Propaganda im Film (am Beispiel „Animal Farm“)

Special_Propaganda

Wieder so ein flockig leichtes Thema für die ganze Familie! Aber gleich zu Anfang: Dies hier wird kein Text über die Geschichte der Propaganda, über das berühmte Wirken während der NS-Zeit oder gar ein faktenüberströmtes Essay. Nur durch Zufall habe ich in den letzten Wochen selbst Erfahrungen mit „Propaganda in Filmen“ gemacht und das hat mich zu einer Frage geführt: „Wie anfällig sind wir im Jahr 2018 noch für Propaganda-Filme?“

  • Ein bisschen Geschichte muss sein

Es gibt so ein paar Worte, die wohl auf ewig einen schlechten Ruf haben. „Propaganda“ ist so eins. Eigentlich bedeutet es nur, eine Idee oder Weltanschauung zu verbreiten. Im Prinzip also nichts Schlimmes und in heutigen Zeiten ist benutzerdefinierte Werbung auch nichts anderes. Aber natürlich wissen wir alle, was zielgerichtete Propaganda über Massenmedien für Auswirkungen hat. Über Kino, Radio und Zeitung wurde im 20. Jahrhundert die öffentliche Meinung bestimmt. Besonders durch die „neuen“ Medien ließen sich Menschen schnell beeindrucken. Natürlich denken wir dabei an die menschenverachtenden Ideen der Nazis, aber gezielte Propaganda wurde überall in der Welt betrieben. Die Disney-Zeichentrickfilme mit „Soldat Donald Duck“ hat wahrscheinlich jeder schon mal in den Weiten des Internets gesehen. Am Berühmtesten sind jedoch die Propaganda-Dokus von Leni Riefenstahl. „Triumph des Willens“ oder „Olympia“ stellen Filmfans noch heute auf die Probe. Es sind wirklich beeindruckende Filme, aber darf ich die überhaupt gut finden? Oder muss man Künstler und Politik trennen? Eine sehr interessante Frage, die wir bei heutigen Diskussionen um Kevin Spacey und Co. wiederfinden. Die Trennung von Kunst und Künstler ist aber eine Frage für einen eigenen Beitrag. Back to Propaganda! Aus heutiger Sicht haben wir (bzw. die meisten) keine Probleme mehr mit Filmen der Nazi-Zeit. Wir sind alle gut aufgeklärt und können uns die Streifen mit einem differenzierten Blick ansehen. Also kann den intelligenten, weltoffenen und gebildeten Menschen von heute keine Propaganda mehr erreichen?

  • Mein persönlicher Propaganda-Schock

Um zu verstehen, was ich mit diesen Beitrag ausdrücken will, beschreibe ich jetzt einfach meine Situation der letzten Wochen. Vor etwa einem Monat lief auf Arte „Animal Farm – Aufstand der Tiere“. Was ich bis dahin wusste war, dass der Autor des zu Grunde liegenden Buches (George Orwell) auch den dystopischen Klassiker „1984“ geschrieben hat und den berühmten Satz „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher“. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es wohl für viele Schullektüre war. Wir haben damals „Im Westen nichts Neues gelesen“. Auch ein tolles Buch, aber über diese Zeit ist wohl jeder Schüler in Deutschland mehr als genug aufgeklärt. Beim Thema von „Animal Farm“ wissen wohl nur die wenigstens wirklich gut Bescheid. Da haben wir auch schon ein Problem: Unwissenheit! Merken, das wird später noch wichtig. Kommen wir aber zurück zum Filmabend mit „Animal Farm“. Der Streifen geht etwa 70 Minuten, die Animationen sind OK und dem Ton merkt man seine 65 Jahre deutlich an. Die grobe Geschichte kennt wohl jeder irgendwie. Die Tiere vertreiben ihren Herren und machen fortan alles selbst. Die Schweine sind jedoch schlauer als die anderen und reißen die Macht an sich. Das Grundprinzip der Tiere („Alle Tiere sind gleich“) wird dann wie bekannt irgendwann verändert. Am Ende freunden sich die Schweine mit den verhassten Menschen an und die übrigen Tiere haben endlich genug von ihrem Diktator und rufen die Revolution aus…Halt! Stop! Hier stimmt was nicht! Aber erstmal nahm ich das Ende so hin. Wie bei fast jedem Film lese ich mir danach Kritiken durch und was sehen meine verwunderten Augen: „Animal Farm“ soll ein Propaganda-Film sein?

  • Die (un-)bekannte Wahrheit

Viel Arbeit in die Recherche zu den Hintergründen musste ich nicht investieren. „Google ist dein Freund“ sagt man ja gerne mal und hier stimmt es auch. Es gibt nämlich zwei gewaltige Unterschiede zwischen dem Buch und dem Film. Autor Orwell erzählte in seinem Werk die Geschichte des Kommunismus nach. Vom alten, weisen Schwein (Marx) bis zum Tyrann, der die anderen Tiere für seine Macht arbeiten lässt (Stalin). Alle Charaktere und Klassen jener Zeit sind hier durch Tiere und deren Persönlichkeit vertreten. Jetzt ist mir auch bewusst, warum so viele Leute dieses Werk in der Schule gelesen haben. Die Story für den Film etwas zu vereinfachen ist allerdings noch nicht das Verbrechen. Es ist zwar schade, weil so nichtmehr ganz die Parabel zwischen den realen Ereignissen und der fiktiven Geschichte zu erkennen ist, aber verschmerzbar. Am Ende bleibt doch die Botschaft? Hier liegt der Hund begraben! Das Ende wurde wissentlich verändert. Im Buch gibt es keine Revolution, sondern die Schweine und Menschen spielen zusammen Karten. Beide spielen ein Ass und es kommt zum Streit (der nahende kalte Krieg). Das wirkliche Ende habe ich durch das Internet herausgefunden, aber bevor Wikipedia wieder irgendein Mist erzählt, habe ich mir das Buch einfach selber ausgeliehen.

