Review: Avengers Infinity War

Review_InfinityWar

Erscheinungsjahr: 2018

Herkunft: U.S.A.

Regie: Anthony und Joe Russo

Besetzung: Josh Brolin + Halb Hollywood

Da geht man einmal nicht bei einem Hype-Film ins Kino und das gesamte Internet rastet komplett aus. Das gesamte Internet? Nein, in der Filter-Bubble eines kleinen Bloggers gibt es großen Unmut über den dritten „Avengers“. Gleichzeitig steht der Blockbuster des Jahres bei 9/10 Punkten auf ImdB. Es hilft nichts, ich musste mir wohl selber ein Bild machen.

  • Böser Bube mit Komplexen

„Infinity War“ soll das Finale der letzten 18 Marvel-Filme sein. Alle Superhelden sollen sich gegen den größten Feind des Universums messen. Es soll ein riesiges Action-Spektakel und die Krönung aller Fanträume werden. Alles schön und gut, aber ich sitze im Kino und verstehe die Welt nicht mehr. Aber alles zu seiner Zeit. Die Story ist simpel. Oberschurke Thanos sammelt kleine Steine, die ihm die Macht über das Universum geben. Die Suche macht der lila Bodybuilder aber nicht nur aus Spaß. Tatsächlich hat Thanos richtige Beweggründe und das macht ihn auch ziemlich interessant. Aber ist der Bösewicht jetzt ein sehr tiefer Charakter mit einer Hintergrundgeschichte, die einem vom Sessel reißt? Nein! Der Grund warum Thanos so gut ankommt, ist die absolute Leere des restlichen Films. Dadurch, dass alle anderen absolute Klischee-Bilder sind und deren Charakterbogen auf einen Bierdeckel passt, wirkt eine Person mit eigenem Lebenslauf wie ein helles Licht im dunklen Drehbuch. Ich hatte gehofft, dass die guten Ansätze von „Civil War“ weiter ausgeführt werden. Die Helden weiter an Tiefe und Menschlichkeit gewinnen. Die Erwartungen waren aber umsonst. „Infinity War“ ist ein Action-Blockbuster und selbst das noch nicht mal richtig.

  • Bitte lächeln, bitte weinen

Dieser Film bringt die absolute Triple-A-Liga von Hollywood zusammen. Klar, immerhin haben sie alle dann einen Namen auf dem Plakat des Films, welcher alle Rekorde brechen wird. Die Liebe zur Schauspielkunst wird die wenigsten zu diesem Werk getrieben haben. Da darf Robert Downey Jr. mal einen coolen Spruch machen oder Chris Evans streng durch die Gegend gucken. Aber wie sollen auch bei mehreren Drehwochen im Greenscreen irgendwelche Emotionen auftauchen. So etwas schafft vielleicht ein Motion-Capture-Gott wie Andy Serkis, aber kein Ensemble wie die Avengers. „Infinity War“ ist mehr Animationsklamauk, als ernster Actionfilm. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass es unglaublich schwierig ist, die 18 vorigen Filme zusammen zu bringen. Wenn es scheinbar unmöglich ist, aus dieser Ausgangslage einen guten Film zu machen, dann sollte man es doch einfach lassen. Disney würde sich solcher Kritik auch bestimmt annehmen, wenn die Fans den Aufstand proben und die Einnahmen vielleicht bei den nächsten Streifen zurückgehen. Jedoch bekommt der Mickey-Mouse-Konzern genau eine Message aus den Weiten des Internets: Macht bitte genau so die nächsten drölfzig Jahre weiter! Gute Nachrichten für die Aktionäre, schlechte Neuigkeiten für die Fans des Kinos. Somit wird auch in Teil 2 des Avengers-Finales das Marketing das Drehbuch bestimmen. Ich höre schon die Fans sagen: „Marvel hat den Titel extra geändert, es wird kein Finale in zwei Teilen sein wie z.B. bei Harry Potter oder Tribute von Panem“. Mal ganz im Ernst, wurden denn alle während des Finales einer Gehirnwäsche unterzogen?

  • Lieber ein Ende mit Schrecken?

Das Ende von „Infinity War“ erzähle ich mal hier nicht, aber es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, dass man eine große Überraschung erwarten kann. Aus meiner Sicht ist es das aber nicht. Wer nur einen kleinen Einblick in die Entwicklung von Marvel und Disney hat, kann schon ahnen, dass das Ende niemals so stehen bleiben wird und im nächsten Jahr wieder relativiert wird. Mit diesem Wissen ist es keine Überraschung, sondern eine riesige Frechheit des Konzerns. Mit diesem Ende wirkt der Film für mich komplett bedeutungslos. Soll ich mich hier wirklich fühlen, als stände das gesamte Universum auf dem Spiel? Tatsächlich kann man so denken, aber nur wenn die Charaktere selbst ihren Auftrag ernst nehmen. Damit wären wir bei meinem Lieblingspunkt angelangt: Humor als Stilmittel, um emotionale Szenen zu zerstören. Zugegen, „Infinity War“ hält sich mehr zurück als seine Vorgänger, aber trotzdem kann man dem Zuschauer wohl keine ernste Szene zumuten, ohne eine witzige Pointe am Schluss zu setzten. Außer beim Finale, welches sich aber in seiner eigenen Bedeutungslosigkeit verliert.

