oscars mitten in der Nacht zum Montag laufen. Für jede unnötige Minute weniger sind europäische Zuschauer also dankbar. Es bleibt jedoch die Frage, ob gerade diese „Minuten“ unnötig sind. Für alle die es noch nicht wissen: Die „langweiligen“ Technik-Preise sollen in den Werbepausen verliehen werden. Klar, bei der „besten Maske“ oder dem „besten Set-Design“ saß ich nicht wie elektrisiert auf meinem Stuhl und konnte es vor Spannung kaum aushalten. Mit einem „Bullshit-Bingo“ oder einem Tippspiel konnte man diese Zeit aber sehr gut überbrücken. Außerdem haben diese Menschen genauso hart an ihren Werken gearbeitet und öfter auch mal etwas Interessantes auf der Bühne zu sagen. Da haben mich manche Musikeinlagen oder schwache Gags mehr Nerven gekostet. Außerdem stellt sich wieder die Frage: Für wen wird diese Show gemacht? Filmfans schauen sich jede Kategorie an (oder nutzen die Zeit halt anders) und der normale Zuschauer will nur den besten Film wissen. Dann gibt es noch eine Mittelmenge, die sich auch für Regisseur und Schauspieler/in interessieren.  Gerade letztere können ja einfach (zumindest in den U.S.A.) später einschalten. Schauen jetzt also Millionen von Menschen mehr die Oscars, weil sie den Technik-Kram nicht mehr sehen müssen und sich auf „ihre neue Kategorie“ freuen. Ich bezweifele es stark. Vor allem, weil in den kleinen Kategorien öfter mal die Mainstream-Filme gewonnen haben.

  • Termin wird vorverlegt

Statt Ende Februar findet die Preisverleihung bald am Anfang des Monats statt. Diese Neuerung ist aus deutscher Sicht wirklich großartig und damit aus meiner Sicht die einzig sinnvolle Neuheit. Viele Verleiher bringen die Favoriten zur Oscar-Zeit in unsere Kinos, da es so eher zu einem Hype um die Filme kommen kann. Ihr kennt ja diese Gespräche wie „Hast du gehört, der Film hat 10 Nominierungen. Den müssen wir gucken!“ Ein früherer Termin bedeutet somit hoffentlich, dass die Streifen bei uns eher erscheinen. Die Kernprobleme der Academy Awards löst das aber auch nicht. Die Strukturen sind einfach zu fest gefahren, die Entscheider zu traditionell und die Show wenig kreativ. Man könnte diese Probleme anerkennen und einen wirklichen Neustart versuchen, mit einem guten Mix aus Tradition und Modernisierung. Das würde zwar nicht über Nacht zum großen Quotenerfolg führen, aber dafür den Preis nachhaltig und relevant halten.

13 Comments

  1. Zu dem Thema gibts morgen bei mir auch ein Newslichter Extrablatt, deswegen spare ich mir mal einen allzu ausführlichen Kommentar. insgesamt sind wir mit unseren Meinungen jedenfalls nicht allzuweit auseinander.

    Zur Terminverlegung hast Du aber mehr und Besseres zu sagen als ich. Du hast Recht, die Vorverlegung ist gerade hier wirklich sinnvoll.

    Die Oscars sollten weit bedeutungsloser sein als sie sind, aber wenn nächstes Jahr wieder 20 Prozent Einschaltquote wegbrechen, wer weiß wie lange es noch weitergeht. Die einzige Bedeutung, die ich ihnen beimesse ist, dass ein Gewinn bedeutsam für Schauspieler/Regisseure etc. sein kann, die ich mag. „Oscargewinner“ aufs Poster schreiben zu können oder es im Trailer zu sagen eröffnet eben doch ein paar mehr Türen und vielleicht bessere Projekte.

    Indiewire hat einen schönen Artikel mit neuen Kategorien, die sich wirklich lohnen würden:https://www.indiewire.com/2018/08/oscars-categories-new-casting-stunt-performer-voice-1201992411/

    Insbesondere Stuntleute verdienen mehr Respekt und nicht nur wenn Tom Cruise „alles“ selbst macht…

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    1. Die Gedanken zur Terminverlegung sind mir spontan gekommen, glaube aber nicht das es der wirkliche Grund dafür ist.

      Genau das! Selbst wenn man keine Preisverleihungen mag, öffnet der Preis gerade jungen Kreativen eine Tür. Die Macher großer Blockbuster brauchen diese Tür nicht bzw. wenn der Film wirklich außergewöhnlich ist, kann ja auch ein Blockbuster gewinnen.

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  2. Ich bin ziemlich zwiegespalten was die Kategorie-Erneuerung angeht. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass die Academy ein wenig von ihrem elitären Ross runter kommt. Ich glaube jeder der meinen Blog kennt weiß was ich von den ganzen Superhelden- und Franchisefilmen halte. Trotzdem unterhalten sie offensichtlich das Publikum, was eine Leistung ist, die es anzuerkennen gilt. Ob es dafür jetzt eine goldene Statue braucht, kann man nun diskutieren. Jedenfalls könnte (ich betone KÖNNTE) diese Änderung einen positiven Effekt haben. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich einige Leute, die mit Filmen jetzt nicht unbedingt so viel zu tun haben wie wir, die hier Beiträge wie diesen lesen oder gar kommentieren. Wenn ich denen einen Film wie z.B. „Blue Jasmin“ oder „Still Alice “ vorschlage, kommt überspitzt so was wie „Pfff… hör mir auf mit dem Oscar-Künstler-Scheiß“. Die Academy bewirkt mehr oder weniger gewollt eine Trennung zwischen „Kunst“ und „Film“. Das nervt michs schon seit einiger Zeit. Wen nun die „Filmfans“ ihre Lieblinge bei den Oscars mitmischen sehen, fühlen sie sich vielleicht auch offener der „Kunst“ gegenüber. Vielleicht…

