30 Wochen – 30 Filme – Nr.24

Nr.24Fragen

Na, gute Laune?  Damit ist jetzt Schluss! Denn heute geht es um „den traurigsten Film aller Zeiten“. Gleich mal vorweg: Überaus kreativ war ich bei meiner Antwort nicht. Oft ist jedoch der erste Gedanke auch der richtige. Viel spannender finde ich aber die Frage: „Was muss ein Film tun, damit ich als Zuschauer tatsächlich Trauer empfinde?“ Ich muss zugeben, dass es sehr selten passiert, dass ich mir tatsächlich bei einem Film eine Träne wegwischen muss. Ab und zu passiert das aber auch dem stärksten Mann und somit erzähle ich euch heute nicht nur vom traurigsten Film den ich kenne, sondern gebe noch ein paar andere Beispiele, bei denen Trauer auf der Leinwand funktionieren kann.

  • Erwartete Antwort

Eine Sache die bei mir schon immer ein gewisses Unwohlsein ausgelöst hat, war das Thema „Krieg“. Eindringliche Filme wie „Im Westen nichts Neues“ (Die Version aus den 30ern) oder auch „Das Leben ist schön“ gehen mir einfach nahe. Von Krieg alleine werde ich aber weniger traurig. Ich bin eher erschrocken über die gezeigten Szenen oder wütend, wenn es sich um reale Fälle wie z.B. dem „Holocaust“ handelt. Und damit wären wir auch schon bei meinem Antwort-Film: „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg. Kaum ein anderer Streifen zeigt so eindringlich die Unmenschlichkeit der Nazis und die Hoffnungslosigkeit eines ganzen Volkes. Da wären wir auch schon beim zweiten Punkt, welcher bei mir die Tränendrüsen anregen kann: Ungerechtigkeit. Es gibt unzählige Filme, in denen Charaktere sterben oder leiden müssen, obwohl sie nichts getan haben. Das ist ein großer Unterschied zum normalen „Gut gegen Böse“. Bei einem Kampf (z.B. bei normalen Actionfilmen) gibt es immer einen Gewinner und Verlierer. Selbst wenn ich für den Verlierer Empathie zeige, so kommt bei solchen Szenen recht selten Trauer auf. Dass es bei „Schindlers Liste“ nicht wirklich um einen Kampf geht, sondern um das reine Überleben von ganzen Menschengruppen, muss ich wohl nicht extra erklären.

  • Die Kitsch-Line

Das „Schindlers Liste“ ein trauriger Film ist, das ist wohl jedem klar. Keiner schaut sich diesen Streifen an und ist danach voller guter Laune. Das gilt auch für alle anderen (Anti-)Kriegsfilme, bei denen nicht die Action, sondern die Menschen im Vordergrund stehen. Schwieriger wird es bei anderen Genres. Ganz vorne dabei ist das klassische Drama. Viele dramatische Filme wollen auf die Tränendrüse drücken, in dem sie Themen wie „Krankheit“, „Verlust“ oder „Tod“ behandeln. Das kann oder kann nicht funktionieren. Oftmals geben mir die Macher einfallslose Charaktere, ein liebloses Setting oder eine Story, welche vollgepackt ist mit Kitsch und Klischees. Traurige Themen alleine reichen meistens nicht aus. Das könnte jetzt daran liegen, dass wir wahrscheinlich alle durch die Realität und durch die Medien einfach schon viel gewöhnt sind. Die große Kreativlosigkeit ist aber das weitaus größere Problem. Besonders viele deutsche Filme kranken oft an eindimensionalen Protagonisten oder an Schauspielern, die ihre Mimik nur zwischen absoluter Freude oder tiefster Trauer bewegen können. Gerade wenn es um alltägliche Probleme geht, sollten die Charaktere auch menschlich wirken und die Geschichte nachvollziehbar sein. So kann ein Film „echt“ wirken und damit auch mehr Emotionen (in diesem Fall „Trauer) auslösen.

  • Heul doch!

Ich kann für mich wunderbar definieren, bei welchen Filmen ich Trauer empfinde und warum dies so ist. Blöd nur, dass es noch einen weiteren wichtigen Punkt gibt: Das Unerwartete. Bestes Beispiel dafür ist der Pixar-Film „Alles steht Kopf“. Eigentlich ein lustiger Kinderfilm, wenn nicht im letzten Drittel ein Aspekt angesprochen wurde, den ich wirklich nicht erwartet habe. Bei „Alles steht Kopf“ werden tatsächlich „Depressionen“ thematisiert. Die Macher schaffen eine wunderbare Metaebene, bei denen die Kinder weiter den Film genießen können und mir als Erwachsener mal kurz ein Schauer über den Rücken kommt. Ich gebe es zu: Bei „Alles steht Kopf“ war ich den Tränen sehr nahe, weil ich einfach absolut nicht damit gerechnet habe. Ein anderes Beispiel für dieses Phänomen ist „Watership Down“ (Unten am Fluss). Wiedermal ein Zeichentrickfilm, mit dem ich als Kind viel Spaß hatte. Als Erwachsener halte ich diesen Streifen für einen der traurigsten aller Zeiten. Hier werden so viele aktuelle Thematiken (Krieg, Vertreibung, Diskriminierung) angesprochen, dass es schon fast zu viel ist. Einer modernen Version von „Watership Down“ würde ich wahrscheinlich zu viel Kitsch und Pathos vorwerfen. Das Original ist aber wunderbar melancholisch und stimmungsvoll, was natürlich auch daran liegt, dass der  Titelsong „Bride Eyes“ von Art Garfunkel ist. So könnte ich eine lange Liste anfertigen, mit Filmen die bei mir überraschenderweise Trauer ausgelöst haben. Aber bevor ihr beim Lesen noch anfangt zu weinen, höre ich besser auf. Nächste Woche gibt es dann auch wieder ein fröhlicheres Thema.

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