  • Die Moral von der Geschicht´, die gibt es nicht

Bringen wir mal alles zusammen. Das Original-Buch erzählt mit Tieren die wahre Geschichte nach und bezieht selber keine Position. Es kann jedoch (wie die wirkliche Story von Marx bis Stalin) verschieden interpretiert werden. Die einen halten Marx für einen Visionär und großartigen Ökonomen, die anderen machen ihn für Millionen von Toten verantwortlich. Genau so ist ja auch die Idee des Kommunismus umstritten. Allgemein hört sich „Alle Tier…ähh Menschen sind gleich“ ja super an, aber in der Praxis hat uns die Geschichte eines besseren belehrt. Ein Buch und verschiedene Interpretationen bedeutet: Keine Propaganda. Der Film kann auch ganz lange interpretiert werden, bis eben zum Ende. Ich stelle einfach mal eine These auf: Sieht ein normaler Mensch (Kein Geschichtsprofessor!) den Film „Animal Farm“ und man sagt ihm, es geht um Kommunismus, dann würde nur eine Meinung dabei heraus kommen. Viele würden vielleicht sogar sagen, dass das alte Schwein vom Anfang (Marx) mit seinen Revolutions-Ideen an allem Schuld war. Es gibt beim Film keine Interpretationsmöglichkeit. Das zeigen schon die Kritiken auf den Wertungsportalen. Da gibt es zwei Meinungen: Die vollkommen unpolitischen Kommentare und die, welche das Buch gelesen und für sich interpretiert haben. Letztere sind natürlich schockiert von dem Ende und es hagelt Ein-Sterne-Bewertungen. Ach ja, eine Kleinigkeit habe ich noch vergessen. Der Film wurde von der CIA finanziert (keine Verschwörungstheorie, HIER mal ein Beitrag dazu). Damals sollte der Film Stimmung gegen den Kommunismus machen, welchen die U.S.A. überall bekämpften. Mehr oder weniger erfolgreich. So etwas hat natürlich in den 50ern funktioniert. Aber ich habe ja mit meinem Artikel gerade bewiesen, dass die Propaganda heute nicht mehr funktioniert. Zwei Klicks bei Google und schon habe ich mir eine eigene Meinung gemacht. Außerdem hat ja jeder heute eine Meinung zum Allem. Egal ob man die Wahrheit über den Film kennt oder nicht, wird einem das heute nicht mehr vom Gegenteil überzeugen oder eben halt andersherum.

  • Sind denn alle verrückt geworden

Ich habe diesen Artikel vor ein paar Wochen angefangen und eigentlich sollte hier nun ein klares Fazit kommen. Dieses würde lauten:

„Wir sind heute noch genauso anfällig für Propaganda wie die Menschen damals. Dies gilt aber nur für Themen, bei denen wir nicht sehr aufgeklärt sind (z.B. durch zu wenig Zeit in der Schule). Durch neue Medien haben wir aber den großen Vorteil, innerhalb von Minuten eine halbwegs zuverlässige Quelle für die meisten Themen zu bekommen. Würde heute also ein Anti-Flüchtlingsfilm in die Kinos kommen, könnten wir die Fakten nach dem Kino ganz schnell nachprüfen und uns eine eigene Meinung bilden. Also hätten Propaganda-Filme heute noch einen gewissen Einfluss, dieser wäre aber bei weitem nicht so stark wie damals.“

Eine schöne Theorie, welche aber leider falsch ist. Denn erstmal haben Menschen sehr gerne Recht. Wenn nun ein Film (oder ein anderes Medium) die eigene Meinung bestätigt, dann werden die wenigsten auf Fakten-Suche gehen. So passiert beim neuesten „Planet der Affen“-Film. Dort wird die Menschheit immer dümmer und die intelligenten Affen übernehmen die Weltherrschaft. Natürlich wunderbar symbolisiert durch eine brennende amerikanische Flagge. Daraufhin wurde ImdB mit schlechten Bewertungen überflutet und konservative US-Bürger werfen Hollywood anti-amerikanische Propaganda vor. Für die einen ist es berechtigte Gesellschaftskritik und für die anderen eine Verschwörung der linken Künstler-Szene von Los Angeles.

  • Ein kleines Gedankenspiel

Aber was würde passieren, wenn z.B. ein deutscher Film in die Kinos kommt, der die Agenda hat, dass man bitte keine Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten soll. Ein gewisser Herr aus dem Innenministerium hätte damit bestimmt kein Problem. Dieser Film würde finanziert werden durch den deutschen Film-Fond, in den Hauptrollen sehen wir Veronika Ferres als „starke“ Politikerin und Dieter Hallervorden als Rentner-Gutmensch auf einem kleinen Boot. Ihr merkt schon, das Ganze würde auf den aktuellen Ereignissen basieren. Aber wie bei „Animal Farm“ ändern wir das Ende. Ein geretteter Flüchtling hängt nicht irgendwo in Malta rum, sondern verübt einen Anschlag in Deutschland. Ein solcher Film wäre für mich eine Horrorvorstellung, aber was würde bei den Kinozuschauern passieren. Meine These: Die einen würden den Film abfeiern, die anderen würden ihn zerreißen und Millionen von Menschen hätten einen Propaganda-Film im Kino von 2018 gesehen. In den Diskussionen würden wir dann Argumente aus diesem Film hören, ganz egal ob die Fakten dies bestätigen oder widerlegen. Egal ob auf Social-Media oder in Talkrunden, wie oft argumentieren alle schon mit quellenbasierten Fakten. Eine emotionale Szene aus dem größten Kinofilm des Jahres bietet sich da viel mehr an. „Animal Farm“ und jeder andere Propaganda-Film versucht mit realen Situationen und geänderten Details die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Ich glaube, es hat im Kalten Krieg funktioniert und würde auch bei den hochemotionalen Diskussionen von heute gut klappen. Wie könnten wir das Ganze ändern? Die Meinungen lassen sich schwer verändern (außer mit „Gegen-Propaganda“, aber das ist ja auch nicht die Lösung). Jedoch halte ich Medienkompetenz und Aufklärung für ein wichtiges Mittel. So könnte man schon in der Schule das Buch und den Film von „Animal Farm“ vergleichen und mit Hilfe des Internets recherchieren. Dafür müsste das Internet und dessen Umgang auf die Tagesordnung der Schüler. Dazu machen die großen Morgen- und Mittagsmagazine für die Rentner eine große Reihe über „Fakten checken im WWW“ und die „Rudelbildungen auf Social Media“. Fragt sich nur, ob die Entscheider solcher Reformen so eine große Kampagne überhaupt möchten. Dann könnte man den schönen Film mit Veronika Ferres ja gar nicht mehr produzieren…

So das war mein Text zum Thema „Propaganda“. Ich habe hier einfach mal meine Gedanken der letzten Wochen gesammelt und daher weiß ich nicht wirklich, ob man dem Text gut folgen kann. Aber mich interessiert eure Meinung zur Frage „Funktionieren heute noch Propaganda-Filme?“ und habt ihr damit schon Erfahrungen gemacht?

