Review: Sicario 2

Review_Sicario2

Erscheinungsjahr: 2018

Herkunft: U.S.A.

Regie: Stefano Solima

Vor ein paar Jahren hat Denis Villeneuve mit „Sicario“ auch den Letzten bewiesen, dass er zu den größten Regisseuren unserer Zeit gehört. Zwar halte ich den ersten Teil nicht für das absolute Meisterwerk, aber eine tolle Atmosphäre und fantastische Bilder kann man dem Film mit Sicherheit nicht abstreiten. Kann „Soldado“, auch ohne einen Großteil der Beteiligten, da mithalten?

  • Tag des Soldaten

Eigentlich sagt der englische Original-Titel schon sehr viel über den Film aus. Statt „Day of he Soldado“ bekommen wir nur eine schnöde „2“ hinter dem Namen. OK, deutsche Filmplakat-Übersetzter muss man nicht verstehen, aber eine Fortsetzung kenntlich zu machen ist wenigstens halbwegs nachvollziehbar, wenn auch sehr schade. Denn um den „Tag der Soldaten“ geht es in „Sicario 2“. Dabei ist es egal, ob der Soldat erwachsen oder jung ist, ein Profi oder am Anfang seiner Karriere ist oder gar nicht ein Soldat sein will. Zumindest will die amerikanische Regierung kämpfen. Das Ziel heißt dieses Mal: Mexikanische Drogenkartelle. Diese haben wohl angeblich angefangen, Terroristen zu schmuggeln und somit entschließt man sich einen Drogenkrieg in Mitten des Landes zu starten. Die auserwählte Gruppe besteht für die Zuschauer aus genau zwei wichtigen Personen. Josh Brolin heuert Benicio del Toro an, der ja bekanntlich noch eine Rechnung mit einem der Drogenkartelle offen hat. Alles läuft glatt, bis die Tochter eines Bosses entführt wird und dieser Vorfall einem anderen Kartell in die Schuhe geschoben werden soll. Parallel wird zum Chaos der Hauptstory ein Nebenstrang erzählt, der dieses Mal einen Jungen im Fokus hat, der mit Menschenschmuggel Geld verdienen und sich den Respekt seiner Kollegen erarbeiten will.

  • Spielt den gleichen Film nochmal!

„Sicario 2“ hat viele Aspekte, bei denen sich die Geister scheiden werden. Egal ob es die Erzählstruktur der Story, die Kamerafahrten oder die Actionsequenzen sind – Teil zwei versucht fast in jeder Minute dem Original nachzueifern. Im besten Fall ist es als Hommage gedacht, als Kritiker könnte man es aber auch als billigen Abklatsch niederwerten. Für mich machte „Sicario“ die besonderen Momente aus. Wer erinnert sich nicht an die Szenen auf dem Highway oder das bittere Ende? Genau diese Szenen versucht die Fortsetzung in anderer Form wieder zu gestalten. Tatsächlich hat es für mich funktioniert. Auch „Soldado“ hat diese besonderen Momente, die einem das Blut gefrieren lassen oder die einen vor Spannung in den Sitz drücken. Im Original wurde der Rest oftmals mit vielen ruhigen, wenn auch schönen, Bildern aufgefüllt. Teil Zwei setzt da eher auf Dialoge zwischen dem Haudrauf-Amerikaner (Brolin) und dem eher wortkargen Auftragsmörder (Del Toro). Beide Varianten haben mich nicht wirklich überzeugt. Jedoch ist es auch echt schwierig, einen guten Mix zu finden. Während ich bei anderen Filmen den übertriebenen Pathos kritisiere, wird einem hier die Amerika-Kritik fast schon eingeprügelt. Öfters saß ich im Kino und hätte am liebsten den Autoren eine SMS geschickt, dass sie sich mal wieder auf ihre wirklich guten Charaktere konzentrieren sollen. Die Geschichte, welche nach dem Überraschungserfolg eher wahllos zusammengeschrieben wirkt, kommt auch mit allen Mühen nicht zu Entfaltung. Ich hätte mich daher über etwas mehr Charakterzeichnung gefreut, als die ständige Frage „Wer ist hier der Böse?“. Spätestens zum Ende wird diese Frage nämlich eindeutig geklärt und der Großteil der Charaktere ist auch beim finalen Showdown noch blass geblieben. Eben bei diesem kommen dann noch ein paar ärgerliche Logiklöcher hinzu. Die Tatsache, dass wir hier den Mittelteil einer Trilogie sehen, gilt dabei nur bedingt als Ausrede.

  • Fazit – Copy – Paste

Beim ersten Teil hatte ich mit einigen Schwächen meine Probleme, jedoch haben einzelne überragende Szenen den Karren aus dem Dreck gezogen und mir ein großartiges Kinoerlebnis bereitet. Diese Wertung kann ich auf „Sicario 2: Soldado“ wieder genauso übertragen, auch wenn die Schwächen dieses Mal etwas anders waren. Die Story hat Potenzial, welches aber komplett untergeht. Die Charaktere sind interessant, werden aber meistens nur mit einem emotionalen Halbsatz beleuchtet. Dagegen steht die Kameraarbeit und das besondere „Etwas“. Die fantastischen Aufnahmen täuschen auch bei der Fortsetzung einen großen Film vor und diese Taktik geht Stellenweise sogar auf. Der große Unterschied: Auf dem Kinoplakat steht dieses Mal nicht Villeneuve und Deakins drauf. Aber ihre Nachfolger haben hier einen wirklich guten Film abgeliefert, der an einigen Stellen brilliert und anderen eher enttäuscht. Bei Teil Drei kann dann alles zusammengebracht werden und vielleicht reden wir in ein paar Jahren von der großen „Sicario-Trilogie“. Zur Zeit trauere ich den Kinotickets zwar nicht hinterher und beim heutigen Blockbuster-Niveau kann man sich über solche Filme wirklich freuen, jedoch gelang den Machern bei weitem auch nicht der große Wurf.

Sicario2

2 Comments

  1. Erstaunlich: Ich Sehe ganz ähnliche Schwächen wie du, habe aber auf Letterboxd die gleiche Wertung vergeben, die ihn ja trotzdem als guten Film ausweist ^^
    Ich denke, es ist vor allem der direkte Vergleich mit dem Vorgänger, der Teil 2 so sehr „schadet“.

    Gefällt 1 Person

    1. Gerade deine Kritik gelesen und wir sind uns ja ziemlich einig 😀
      Ich habe ja die These, umso mehr man den ersten liebt, umso mehr mag man den zweiten nicht. Es ist halt ein schmaler Grad zwischen Kopie und Inspiration.
      Ich mochte Teil 1, habe ihn aber nie als ganz großes Meisterwerk gesehen. Somit ging ich relativ entspannt ins Kino und war eher überrascht, dass es keine billige Fortsetzung geworden ist 😀

      Gefällt 1 Person

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