Superhelden – Quo Vadis? (1/2)

Special_Superhelden

Wenn Kritiker ihre Reviews oder Essays mit den berühmten Worten „Quo Vadis“ beginnen, dann könnte man eine tiefe Betrachtung des zu Grunde liegenden Themas erwarten. Meistens ist es aber nur die eigene Meinung des Autors, welche er in blumige Worte verpackt und die möglichst viele Menschen im Internet dann nachreden sollen. Nun dürft ihr dreimal raten, was euch hier erwartet! OK, ich versuche es nicht ganz so offensichtlich zu schreiben. Achtung: Der folgende erste Teil wird sich ein bisschen mit der neueren Superhelden-Geschichte beschäftigen, während ich im zweiten Teil mehr auf die persönliche Kritik eingehe. Und ja, ihr müsst beides lesen : )

  • Alea iacta est – Die Würfel sind gefallen

Gleich mal vorweg: Auch dieser Text wird natürlich nicht alles umfassen können und klar ist auch, dass die eigene subjektive Wahrnehmung die nächsten Zeilen bestimmen werden. Ich möchte hiermit eher eine Momentaufnahme festhalten. Wie kam es zum Superhelden-Kino, wo steht es jetzt und wohin führt das Ganze noch? Wenn man „Iron Man“ (als ersten Film des MCU) als Startschuss für das größte Genre der Kino-Neuzeit nimmt, dann feiern wir in diesem Jahr das 10-jährige Jubiläum. Mir kommt es fasst so vor, dass viele Menschen über dieses Jahrzehnt ihre Meinungen in Stein gemeißelt haben. Was sehr komisch scheint, denn niemand käme auf die Idee alle Horror oder Fantasy-Filme gleich zu betrachten. Immer mehr Leute entschließen sich jedoch eine extreme Position zu vertreten. Es gibt wenig zwischen der hemmungslosen „Liebe“ und dem abgrundtiefen „Hass“. Natürlich gibt es noch genug Kritiker, welche einen differenzierten Blick zu lassen.

marvelvsdc

Umso länger die Erfolgsgeschichte von Marvel und DC dauert, umso mehr spüre auch ich diese Entwicklung. Das ging so weit, dass ich mir nach „Batman vs. Superman“ und „Civil War“ geschworen habe, nie wieder in einen MCU oder DC Film zu gehen. Das war 2016 und natürlich habe ich mich nicht daran gehalten. Jedoch hat sich in den letzten 10 Jahren etwas geändert. Während ich mich  vor 5-6 Jahren noch auf jeden Marvel-Film gefreut habe und diesen Franchise-Gedanken geliebt habe, kippte diese Stimmung irgendwann zu Wut auf die immer gleichen Muster. Heute schaue ich mir einen Trailer zu „Infinity War“ an. Eigentlich sollte ich unglaublich gespannt sein, immerhin ist es das große Finale nach 18 Filmen. Doch ich bin nicht gespannt, ich bin auch nicht wütend – mir ist es einfach egal.

  • Deus Ex Machina – Gott aus der Maschine

Zeitsprung in das Jahr 2008: Als Iron Man das Licht der Welt erblickte, war noch alles in Ordnung. Der Film hat Spaß gemacht und mehr konnte man damals nicht wirklich von einen Superhelden-Film erwarten. Bis zu diesen Zeitpunkt gab es ein paar sehr gelungene Experimente wie z.B. Burton´s 90er Jahre Batman oder auch die Spider-Man Trilogie. Dazu kamen aber noch viele richtig schlechte und mittelmäßige Verfilmungen. Ein paar Monate später kam jedoch „The Dark Knight“ in die Kinos. Die düstere Version des dunklen Ritters kam nicht nur bei Kritikern gut an, sondern auch bei den Kinozuschauern. Also standen sich Marvels „Iron Man“ und „Batman“ von DC im Jahr 2008 direkt gegenüber und konnten beide ca. eine halbe Milliarde Dollar einspielen. Hätte zu dieser Zeit die Firma Warner das Potenzial eines Franchise richtig erkannt, hätten wir heute vielleicht einen richtigen Kampf zwischen dem „cleanen“ Marvel-Universum und der dunklen, etwas härteren Welt der DC-Helden. Bei Disney (also Marvel) folgte in den nächsten Jahren Thor, Hulk, Captain Amerika und die Avengers. DC und Warner konterten mit Green Lantern…

