Die besten Filme aller Zeiten: Platz 13 – Pulp Fiction

Pulp Fiction

Erscheinungsjahr: 1994

Herkunft: U.S.A.

Regie: Quentin Tarantino

Besetzung: John Travolta / Samuel L. Jackson / Uma Thurman / Bruce Willis u.a.

Als ich das erste Mal „Pulp Fiction“ gesehen habe, war ich noch um einiges kleiner, viel zu jung und auch eine ganze Ecke dümmer als heute. Was will mir dieser Film sagen? Was sollen die ganzen kleinen Storys da? Wer hat wie mit wem zu tun? Kurz: Ich wusste zwar, dass mir Tarantinos Werk gefällt, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung warum. Es blieb mir wohl nichts anderes übrig, als „Pulp Fiction“ nochmal zu sehen. Und nochmal… Und nochmal…

  • Gut – Besser – Tarantino

Es gibt wohl sehr wenige Regisseure, von denen ich alle Filme gesehen habe. Quentin Tarantino gehört zu diesem winzigen Kreis. Von „Reservoir Dogs“ bis „Hateful Eight“ könnte eigentlich fast jeder Streifen in dieser Topliste auftauchen. Die Sache mit „Death Proof“ vergessen wir einfach mal. Aus seiner ganzen Biografie stechen jedoch zwei Filme extrem heraus. Der eine ist „Pulp Fiction“ und der andere wird noch auf dieser Liste erscheinen. Ja, dieses Meisterwerk ist nicht mein liebster Film von Tarantino! Natürlich muss der Film aber trotzdem etwas geleistet haben, um überhaupt auf dieser Liste zu erscheinen. Zu aller erst ist da die Story zu nennen. Viele Filme versuchen einzelne Episoden zu erzählen und diese dann irgendwie zu verknüpfen. Bei „Pulp Fiction“ hatte ich schon immer das Gefühl, dass Tarantino sein eigenes Skript gelesen hat und dann entschieden hat, dass die Geschichte viel besser in einer anderen Reihenfolge wirkt. „Bonnie und Clyde“ am Anfang, irgendwas mit einem Boxer in der Mitte, dazu noch diese zwei unterschiedlichen Killer-Buddys und schon ist eine Story fertig, die auch linear bestimmt funktioniert hätte. Zu einem Meisterwerk wird „Pulp Fiction“ aber erst durch die erzählweiße. Was macht es mit dem Zuschauer, wenn ein Charakter stirbt, aber er danach noch in weiteren Episoden zu sehen ist? Im ersten Moment ist wahrscheinlich jeder verwirrt, aber dann Teilen sich die Geschmäcker. Die Einen, die auf der Stufe der „Verwirrung“ stehen bleiben und den Film als O.K. abtun. Dann gibt es noch die anderen, die sich durch die Erzählstruktur angespornt fühlen. Diese zweite Gruppe, zu der ich mich auch zähle, schaut sich den Film nochmal an. Und nochmal… Und nochmal…

  • Hinter der Story

Die Art wie Tarantino seinen Film erzählt ist außergewöhnlich, aber das würde nichts bringen, wenn auch nicht andere Teile des Werkes stimmig sind. Da wäre zum einen der Cast. Alle Charaktere haben leicht einen an der Klatsche. Manche mehr, manche weniger. Diese kleinen Verrücktheiten der Protagonisten machen sie alle so unglaublich symphytisch. Sollte man auf der Seite eines Killer-Duos sein, die gerade einem jungen Mann das Gehirn weggeschossen haben? Zugegeben, das waren die beiden nicht absichtlich. Der Tote ist jedoch schnell vergessen, weil man als Zuschauer mitfiebert und hofft, dass sie keinen Ärger bekommen. Eine extreme Situation, die Tarantino aber so alltäglich darstellt, dass man fast meinen könnte: „Ach die beiden Idioten haben wieder mal einen erschossen. Naja, passiert“. Würde ich in der echten Welt so denken, könnte man mich schnell in die Klinik einweisen lassen. „Pulp Fiction“ ist aber ein Kinofilm und tut genau das, was ich an Filmen und bei Tarantino so unfassbar liebe. Er nimmt die normale Welt und setzt dort vollkommen psychopatische, aber sympathische Charaktere rein. Neben der Entwicklung der Charaktere hat Tarantino noch ein anderes Talent: Dialoge schreiben! Kaum ein anderer Autor kann so flüssige und natürliche Gespräche schreiben wie er. Dazu kommt noch sein unfassbares Film- und Musikwissen, was er in eigentlich jedem seiner Filme zur Schau stellt. Zusammen ergibt das den zweitbesten Tarantino-Streifen, Platz 13 in meiner Top-Liste und ein Film, den man ruhig nochmal sehen kann. Und nochmal… Und nochmal…

Ist Pulp Fiction euer Liebling unter den Tarantino-Filmen? Wenn ja, warum?

Die bisherigen Plätze (Mit Verlinkung zum Artikel):

19 Comments

  1. Ja ist er.
    Allerdings ist die Formulierung „Liebster Tarantino“ unglücklich, weil ich die meisten anderen Filme des Regisseurs eher mittelmäßig bis schlecht finde.

    Kill bill finde ich zum Beispiel furchtbar. Inglorious Basterds und Hateful 8 so mittel. Reservoir Dogs und Django gut aber nicht in derselben Liga wie Pulp Fiction.

    Gefällt 1 Person

    1. W-Wa-Wassss? Raus aus dem Internet! 😀 Ich liebe fast alle Tarantino-Filme. Ich finde, er kann absolut fantastische Charaktere erschaffen und Dialoge für die Ewigkeit schreiben. Einzig Death Proof finde ich schwierig, aber was kann man gegen Kill Bill haben?

      Gefällt 1 Person

      1. Naja, ich kenne einige Leute, die generell Tarantino-Filme nicht ausstehen können. Der polarisiert schon stark.

        Kill Bill ist für mich der schlimmste Film, weil ich asiatische Schwertmätzelfilme generell nicht mag und Tarantinos Homage wirkt wie eine sehr künstliche Homage. Die Kampfszenen sind furchtbar lahm.

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        1. Ja stimmt, ich bin so in meinem Freundeskreis in einer Tarantino-Bubble. Da ist jegliche Kritik fast verboten 😀

          Meine mich zu erinnern, dass Kill Bill eine Homage an die alten Revenge-Western ist und der asiatische Teil (besonders im ersten Teil) so ein bisschen darauf eingehen soll, dass viele Western auf japanischen Filmen basieren z.B. Die glorreichen Sieben auf Die sieben Samurai.
          Aber ist ja egal, wenn es bei dir anders angekommen ist. Vielleicht gibts du den beiden Filmen noch mal eine Chance, da sind echt großartige Szenen drin abseits des Schwertgemätzels 🙂

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    1. Nach längerer Zeit wieder da 😀
      Die Biografie hört sich wirklich fantastisch an. Ein Examplar macht sich bestimmt bald gut in meinem Regal. Danke für den Tipp : )

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