    Auf der anderen Seite muss man natürlich die Frage stellen, wie sinnvoll eine Auszeichnung ist, wenn es gefühlt 100 Kategorien gibt. Ich halte es für wenig zielfühend, wenn im Jahr 20 Filme erscheinen, auf deren Plakat das Prädikat „Ausgezeichnet mit X Oscars“. Darunter „Beste Synchronstimme“, „Bester Filmkuss“, „Bestes Remake“ und „Bestes Filmdebut“. Vielleicht noch „Bestes Comeback“, „Bestes Spin-Off“ oder „Bestes Reboot“.
    (Mit dem letzten Absatz nehme Bezug auf den vom Kollegen Filmlichter geteilten Link, in dem ein paar Vorschläge tatsächlich sinnvoll sein könnten 😉 )

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    1. Also bei meinem Bekanntenkreis ist es ähnlich. Wenn ich einen Oscar-Film empfehle, kommt meistens nur ein ehrfürchtiges Nicken. Viele glauben einem dann zwar, dass der Film sehr gut sein muss, aber auch zu kompliziert, langatmig, melancholisch und eben nur was für Cineasten.
      Im Prinzip habe ich auch absolut nix dagegen wenn Blockbuster Oscars bekommen. Dieses Jahr hätten Dunkirk und blade runner auch mehr Preise verdient. Aber während alle anderen Kategorien einen Film besser machen können, hat Popularität absolut nix mit der Qualität zu tun. Und darum geht es für mich bei dem Preis, auch wenn man natürlich darüber streiten kann, ob immer die qualitativ besten Filme gewonnen haben.

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      1. Ich würde sagen in der langen Geschichte der Oscars haben immer die AUS SICHT DER JURY qualitativ besten Filme gewonnen. Das muss man sich einfach immer wieder vor Augen führen. Wenn in den 120 Jahren die Jury ausschließlich aus Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 18 bestanden hätte, wären wahscheinlich andere Sieger hervorgegangen. Jetzt stellt sich die Frage wer entscheidet, dass die Meinung der echten Oscar Jury mehr zählt als die der hypothetischen Mädels? Von daher sind die Diskussionen darüber immer recht schnell ermüdend 😉

        Du hast natürlich Recht, dass Popularität (in Form von Bewertungen oder Einspielerfolgen) einen Film nicht besser macht. Aber es sind zumindest „objektivere“ Kriterien als die Meinung ein paar elitärer Schnösel 😛

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        1. Ich finde, dass wäre alles nicht so schlimm. Ob elitäre Schnösel den Preis vergeben oder Teenager-Mädchen – Es bleibt die einseitige Meinung einer Jury. (Am besten wäre diese natürlich mit den unterschiedlichsten Leuten aus der Industrie besetzt).
          Wenn ein Filmpreis seine Awards mit einer Jury vergibt, sollten sie diese auch selbstbewusst vergeben. Ganz nach dem Motto:
          Wir sind Hollywood und das sind unserer Meinung nach die besten Filme. Uns ist egal wer den Film gemacht (weiß, schwarz, arm, reich usw.), von welchem Studio sie kommen, wie sehr ihn die Leute mögen oder wie skandalös der Film war. Die Oscars sind der Querschnitt einer großen, amerikanischen Hollywood-Jury.
          So eine Haltung wäre vielleicht nicht massenkompatibel, aber es würde den Preis wichtig halten. Was sonst passiert, sehen wir wenn Preise vom Jury-Prinzip zum Publikumsgeschmack übergehen *Hust* Echo *Hust*

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  3. Ich habe noch nie eine Oscar-Verleihung von Anfang bis Ende geschaut. Zum einen ist mir das einfach zu lang und die Sendezeit – sofern man live gucken möchte – ist für Menschen, die sich ihre Lebensunterhalt mit oder oder weniger ehrlicher Arbeit verdienen müssen, einfach grottig.
    In der zusammengedampften Fassung beschränkt sich das Ganze natürlich auf die klassischen Highlights wie Bester Film, Beste/r Schauspieler/in, Beste Regie usw. Aber das reicht mir auch aus. Wenn mich einer der nominierten Filme interessiert, gibt es genug andere Quellen, um ausführliche Informationen zu bekommen.
    Ich vermute, dass die angesprochenen Änderungen auch damit zu tun haben, dass die Oscar-Verleihung weltweit an Renommee, und damit auch an TV-Zuschauer, verloren hat. Und letztlich geht es den Machern ja auch darum, möglichst viele TV-Rechte teuer zu verkaufen. Bleibt abzuwarten, ob sich das dann letztlich rechnet.

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    1. Ich gucke die Oscars seit 4-5 Jahren komplett. Ich kann mir meine Faszination auch nicht ganz erklären, denn meistens bin ich eher davon gelangweilt.
      Aber für mich ist es so ähnlich wie ein Sportfinale. Man diskutiert mit Kumpels (direkt oder whatsapp), hat sein tippspiel vor sich liegen, schaut auf einem second screen anderen beim rumblödeln zu und liest sich die Diskussion auf Twitter durch. So bekomme ich die Nacht immer ganz gut rum 😁

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