lanternavengers

Doch warum hat es der Mäuse-Konzern so gut hinbekommen, ein eigenes Universum zu erschaffen? Die Antwort heißt (auch wenn es viele nicht hören wollen): Die Marvel-Formel. Das Ganze zu erklären, sprengt den Rahmen dieses Beitrags, aber zu diesem Begriff gibt es mittlerweile dutzende von sehr guten Essays. Die Kurzform: Ihr hattet in einem Marvel-Film schon einmal das Gefühl, dass das Ganze euch irgendwie bekannt vorkommt und ihr fast den ganzen Film vorhersagen könnt? Die Formel ist die Antwort auf diesen Effekt, der jedoch bei vielen mehr ein Gefühl ausdrückt, als eine wirkliche cineastische Beobachtung. Disney möchte mit ihren Filmen möglichst viele Menschen ansprechen. Es passt einfach besser zum Unternehmen und diese Taktik ist natürlich auch besser für das Firmen-Konto. Wer will es ihnen verübeln, immerhin ist Hollywood kein Wohltätigkeitsverein und auch schon lange nicht mehr das Zentrum des kreativen Films. Die Superhelden müssen eine Menge Kompromisse eingehen und Innovationen wären ein nicht gewünschtes Risiko. Unter diesen Umständen ist es schon unglaublich, was z.B. Streifen wie „Winter Soldier“ auf die Leinwand zaubern. Es gibt auch noch einen anderen netten Nebeneffekt: Marvel Filme sind immer unterhaltsam. Mal mehr, mal weniger, aber immer auf einem Grundniveau. Es stellt sich nur die Frage: Wollen wir 18 Filme die mittelmäßige-gute Bewertungen bekommen oder weniger Filme, die eigenständig, kreativ und innovativ sind?

  • Veni Vidi Vici – Ich kam, ich sah, ich siegte

Wir befinden uns wieder in der Gegenwart: Disney haut einen Superhelden-Hit nach dem nächsten raus. Alle sind erfolgreich, bekommen fast nie richtig schlechte Bewertungen und die Fans freuen sich unglaublich auf das große, vorläufige Finale mit „Infinity War“. Auch Warner hat sich gefangen. Zwar waren „Batman vs. Superman“, „Suicide Squad“ und „Justice League“ keine Kritiker-Lieblinge, aber dafür kommerziell erfolgreich. Außerdem haben sie etwas Erstaunliches geschafft. DC hat nämlich den eigentlichen Sinn von Superhelden wiederentdeckt: Helden als Identifikationsfigur verschiedener Bevölkerungsgruppen! „Wonder Woman“ ist der einzige DC-Film der letzten Jahre mit herausragenden Kritiken. Ich habe den Film selber nicht gesehen und erlaube mir deshalb keine Wertung. Aber das einzige was ich vom Film mitbekommen habe sind solche Sätze wie „Endlich mal bekommt eine Superheldin ihren eigenen Film“. In kurzer Zeit wurde die Frau mit dem unsichtbaren Lasso zu einer der wichtigsten Figuren der aktuellen Frauen-Bewegung.

wonderpanther

Dasselbe passiert jetzt mit „Black Panther“. Ich habe noch keinen großen, internationalen Kritiker gehört, der nicht das Thema des „ersten schwarzen Superhelden“ umfangreich besprochen hat. Das ging so weit, dass manche Kritiken von renommierten Häusern zu dreiviertel aus der politischen Wichtigkeit bestanden, während die Kritikpunkte kurz abgehandelt wurden und am Ende eine hohe Punktzahl vergeben wurde. Auch hier gilt: Ich habe den Film noch nicht gesehen. Das liegt aber weder an den schwarzen Darstellern, noch an der Schauspielerin in „Wonder Woman“. Die Gründe dafür liegen ganz woanders, allerdings werde ich das im zweiten Teil mehr zum Ausdruck bringen. Ich vertrete jedoch die Meinung, dass mir Filme primär gefallen sollen, damit ich sie gut bewerte. Klingt logisch und ganz einfach? Im Jahr 2018 ist das wohl ein großes Problem für die internationale Kritiker-Branche. Bei dieser „Problematik“ bin ich allerdings auch noch am überlegen. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass Gruppen der Gesellschaft in Filmen Identifikationsfiguren finden und so vielleicht den Mut bekommen, in der Öffentlichkeit auf Probleme aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite will ich einfach nur gute Filme und die politischen Umstände interessieren mich vielleicht als Privatperson, aber selten als Kinogänger der unterhalten werden will. Wenn z.B. „Black Panther“ sehr gute Kritiken bekommt, aber gar nicht so ein guter Film ist, welche Schlüsse wird ein Konzern wie Disney daraus ziehen? „Die 8 von 10 ist uns sicher, wir brauchen nur einen Charakter aus einer bestimmten Bevölkerungsschicht“ Ladies and Gentlemen, dass nenne ich einen „Worst-Case“!

Das war es erstmal für Heute. Wie oben schon angesprochen, wird der zweite Teil etwas persönlicher und auch kritischer (sowohl positive, als auch negative Kritik). Gerne könnt ihr mir aber schon mal schreiben, wie euch der erste Teil gefallen hat und was ihr von der Entwicklung der Superhelden haltet.

(Bild-Quelle: imdb.com)

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