47 Comments

  1. Wow, ein toller Artikel. Da hast du dich wirklich reingehängt. Chapeau.
    Ich zähle zu denen, die Animal Farm noch in der Schule gelesen (deutsch und englisch) und den Original-Film (ebenfalls in 2 Sprachen) gesehen haben. Aber ich bin noch nicht ganz so alt wie „Didi“ Hallervorden, auch wenn ich als Kind „Nonstop Nonsens“ geliebt habe.
    Ganz klar, Propaganda funktioniert auch heute noch an jedem einzelnen Tag. Grade in Zeiten, in denen Populismus, rüder Umgang in Sprache und Handeln miteinander und das verdrehen von Fakten salonfähig geworden sind, besteht immer die Gefahr, das plakative „Wahrheiten“ die Maßen ansprechen und zur Meinungsbildung führen.
    Damit die weiteren Ausprägungen von Propaganda, wie wir sie im eigenen Land so schmerzlich erfahren mussten, aber wirklich eine entsprechende Wirkung erzielen, braucht es aber wohl einiger Umstände mehr. Zum Beispiel:

    – eine (vermeintliche) Bedrohung von außen
    – eine allgemeine schlechte wirtschaftliche Lage mit hoher Arbeitslosigkeit und geringer Kaufkraft
    – ein Gefühl des „nicht ernstgenommen werden’s“ durch die Staatengemeinschaft
    – Eliten, die sich von der Allgemeinheit entfernen, und ihren Wertekatalog als allgemein gültig ansehen

    Sicher eine unvollständige Aufzählung, aber der eine oder andere Faktor liegt derzeit – mal mehr oder weniger stark ausgeprägt – auch in unserem Land vor. Dennoch glaube ich fest daran, dass es die ganz große Mehrheit noch sehr wohl erkennen kann, wenn sie an einen demagogischen Verführer geraten. Leider wird dieser Gruppe aber viel zu oft von den schwätzerischen Gernegroß niedergebrüllt.

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    1. Vielen lieben Dank für die Blumen 😁
      Ich sehe es ähnlich und glaube nicht, dass uns bald eine Reihe an populistischen Filmen erwartet. Obwohl aus rechter Sicht wahrscheinlich alles aus Hollywood Propaganda ist. Jedoch gibt es gerade eine Veränderung und mich würde ein Film über Flüchtlinge heute nicht mehr wundern. Leider…

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  2. Toller Artikel. Fast jeder Film ist ist auf die ein oder ander Weise Propaganda. Auch heute noch! Hollywood und das deutsche Kino sind allerdings an einem Punkt, wo Propaganda nicht mehr so offen dargestellt wird wie zum Beispiel im dritten Reich und zum Teil hat sich die Propaganda auch auch andere Kanäle wie Facebook, Twitter und & Co. verschoben,

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    1. Ich möchte dir da nicht widersprechen, allerdings hat der Begriff für mich zwei Bedeutungen. Na klar haben Filme oftmals eine Botschaft und auch eine Agenda, die sie mal mehr oder weniger deutlich zu Schau stellen. Das Beispiel mit dem neuesten „Planet der Affen“ finde ich da ganz gut.
      Aber eine übergeordnete soziale Überzeugung (die im Zweifel auch noch menschenverachtend ist) wird im heutigen Kino wohl nicht mehr propagiert oder durch staatliche Mittel gefördert bzw. in Auftrag gegeben, Mir fällt auch kein aktueller Film ein, der die Fakten so dreht, um damit aktiv Propaganda zu betreiben. Aber ja, Filme die Meinungen verändern oder manipulieren wollen gibt es heute mit Sicherheit. Ich glaube aber nicht, dass es wie bei „Animal Farm“ so gesteuert und aktiv funktioniert.

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      1. *Mir fällt auch kein aktueller Film ein, der die Fakten so dreht, um damit aktiv Propaganda zu betreiben. Aber ja, Filme die Meinungen verändern oder manipulieren wollen gibt es heute mit Sicherheit.*

        Die gibt es doch ständig… .
        Auffällig war, dass zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise und danach auf einmal eine Menge Filme über die NS-Zeit ausgestrahlt wurden.
        Oder beständig Filme / Dokus über Flucht und die Zustände in den Flüchtlingslagern. Beides ist zuzugebenermaßen ein wenig abgeflaut.

        Ganz berüchtigt war ein Film, in welchem eine deutsche Familie nach Südafrika flieht und um Asyl bietet. Linke Medien wie Die Zeit und TAZ fanden den ganz superduper, die FAZ hat ihn zerlegt und die mir bekannten Leute, welche sich den Film antun wollten, nach spätestens 30 Minuten wütend ausgeschaltet haben.

        Das Gute an der heutigen Propaganda ist, dass sie so holzhammerartig daherkommt, das man sie gleich als solche erkennt. Ds ist auch der Grund, warum viele, inklusive mir, gar kein TV mehr sehen, weil sie sich beständigen Erziehungsversuchen ausgesetzt sehen. Außer mal einer Doku, der Wetterschau auf dem HR und der Hessenschau, sehe ich nur noch Klassiker im TV.