  • Kann man machen, muss man aber nicht

Ein Überfluss an unwichtigen Charakteren, „Overkill“ an CGI-Effekten, emotionale Zerstörung durch Humor und ein Ende mit kompletter Bedeutungslosigkeit. Herzlichen Glückwunsch „Infinity War“! Ihr habt es geschafft, meine niedrigen Erwartungen zu enttäuschen. Während andere Marvel-Filme in meiner Wahrnehmung irgendwo zwischen „gut“ und „ganz unterhaltsam“ liegen, regt mich „Avengers 3(.1)“ deutlich mehr auf. Auf der anderen Seite gibt es wirklich ein paar nette Effekte und die Protagonisten mögen einfach sein, aber eine gewisse Sympathie kann man z.B. „Thor“ nicht abstreiten. Mit dem Antagonisten Thanos hat Marvel noch einen Lichtblick geschaffen. Wenn die Macher sich im nächsten Film voll und ganz auf diesen Charakter konzentrieren und wenigstens ein Protagonist mit ähnlicher Tiefe ihm entgegensteht, dann könnte der Nachfolger besser werden. Wahrscheinlich verlässt sich Disney aber wieder einmal auf ein einfaches Drehbuch, coole Sprüche und einem „so überraschenden“ Cliffhanger. Denn immerhin wird die Kuh der Superhelden noch Jahre weiter gemolken werden. Wer alle diese Kritikpunkte ignorieren kann und einfach seine Lieblings-Helden auf der großen Leinwand sehen will, dem wünsche ich viel Spaß. Für mich ist „Infinity War“ jedoch ein Krieg, den die Zuschauer und das Kino verloren haben. Großer Gewinner: Der Aktienkurs von Disney und damit ist wohl das Blockbuster-Niveau der nächsten Jahre vorgegeben.

Avengers Wertung

Ich bewerte übrigens ab jetzt im 5er-System, da ich mir einen Letterbox-Account zugelegt habe. Gerne HIER folgen und euren Account-Namen in die Kommentare schreiben 🙂

12 Comments

  1. Eine (womöglich SPOILER!!! enthaltende) Frage:

    Kommt Adam Warlock im Film vor? Der wurde ja am Ende von Guardians 2 geteast und war in der Comichandlung ziemlich zentral. Ich habe ihn aber bislang nirgendwo erwähnt gesehen.

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    1. Nö, also zumindest hab ich ihn nicht erkannt 😀
      Ich glaube eher, dass er in GotG 3 vorkommen wird. Die Fortsetzung macht zwar nach dem Ende von IW kein Sinn, aber das scheint ja jedem egal zu sein.
      Vielleicht ist dieser Charakter aber eine Möglichkeit für Avengers 3.2

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      1. Okay, unauffällig ist der Goldjunge ja eher nicht. Ist nicht eigentlich jeder Cliffhanger des Films völlig albern, wenn der zentrale McGuffin ein Werkzeug ist, das die Relität umschreiben kann? Da kann im nächsten Film ja sprichwörtlich alles passieren. Vielleicht ein Zeitsprung mit vielen loganschen, grauen Schläfen. 😉

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        1. Stimmt, so ein fliegender, goldener Typ wäre mir wohl aufgefallen.Ich hatte nur oft meine Hand an der Stirn, kann also sein, dass er irgendwo im Hintergrund mal durchs Bild geflogen ist 😀

          Sobald man die Box mit Zeit und Realität aufmacht, gibt es immer eine Lösung und die Autoren haben einfaches Spiel. Es wird wohl darauf hinauslaufen, auch wenn ich kein großer Fan dieser Methoden bin. Allerdings gibt es sowas auch in den Comics mehr als genug.
          Ich könnte mir noch Deus Ex Machina vorstellen, also ein noch größerer Bösewicht am Ende oder alle Avengers formieren sich zusammen. Fans würden wohl auch das feiern…

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          1. Verdrehte Welt zum Comic: Lady Death will mit lila Shrek ausgehen und der muss sich zwei Stunden lang immer absurdere Ausreden einfallen lassen, warum er keine Zeit habe. In den letzten zehn Minuten wird das ganze MU kommentarlos wieder auf den Status Quo Ante gesetzt.

            Andere Idee: alle Helden tauchen auf, werden aber wieder von den Schauspilern verköpert, die sie in den 70ern, 80ern und 90ern gespielt haben.

            Herr Feige? Ich hätte Zeit! Beantworten Sie doch endlich eine meiner Mails!

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            1. Schöne Theorien, aber meine Idee: Eine Stunde lang rumheulen, zweite Stunde „der Superheld aus der After-Credit-Scene kommt und macht Mut“ und Finale: Zeitstein klauen, alles rückgängig machen und ein Superheld stirbt dabei um die Fans zu „schockieren“.

              Herr Feige? Mein Honorar ist deutlich günstiger als das vom Filmlichter!

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            2. Naja die Auswahl ist etwas eingeschränkt. Oder doch nicht? Damit würde ich dir komplett alles verratten. Vielleicht holst du IW an einem trüben Sonntagnachmittag mal nach 😀

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            3. Werd ich vermutlich machen. Früher oder später schaue ich zumindest die von Regisseuren, die mich interessieren. Und je nachdem wie Teil 2 nu ausgeht kann IW ja durchaus „Pflicht“ werden, um den Rest verfolgen zu können.

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