Review: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Review_Billboards

Erscheinungsjahr: 2018

Herkunft: U.S.A. / GBR

Regie: Martin McDonagh

Studio: Blueprint Pictures / Fox

Menschen wollen Frieden und führen Krieg. Sie wollen Rache und gleichzeitig Gerechtigkeit. Sie möchten in Ruhe leben und glücklich sterben. Sie sind hochintelligent und handeln oftmals strohdumm. Ja, wir Menschen sind schon echt komische Wesen. Die Tatsache wird mir immer dann klar, wenn ein Film der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Jeder wird an das Selbe denken, wenn man folgende Geschichte hört…

  • Realität auf der Leinwand

Ein Mädchen im Teenager-Alter wird irgendwo in einer kleinen Stadt in Missouri vergewaltigt und verbrannt. Als nach Monaten die Polizei immer noch nicht den Täter geschnappt hat, beschließt die Mutter des Mädchens, Mildred Hayes (Frances McDormand), drei Plakatwände an einer öden Landstraße zu mieten. Auf diesen ist ab sofort in Großbuchstaben zu lesen: „Raped While Dying“, „Still No Arrests?“ und „How come, Chief Willoughby?“. Die örtliche Polizei ist damit natürlich überhaupt nicht zu frieden. Während die einen versuchen mit Druck Mildred dazu zu bewegen, die Plakate abzureißen, setzt der Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) eher auf Dialog. Dieser ist auch noch krebskrank und somit steht auch die Stadt zwischen zwei Stühlen: Ist man jetzt für die arme Mutter oder für den kranken Polizisten? Kommt euch das irgendwie alles bekannt vor? Na klar, man kennt die Geschichten von schlimmen Vergewaltigungen, von faulen und unfähigen Polizisten oder auch von den armen Familien, die mit solchen Tragödien umgehen müssen. Aber wart ihr jemals in einer solchen Situation? „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ lädt euch dazu ein, eine sonst nur aus den Medien bekannte Geschichte, hautnah mitzuerleben. So etwas ist nicht für jeden etwas.

  • Ein steiniger Weg

Die Macher des Films hätten sich das Leben auch einfach machen können. Sie hätten ein tiefes Drama erzählen können, mit einer liebevollen Mutter auf der einen Seite und der bösen Polizei auf der anderen Seite. Dass dies nicht der Realität entspricht, weiß wahrscheinlich jeder. Filme wollen uns aber meistens von dieser bitteren Realität ablenken, in dem sie Gut und Böse klar unterscheiden. „Three Billboards“ lässt diese Grenzen verschwimmen und schafft damit etwas, was ich im heutigen Kino so sehr vermisse: Echte Charaktere! Die Protagonisten sind hier sowas von auf den Punkt geschrieben. Alle (selbst der kleinste Nebencharakter) hat hier seine Ecken und Kanten, jedoch auch seine guten und liebevollen Seiten. Für manche Entscheidungen möchte man sie am liebsten Anschreien, in anderen Momentan eher in den Arm nehmen und trösten. Dabei bleiben die Charaktere nicht auf der Stelle stehen, sondern entwickeln sich weiter. Ebenso wie im echten Leben, wo Menschen sich durch emotionale Ereignisse verändern können. Zum positiven und negativen gleichermaßen. Aber auch die Geschichte entwickelt sich weiter. Es entsteht eine Gewaltspirale, welche immer wieder versucht wird zu durchbrechen. Keiner will hier wirklich jemanden etwas schlechtes, aber alle werden auch durch ihre Emotionen gelenkt. Menschen handeln nunmal nicht immer rational und logisch. Alles zusammengefasst durch dieses wunderbare Schaubild der drei Werbetafeln. Plakativ sind nicht nur deren Texte, sondern eben auch das Denken der Protagonisten, angetrieben durch tiefe Emotionen.

  • Darf ich Lachen?

In Sachen Story und Skizzierung von Charakteren ist der Film einsame Spitze. Mit einer Sache habe ich hier aber beim besten Willen nicht mit gerechnet: Wirklich witziger Humor. Vor ein paar Wochen habe ich einen Text geschrieben, in dem ich gesagt habe, das aktuelle Filme Tragödie und Komödie nicht zusammen bekommen. Dabei bleibe ich auch, denn „Three Billboards“ ist kein Blockbuster und versucht sich hier an einer sehr hohen Kunst des Witzes: Dem schwarzen Humor. Hier findet sich eigentlich alles. Gags über Schwarze, Weiße, Behinderte, Homosexuelle und sogar Krebskranke. Das kommt nicht nur einmal vor, sondern wirklich alle paar Minuten. Aber nicht vergessen, wir befinden uns immer noch in einer Kleinstadt in Missouri. Jeder der wie ich aus dem eher dörflichen Bereich stammt, kennt solche Leute. Da wird mal ein lustiger Spruch in geselliger Runde gebracht, ohne auf politische Korrektheit zu achten. Ich gebe zu: Das ist zwar genau mein Humor, aber natürlich in solchen Zeiten schwierig. Schwarzer Humor hat nämlich das große Problem, dass ihn nicht jeder versteht oder dass er falsch interpretiert wird. So fielen auch die Reaktionen im Kino aus. Viele (auch ich) konnten gar nicht anders, wie an manchen Stellen laut los zu lachen. Andere verstanden jedoch die Welt nicht mehr und waren den ganzen Film über still. Natürlich will ich keinem vorwerfen, den Humor nicht verstanden zu haben. Es bleibt am Ende halt Geschmacksache. Die Art der Witze und das Timing passt jedoch zu den Charakteren und die eigentliche Ernsthaftigkeit des Films bleibt erhalten.

  • Ein bisschen Kritik muss sein

So, die positiven Merkmale habe ich jetzt erläutert und das ist auch mit Abstand das Wichtigste am Film. Jedoch muss ich auch ein klein bisschen meckern. So waren ein paar Szenen ein wenig unnötig und somit hat der Film auf mich etwas zu lange gewirkt. Die Spannung, welche teilweise wirklich sehr stark zu spüren war, hält „Three Billboards“ auch nicht über die gesamte Länge. Dafür überrascht er immer wieder mit Wendungen in der Geschichte. Das geht so weit, dass man in manchen Szenen schon fast Angst davor bekommt, vor dem was als nächstes passiert. Dazu kommen noch ein paar tolle Kamerafahrten, welche den Streifen nochmals ein wenig auflockern. Die Filmmusik wechselt auch im Niveau zwischen passenden Songs und schöner, jedoch recht eintöniger Begleitmusik. Außerdem muss ich die eigentlich guten Aspekte etwas kritisieren, denn manchmal will der Film etwas zu viel. Der ein oder andere Witz war dann doch etwas unpassend und es gab auch durchaus Charaktere, welche ich tatsächlich relativ überflüssig fand. Aber ihr merkt schon, ich bin am Ende doch ziemlich beeindruckt von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Für mich ist es kein perfekter Film, dafür gibt es dann doch zu viele Kritikpunkte. Jedoch will „Three Billboards“ mit seinen emotionalen Charakteren, der sich entwickelnden Geschichte und auch mit dem sehr dunklen Humor, zum Nachdenken anregen und das hat er bei mir auf jeden Fall geschafft.

Pro:

  • Charakter-Gestaltung bis ins kleinste Detail
  • Story und deren Erzählung
  • Passender schwarzer Humor

Contra:

  • Etwas zu lang
  • Ein paar unnötige Szenen
  • Manchmal will der Film etwas zu viel

Wertung – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – 8,5/10

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