        Wie jemand mal auf ZeitOnline sinngemäß über das Fernsehprogramm schrieb:* Entweder man soll erzogen werden, oder es geht um Ehe-/Familienprobleme oder um Mord. Was für eine Gesellschaft wird da eigentlich abgebildet?*

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      2. Wobei die Propaganda die ganzen öffentlichen Medien durchzieht:
        1.) Kürzlich hörte ich den Krimi Puntland*. Da ging es nicht um den Krimi, sondern darum, dass der Autor seine Thesen vorstellen kann, wie der Westen Afrika ausplündert. Dann soll er keinen Krimi schreiben, sondern einen Podcast zu Thema.

        2.) Auch nicht besser CAIMAN CLUB, wenn auch sehr unterhaltsam und für mich daher ein Hörspieltipp. Aber das Bild des unmoralischen Lobbyisten wird in den Kopf geprügelt.

        *https://buecherhoererin.wordpress.com/2018/06/29/holger-siemann-puntland-krimi-um-landraub-und-mord/
        **https://buecherhoererin.wordpress.com/2018/07/22/edgar-linscheid-und-stuart-kummer-caiman-club/

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        1. Also erstmal freue ich mich darüber, dass mein Artikel dich scheinbar zum Nachdenken angeregt hat, sonst hättest du wohl kaum so viele Kommentar geschrieben 🙂
          Ein paar Sachen habe ich dann aber doch entgegenzusetzten (zu allen Kommentaren):

          1. Propaganda ist nicht gleich Propaganda: Wenn 2015 ganz viele Filme über die NS-Zeit rauskamen, ist das ein subjektives Gefühl. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, wo im deutschen Fernsehen und Kino nicht ein Film über die NS- oder DDR-Zeit kommt. Jedes Land hat ein paar „berühmte“ Jahre in ihrer Geschichte und die werden filmisch immer und immer wieder umgesetzt. Der Unterschied zu z.B. wirklichen Propaganda-Filmen: Da steht kein Chef dahinter und sagt „Wir brauchen jetzt richtig viele Filme gegen die Nazis“. Da kommen die Regisseure und Autoren schon selber drauf, dass sich damit immer Geld machen lässt und vllt auch der ein oder andere Preis abstauben lässt 😀

          2. Die Künstlerszene: Film ist in aller erster Linie Kunst. Ich kann mich jetzt spontan an keine „rechte“ Kunst erinnern. Wagner vielleicht noch, aber allgemein sind wir uns einig, dass Künstler- und Filmszene eher links eingestellt ist. Das spiegelt sich auch in den jeweiligen Werken wieder und es wäre eher Propaganda, wenn jemand sagt, wir finanzieren zu jedem „linken“ Film auch noch einen Gegen-Streifen. Das wäre ein wirklicher Eingriff in die Kunstfreiheit. Was Zeitungen über irgendwelche Fernsehfilme schreiben ist mir vollkommen egal. Schau dir mal das Durschnittsalter von ARD und ZDF-Filmen an. Das ist seichte Kost, davon wird nichtmal Oma Erna vom Schaukelstuhl gehauen. Wenn das die aktuelle Macht an Propaganda ist, dann mach ich mir wirklich wenig Sorgen.

          3. In einem Punkt gebe ich dir aber völlig Recht: Deutsche Filme haben immer was „Oberlehrer“ mäßiges und wollen ihre Botschaft (die jeder FIlm hat, das hat nix mit Propaganda im heutigen Sinn zu tun) viel zu stark Ausdruck verleihen. Subtil gibt es da nicht. Aber das liegt auch an den Schauspielern, die im Theater besser aufgehoben wären. Das ist halt die deutsche Mainstream-Filmkunst, die sich seit den Heimatfilmen nicht weiterentwickelt hat. Ausnahmen wie „Toni Erdman“ bestätigen hier wie immer die Regel 😀

          4. Kleines Gegenbeispiel: „Fack ju Goethe“ ist ein furchtbarer Film, aber er stellt Ausländer- und Hartz-IV-Teenager als unglaublich dumm und unerzogen da. Ist das jetzt Gegenpropaganda? Der wird auch von Film-Fond-Geldern bezahlt und da kommen die angesprochenen Gruppen eher nicht so gut weg. Aber da hatte halt jemand die dumme Idee für diesen Film und es war kein politscher Auftrag oder staatliche Lenkung. Alles andere wäre eine Verschwörungstheorie, aber eben kein Fakt.

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      3. Weiteres Beispiel, gerade gefunden: https://guenterkeil.wordpress.com/2018/07/25/max-annas-finsterwalde-rezension-literaturblog-guenter-keil/ *Die Handlung spielt in naher Zukunft. Es regiert eine nationalistische Partei, die alle Bürger ohne deutsche Wurzeln abschiebt oder zunächst auf unbestimmte Zeitkaserniert..* Wieder so ein Propagandaversuch, der den Leuten wohl eine AfD-Regierung vor Augen führen soll – nur, dass man deren Wähler auf diese Art und Weise gaar nicht mehr erreicht.

        Ich habe drei skandiandische Krimi ergelesen, welche mir erklären wollten, was ich über Flüchtlinge zu denken habe.

        Es macht echt keinen Spaß mehr, noch aktuelle Medien zu konsumieren.

        Natürlich hat jeder Filmemacher ein Anliegen, eigentlich wollte ich für die Filmchallenge *Die letzte Kriegerin* sehen, welche sich mit den Maori beschäftigt. Das ist ja auch ok, ein Anliegen zu haben, wie z.B. die sozialen Probleme bei den Maori, aber wenn man nur noch eine Sicht der Dinge vorgesetzt bekommt, dann macht man zu und ist gar nicht mehr erreichbar.

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        1. Das ist jedoch für mich ein anderes Problem. Natürlich wollen Künstler gerade in der jetzigen Zeit ein Zeichen mit ihrer Kunst machen. Wenn das alle machen, kommt es zur Überflutung des Marktes und man ist schnell gelangweilt und genervt.
          Ich bin da zwiegespalten. Auf der einen Seite denke ich mir auch oft, dass Filme oder Bücher zu stark auftragen und unbedingt die Tränendrüse erreichen wollen. So etwas ist mir dann auch oft zu stumpf. Jedoch will ich mich nicht abhärten, sonst sehe ich irgendwann tote Menschen im Mittelmeer und fühle nichts mehr. An diesen Punkt will ich auf keinen Fall gelangen. Aber umso mehr man hört, liest und sieht, umso mehr stumpft man auch ab. Es gibt jedoch keine Lösung. Wir können schlecht den Künstlern etwas verbieten und die greifen nunmal oft aktuelle Themen auf. Manche besser, manche schlechter…

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          1. *Natürlich wollen Künstler gerade in der jetzigen Zeit ein Zeichen mit ihrer Kunst machen.*

            Dann erreichen sie mich nicht mehr. Dann sehe ich alte Filme und lese alte Bücher. Ich akzeptiere es nicht, wenn ich z.B. einen Krimi lesen möchte und in drei (!) skandinavischen Krimis über Flüchtlinge belehrt werde. Dann verlieren sie mich als Kunden und auch als Leser.

            Filmemacher natürlich genauso.

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            1. Aber belehrt nicht auch „Schindlers Liste“ oder „Im Westen nichts Neues“? Ich habe die Bücher nicht gelesen, aber Literatur/Kunst mit klarer Meinung zum aktuellen Zeitgeschehen gab es doch schon immer. Wenn die Bücher wie ein Lehrer dem Leser alles erklären und ein möglichst schlechtes Gewissen einreden wollen, dann sind es einfach schlechte Bücher. Es gibt aber noch genug aktuellen Kram, die Probleme z.B. in eine Satire verpacken oder wirklich spannend erläutern.

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      4. 1.) Es ist nicht nur mir aufgefallen, dass mit dem Beginn der Flüchtlingskrise auf einmal unglaublich viele NS-Filme gesendet wurden. Zufall ist das bestimmt nicht gewesen. Ein weiterer Höhepunkt war im Vorfeld der BTW, nach dem Motto *Das passiert, wenn ihr die böse AfD wählt.* Ich nenne sowas Propaganda.

        Und dieser berüchtige Südafrika – Film mit der geflüchteten deutschen Familie – auf den wäre selbst Goebbels noch stolz gewesen.

        2.) Dann wird die u.a. linke Künstlerszene dafür sorgen, dass sich das Land immer weiter spaltet. In der Kommentarspalte der verlinkten Buchrezi kannst du das live verfolgen: Die Leute, deren Meinung das wiederspiegelt, saugen diese Medien auf wie ein trockener Schwamm, die anderen wenden sich umso entschiedener ab.
        Zwischen gut gemeint und gut gemacht ist ein gewaltiger Unterschied.

        Fack ju Goethe habe ich nie gesehen.

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        1. 1. Also mir ist es nicht aufgefallen und solange es dazu keine Quelle gibt, bleibt es nur dein Eindruck und kein Fakt. Ich rege mich schon immer darüber auf, dass in Deutschland fast nur Filme über die NS- und DDR Zeit gedreht wurden. Für mich hat es nicht zu genommen, sondern die Zahl ist gleich hoch gewesen. Aber Filme haben nicht die Aufgabe die gesellschaftliche Meinung gleichermaßen wieder zu spiegeln. Kunstfreiheit bedeutet alles zu machen worauf die Künstler Bock haben. Da fühlen sich natürlich viele dazu berufen, aktuelle Themen aufzunehmen. Die Fehler in der Berichterstattung vor der BTW kommentiere ich mal nicht, aber es stimmt schon, dass es da mehr um Stimmung ging, als um Fakten und Sachlichkeit. Die AFD freuts…

          2. Gibt es eine Alternative? Der Künstlerszene sagen, was sie zu produzieren haben? Es gibt auch genug Filme, die richtig gut sind und gleichzeitig eine klare Meinung haben. Und das Stimmungsbild sollte man niemals aus den Kommentaren im Internet heraus lesen. Da ist die Minderheit sehr laut, während die Mehrheit meistens schweigt oder sich ab und zu mal aufregt.

          3. Den Film musst du nicht gucken, ist mMn ziemlicher Schrott. Aber es die erfolgreichste deutsche Filmreihe der letzten Jahre und hier werden u.a. Ausländer-Kinder als komplett dumm abgestempelt, weil der Film halt nur aus Stereotypen besteht.

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      5. zu 2.)
        Dann kann man nur feststellen, dass sie nur noch für ihren eigenen Echoraum arbeiten. Das ist vollkommen in Ordnung, aber a.) erreichen sie außerhalb der Bubble niemanden mehr, erreichen also auch keine gesellschaftliche Veränderung und b.) spalten sie die Gesellschaft weiter.
        Ich sehe z.B. deswegen keinen Tatort (neben, dass er grottenschlecht gemacht ist), weil dort ständig irgendwelche gesellschaftlichen Themen (aus linker Sichtweise) beleuchtet werden. Erziehungsfernsehen eben.

        Dafür sehe ich Inspector Barnaby und Lewis, welche einfach nur unterhalten wollen. Es gibt genug Produktionen, welche nicht mehr wollen, auch z.B. bei Hitchcock kann ich nichts anderes feststellen. Das ist der Gegenweis zu deiner These, dass jeder Künstler immer ein Anliegen haben muss.

        Und wenn ich Filme sehe oder Bücher lese, welche Probleme aufgreifen, dann bitte Problematiken, die nicht schon tausendmal durchgekaut wurden.

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        1. OK, was soll denn deiner Meinung nach passieren?
          Drei Möglichkeiten:
          1. Es werden Gegen-Filme gedreht, die das Geschehen aus rechter Sichtweise beleuchten. Dann wäre die Situation umgedreht und rechte würden sich bestätigt fühlen, während Linke es als „Belehrung“ oder „Propaganda“ ansehen. Es ändert sich also nix.
          2. Jeder Film darf keine Meinung haben, sondern sich nur auf absolut gesicherte Fakten stützten. Dann hätten wir einen Einheitsbrei aus stupider Unterhaltung.
          3. Eine Behörde entscheidet über die Filme und sorgt für eine Ausgeglichenheit. Wie man so etwas nennt, muss ich wohl nicht weiter erklären…

          OK, nicht jeder Künstler. Aber dagegen stehen Kubrick, Lang, Spielberg, Kurosawa, Chaplin, Welles usw. Wenn die reine Unterhaltung reicht, dann ist das OK. Ich brauche da mehr und das geht nur mit Filmen die eine Meinung und Identität besitzen. Darüber kann man dann auch gerne streiten 🙂

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          1. Ein Intellektueller, der nur noch hören und prodzieren möchte, was seiner Meinung entspricht und nicht bereit ist, sich an anderen Positionen zu reiben, ist für mich kein Intellektueller, sondern ein blöckendes Schaf in der Herde. Nach der Definition sind die deutschen Künstler strunzdumm.

            Ich lese ja wenigstens noch den Tagesspiegel, die TAZ und Zeit Online, aber bezweifle sehr, dass diese Leute z.B. Cicero oder die Welt lesen.

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      6. Ich habe auch keine Lösung.

        Ich kann nur feststellen, dass ich mir beständig vorkomme, als wenn ich den *Schwarzen Kanal* des DDR-Fernsehens serviert bekomme – im TV schon lange und zunehmend nun auch in der Literatur. Ich stelle ebenfalls fest, dass mich diese Meinungsmonotonie nur noch anwidert und mich zunehmend davon abhält, diese Meinungen auf mich wirken zu lassen. Die Künstler erreichen mich nicht mehr, meine Eltern nicht mehr, sehr viele Leute nicht mehr.

        Es kann ja auch für einen Linken nicht intellektuell anregend sein, immer nur die eigene Meinung vorgebeiert zu bekommen und zustimmend zu nicken.

        *Aber dagegen stehen Kubrick, Lang, Spielberg, Kurosawa, Chaplin, Welles usw.*

        Lang ist schon lange tot und war vor einer (Meinungs-) Diktatur in die USA geflohen und die anderen sind entweder tot oder keine Deutschen. (Sind die nicht alle tot?) Wenn ich einen guten Film mit Aussagekraft sehen möchte, oder einen, der keine ausgelutschten Themen behandelt, dann geht das mit deutschen / deutschsprachigen Filmen nicht oder nur extrem selten.

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        1. Also ich unterscheide da zwischen Medien und Kunst. Bei ersterem gebe ich dir Recht. Nachrichten oder Reportagen waren lange Zeit sehr einseitig uns sind es heute auch noch, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie 2015. Diese „die AFD ist der Teufel in Person“-Haltung war mit ein Grund für die 12,5%. Dumm gelaufen, aus meiner Sicht 😀
          Film und Literatur sehe ich aber anders. Hier geht es nicht darum deinen oder meinen Geschmack zu treffen, unterschiedliche Standpunkte zu befriedigen oder besonders intellektuell anregend zu wirken. Künstler machen Kunst und haben dabei komplette Freiheit. Wenn dir das nicht gefällt, musst du halt andere Literatur konsumieren. Es gibt ja mehr als genug Auswahl…
          Recht gebe ich dir aber bei dem Punkt, dass Literatur oder Kunst spannender ist, wenn nicht nur immer die eigene Meinung wieder gegeben wird. Aus diesem Grund führe ich ja auch mit dir diese Diskussion, obwohl wir zwei verschiedene Meinungen haben 🙂 (Übrigens: Niemals würde ich Kommentare löschen, so lange nichts verbotenes oder beleidigendes gesagt wird 😉 )

          Das Argument mit dem Tot verstehe ich nicht. Es waren Beispiele dafür, dass ältere Künstler auch schon immer eine Meinung vertreten haben und ich würde mal glatt behaupten, dass die Herren sich politisch ziemlich einig waren. Spielberg lebt übrigens noch, aber da fallen mir noch Scorsese und Coppola ein – Meinungsstarke Regisseure und von denen fühlst du dich auch belehrt?

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          1. *Spielberg lebt übrigens noch, aber da fallen mir noch Scorsese und Coppola ein – Meinungsstarke Regisseure und von denen fühlst du dich auch belehrt?*

            Zu Spielberg schweige ich mich in der Öffentlichkeit aus, denn meine Aussage zu ihm kann sehr schnell misinterpretiert werden.

            Scorsese dreht nach meinem Eindruck nur Filme über Psychopathen. Casino gefiel mir, aber irgendwann nach ein paar Filmen fiel mir auf, dass seine Filme ziemlich gleich gestrickt sind.

            Zu Coppola fällt mir zur Zeit nur der Softporno ein, den er aus Dracula gemacht hat und welcher mit der Vorlage 90% der Zeit nichts zu tun hat.

            Was ich zur Zeit spannend finde, ist Weltkino, wie z.B. *Ich sah die Sonne* oder Jolies Film *Weg der Hoffnung*.
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            Hier geht es nicht darum deinen oder meinen Geschmack zu treffen, unterschiedliche Standpunkte zu befriedigen oder besonders intellektuell anregend zu wirken.

            – Für mich durchaus. Natürlich sehe ich Filme auch mal aus Unterhaltung, aber mich reizt es, mit Welten konfrontiert zu werden, welche ich sonst nicht kennen lernen würde.

            Deswegen habe ich mir mal eine Staffel Ice Road Truckers angesehen, deswegen sehe ich gerne Weltkino. Es können auch gerne Problematiken in Europa sein, solange sie frisch und anregend sind. (Für Bücher gilt dasselbe.)
            Ich bin jemand, der fremde Meinungen eigentlich auch sucht, und bereit ist, diese in Teilen anzunehmen. Ich like auch oft Kommentare, wenn ich einfach die Argumentation gut aufgebaut finde, auch wenn sie nicht meiner Meinung entsprechen.

            Natürlich kann ein Künstler machen, was er möchte, es gibt ja sogar ein Musikstück ohne einen einzigen Ton.

            Die Frage ist halt nur, wie sinnvoll es ist, z.B. diesen goebbel`schen Südafrika – Film zu drehen, wenn alle (mir bekannten Personen), nach 30 Minuten ausschalten und gut ein Jahr später immer noch das Gesicht verziehen. Da wurde genau das Gegenteil von dem erreicht, was man erreichen wollte.

            Ich bin nun einmal nicht Künstlerin, sondern Konsumentin und vertrete auch die Sicht eines Konsumeten. (Ich habe das Gefühl, ich habe mich meilenweit an deinem Zitat vorbeigeschrieben.)

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            Meinungsstarke Regisseure und von denen fühlst du dich auch belehrt?

            Kubrick ist einer meiner Lieblingsregisseure, aber hat eben sich Themen jeweils des Mainstreams gesucht. Und er hat immer Raum für eigenes Denken gelassen.
            Ich möchte nur nicht mit Sachen konfroniert werden, welche ich tagtäglich in der Zeitung lese und schon gar nicht möchte ich, dass mir eine Denkrichtung vorgegeben wird. Und letzteres ist leider sehr Deutsch.

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            1. Also ich verstehe durchaus was du meinst. Stimme da auch in Teilen zu. Neben diesen Südafrika-Film (nicht gesehen, aber wahrscheinlich ist es doch einer dieser Tausend Fernsehfilme die sowieso jegliche Qualität vermissen lassen) gibt es aber noch viel mehr im aktuellen Mainstream. Ich denke da an Filme von Villeneuve, der mit „Blade Runner 2049“ oder „Sicario“ aktuelle Themen aufgegriffen hat und sehr gut umgesetzt hat. Oder auch Christopher Nolan mit „Dunkirk“ oder „Interstellar“.
              Ich denke halt einfach, dass Künstler frei arbeiten sollten, ohne auf die Meinung der Konsumenten zu hören. Ebenso ist es ja auch den Konsumenten frei gestellt, die Kunst nicht gut zu finden. Beides ist vollkommen legitim.

              Noch ein paar Worte zu den anderen Regisseuren:
              Scorsese = Einfach mal „Silence“ anschauen, dass ändert vielleicht deine Meinung
              Coppola = Dracula habe ich leider nicht gesehen, dachte aber eher an „Der Pate“ oder „Apocalypse Now“. Damit steht er wie kein anderer für die meinungsstarken Filme des New Hollywood. Solche Filme werden auch heute noch gemacht.
              Kubrick = Mein absoluter Lieblingsregisseur, aber auch er hat Filme gemacht, die du heute vielleicht kritisieren würdest, weil sie linke Konsenz-Meinung vertritt. „Full Metal Jacket“ oder „A Clockwork Orange“. Nicht zu vergessen sein Holocaust-Film, der nicht gedreht wurden ist, weil sein Kumpel Spielberg mit „Schindlers Liste“ schon alles gesagt hat 😉

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            2. Also die Empfehlungen, die ich kenne (Blade Runner 2049, Der Pate und Interstellar) fand ich alle schrecklich.
              ____

              weil sie linke Konsenz-Meinung vertritt. „Full Metal Jacket“ oder „A Clockwork Orange“.

              – Im Gegenteil, die sehe ich immer wieder gerne.

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            3. Also ich denke wir haben einfach einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack. Gerade Villeneuve halte ich für den Kubrick des 21. Jahrhunderts (Liebe zu Details, ästhetische Kamera, komplexe Themen)

              Was Kubrick angeht mögen wir ihn wohl beide aus unterschiedlichen Gründen 🙂

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            4. Wir mögen beide Kubrick oder? 😀 Ich habe deinen Filmblog mal abonniert, dann können wir bestimmt mal über den ein oder anderen Film ausführlich diskutieren 🙂
              Bei Büchern bin ich allerdings raus, obwohl ich gerade „Qualityland“ von Marc-Uwe Kling lese. Da geht es zeitweise auch um ähnliche Themen (z.B. aus der eigenen Blase ausbrechen usw.). Allerdings ist es eine ziemlich platte Satire, daher weiß ich nicht genau ob es deinen Geschmack trifft…

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  3. Sehr spannender Beitrag! Wie es der Zufall so will, habe ich am Wochenende einen Artikel zum selben Thema verfasst. Darin geht es um einen Nazi-Propagandafilm, den ich für die Filmreise Challenge geschaut habe. Darin habe ich mir ähnliche Gedanken gemacht wie du.

    Ich glaube auch, dass Filme (ob nun gewollt als „Propaganda“ entworfen oder nicht) Haltungen und Gefühle des Publikums beeinflussen (oder vielleicht sogar manipulieren?) können.

    „Jedoch halte ich Medienkompetenz und Aufklärung für ein wichtiges Mittel.“

    Im Grunde fasst das alles wunderbar zusammen. Dein Beispiel mit dem Film über den Flüchtling ist gut gewählt. Häufig ist bei der Förderung eines Films auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen involviert. Das kann man übrigens wunderbar auf dem Festival des deutschen Films sehen. Wenn man es so will, entscheidet hier auch der Staat welche Filme gefördert werden sollen und welche lieber unveröffentlicht bleiben. Ich glaube nicht, dass ein fiktiver Film wie der von dir skizzierte in der aktuellen Situation gefördert werden würde. Ich persönlich bin da natürlich froh drum. Trotzdem führt das dazu, dass nur eine (politische) Sichtweise für das Publikum ausgewählt und freigegeben wird. Auch das ist nicht ganz so einfach.

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    1. Vielen Dank 🙂 Ich habe versucht die ganze Thematik um die NS-Propaganda kurz zu halten. Ich persönlich habe bis jetzt nur „Olympia“ aus der Zeit gesehen und naja… mMn sieht selbst ein Blinder die Propaganda dahinter, aber auch nur weil ich über die Zeit sehr gut aufgeklärt bin. Bei anderen Ereignissen der Geschichte habe ich keine Propaganda gesehen, eben wie bei „Animal Farm“, bis ich aufgeklärt wurde. Bin gespannt auf deinen Beitrag 🙂

      Ohje, das Thema mit den ÖR. Allgemein bin ich für das System und zahle meinen Beitrag auch relativ gerne. Aber für mich sind das eigentlich gute System (Medien werden nicht privat gesteuert) und die Umsetzung am Ende ein großer Unterschied. Dadurch das die Mitglieder hinter den ÖR (Verbände, große Parteien) ziemlich gleichgeschaltet sind, kommt auch nur Einheitsbrei von geförderten Filmen bei uns an. Ausnahmen bestätigen die Regeln. Momentan ist das verkraftbar, aber sollte die politische Meinung immer weiter in bestimmte Richtungen gehen, halte ich z.B. meinen fiktiven Film für nicht mehr unrealistisch.

      Noch zum deutschen Filmfest (du meinst wahrscheinlich in Lu): Einmal dagewesen, überteuertes Ticket gekauft, mittelmäßigen Film gesehen und das Publikum (die „High Society“, welche den Bürgern ein Filmfest schenkt) hat mich einfach nur angekotzt. Das hat nicht mehr viel mit dem Grundgedanken von Filmfesten zu tun.

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      1. Nur dass das nicht falsch hängen bleibt: wie ich neulich an anderer Stelle schon mal sagte, bin ich grundsätzlich auch für das System der ÖR. Ich wollte nur anmerken, dass die Gefahr der Manipulation durchaus da ist.

        Zum Film Festival:
        Die Qualität der Filme ist wirklich so eine Sache. Aber das gilt nicht nur für das Festival sondern generell für weite Teile des deutschen Films.

        Ich finde die Preise auch teuer. Allerdings sind diese bei anderen Festivals (Berlinale) noch teurer.
        Dieses Jahr sind erstmals auch internationale Filme am Start. Das finde ich gut.
        Du wirst also nicht vor Ort sein?

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        1. Naja, die Berlinale hat ja einen großen internationalen Ruf. Für so ein Festival in Berlin oder Cannes würde ich auch mehr Geld ausgeben. Für die Parkinsel in Ludwigshafen eher weniger 😀
          Ich habe mir das Programm noch gar nicht angeguckt, aber allgemein bin ich mehr Fan vom Filmfest Mannheim-Heidelberg. Es fällt mir gerade auf, dass es schon meckern auf hohem Niveau ist, wenn man gleich zwei relativ große Filmfestivals um der Ecke hat.
          Aber wenn man beim Filmfest in Ludwigshafen mit einem Blogger-Kollegen über deutschen Film ablästern kann, wäre ich vielleicht sogar bereit über die Brücke zu fahren 😀

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            1. Ich habe das Programm übrigens mittlerweile überflogen. Da sind schon ein paar interessante Filme dabei.
              Hast du mal eine Akkreditierung versucht? Manchmal hat man als Blogger ja Glück…

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            2. Nein habe ich nicht. Du?
              Ich würde vorschlagen, dass du eine Liste machst von Filmen die dich interessieren würden. Ich mach das auch. Dann ermitteln wir die Schnittmenge und schauen ob wir einen Termin finden. 😊

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            3. Ich werde es mal versuchen, glaube aber nicht gerade an hohe Erfolgschancen 😀
              Das klingt doch nach einem Plan. Wie sollen wir da am besten kommunizieren? WordPress fehlt ganz klar ein Nachrichten-Tool. Wie wärs mit Twitter?

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            4. Ach ja, Email… Ganz vergessen 😀 😀
              Ich mach meine Liste mal übers Wochenende und send sie dir dann zu 🙂

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    2. *Trotzdem führt das dazu, dass nur eine (politische) Sichtweise für das Publikum ausgewählt und freigegeben wird. Auch das ist nicht ganz so einfach.*

      Dann darf man sich nämlich, um deine Sätze weiterzuführen, wenn sich ein Großteil abwendet und sich Medien zuwendet, in welchen sie ihre Meinung eher reflektiert sehen. Ich stelle mal die Behauptung auf: Je linker die Kulturszene ist und das Medienangebot ist, desto weniger Leute fühlen sich angesprochen und desto mehr werdensie sich gegebenfalls nach rechts radikalisieren, weil sie in deren Medien ihre Meinung verstärkt bekommen.

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  4. Puh, du packst hier ein echt komplexes Thema an. Über den Begriff des Propaganda Films herrscht in der Filmwissenschaft ja noch Uneinigkeit. Interessant vielleicht zu wissen, dass es selbst unter den Nazigrössen unterschiedliche Auffassungen dazu gab. Goebbels wollte bei den Filmen richtig offensiv auf die Kacke hauen, Hitler hingegen meinte, Propaganda wäre umso effektiver, je weniger sie als solche zu erkennen sei. Ich denke jedoch, dass ein Film, nur weil er eine politische Botschaft hat, nicht automatisch Propaganda verbreiten will. Dazu müsste er im Auftrag einer politischen Instanz gemacht werden. „Animal Farm“ kann man also durchaus dazu zählen, dein fiktives Flüchtlingsbeispiel weniger.

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    1. Ja, das Thema ist wirklich komplex. Daher habe ich mich nach dem ersten Absatz auch komplett von Definitionen oder der Geschichte getrennt. Da kenne ich mich viel zu wenig aus und konnte da besser aus meiner eigenen Praxis erzählen. Wie gesagt: Es war eher ein runterschreiben von Gedanken, kein Essay o.ä.
      Mein Beispiel (mal schauen wie lange es noch fiktiv ist) ist mir spontan die letzten Wochen eingefallen. Horst war da eine große Inspirationsquelle 😀 Jedoch kämen da die Gelder vom öffentlichen Film-Fond und den ÖR, also staatl. Geldquellen. Somit finde ich, dass man es schon mit „Animal Farm“ vergleichen kann, auch wenn dazu eigentlich das Geld vom BND kommen müsste. OK, der Vergleich hinkt etwas, aber ich hoffe mein Gedanke kam trotzdem raus 🙂

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    2. *Goebbels wollte bei den Filmen richtig offensiv auf die Kacke hauen, Hitler hingegen meinte, Propaganda wäre umso effektiver, je weniger sie als solche zu erkennen sei.*

      Wo Hitler recht hat, hat er Recht *duck* – wahrscheinlich zum einzigen Mal in seinem Leben.

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